Buchbesprechung: Jimi Hendrix – alle Songs

Von | 18. September 2020

„Jimi Hendrix, alle Songs, die Geschichten hinter den Tracks“ ist der vollständige Titel dieser Hendrix-Biografie und -Diskografie aus dem Delius Klasing Verlag. Das Buch gehört zu einer Reihe, die die Geschichte legendärer Musiker anhand ihrer Songs erzählt. Dieser Band wurde von Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin verfasst.


Buch Jimi Hendrix
Buchumschlag: Jimi Hendrix – alle Songs


„If I don’t meet you no more in this world then
I’ll meet ya on the next one
And don’t be late 
Don’t be late“ 

(Jimi Hendrix, Voodoo Chile) 

Wenn dieser Artikel erscheint, ist Jimi Hendrix vor genau 50 Jahren in London gestorben. Auch im vorliegenden Buch wird über die mysteriösen Umstände berichtet. Polizei, Sanitäter und zwei Freundinnen haben damals voneinander abweichende Aussagen gemacht. Verschwörungstheorien, die von Mord sprechen, sind ebenfalls im Umlauf.


Jimi Hendrix 1970 beim Love and Peace Festival auf der Insel Fehmarn


Love and Peace in Germany

Zwölf Tage zuvor, am 6. September 1970, gab Jimi Hendrix sein letztes Konzert auf der Insel Fehmarn. Ich war selbst dabei, als Jimi, begleitet von Mitch Mitchell an den Drums und Billy Cox am Bass, beim „Love and Peace Festival“ auftrat. In Berichten habe ich gelesen, es sei kein gutes Konzert gewesen. Ich hatte den gegenteiligen Eindruck. Obwohl er „Purple Haze“, „Spanish Castle Magic“ und andere Songs schon seit Jahren auf fast jedem Konzert gespielt hatte, kam es mir nicht wie gelangweilte Routine vor. Neben dem virtuosen Gitarrenspiel erinnere ich mich noch gut an seine geschmeidigen Bewegungen auf der Bühne. Das war keine Choreografie, kein Show-Effekt, sondern eine besondere Art und Weise, die Musik mit dem ganzen Körper auszudrücken, wie es nur wenigen Künstlern gelingt. Bei diesem Auftritt wurden weder Lautsprecher ramponiert, noch Gitarren verbrannt. Für Feuer sorgten am Ende des Konzerttages die als Ordner angeheuerten Hells Angels. Als die Bühne brannte, waren wir aber schon längst auf dem Weg nach Hause – am nächsten Tag war schließlich Schule!


Ein wirklich umfangreiches Buch – iPhone zum Größenvergleich


Die Familie Hendrix

Auch wenn „Jimi Hendrix – alle Songs“ die Songs in den Mittelpunkt stellt, kommt der Lebenslauf nicht zu kurz. Man erfährt, dass beide Großmütter von den Cherokee abstammten. Die Eltern führten ein sehr bewegtes Leben und ließen sich scheiden, bevor die Kinder erwachsen waren. Man lernt eine Menge Ereignisse kennen, die einen Menschen für sein Leben prägen können, deshalb sind diese Inhalte wichtig.


Auch während seiner kurzen Militärzeit an der Gitarre! (S. 20 – 21)


Der Weg zur Musik

Jimi Hendrix’ Interesse für die Gitarre erwachte früh. Bis zum Beginnt seiner Karriere in England war er bereits als Begleitmusiker mit zahlreichen amerikanischen Top-Stars wie Little Richard aufgetreten. In diesem Buch erfährt man eine Menge über das musikalische und soziale Umfeld des legendären Gitarristen. Es ist erschreckend zu lesen, dass farbige Künstler in 1960er Jahren in den USA gezwungen waren, vorwiegend in Clubs „für Schwarze“ aufzutreten. Die Rassentrennung im damaligen Ausmaß kann man sich heute nur schwer vorstellen. In England war das anders. Chas Chandler, der ehemalige Bassist der Animals, entdeckte Jimi in einem Club in New York und holte ihn nach Großbritannien. Ein Schlagzeuger und ein Bassgitarrist wurden für die neue Band „The Jimi Hendrix Experience“ gecastet. Drummer Mitch Mitchell und Bassist Noel Redding werden im Buch ausreichend gewürdigt. 

Alle Songs

Der Schwerpunkt dieses Buches liegt, wie der Untertitel sagt, bei den Songs. Leider sind die Texte nicht abgedruckt. Weil bei jedem Song der ersten drei Alben die Aussagen der Texte ausführlich gewürdigt werden, wäre es interessant, die Deutungen mit dem Wortlaut zu vergleichen. Nach dem Motto „Was will der Dichter uns damit sagen?“ hat sich der Autor ausführliche Gedanken gemacht. Manchmal zu ausführlich, meiner Meinung nach. Welche Freundin hatte etwas mit welchem roten Haus zu tun, das die Inspiration zum Titel „Red House“ war? Vielleicht fand Jimi einfach nur, dass „Red House“ besser klingt als „Yellow House“ oder „Green House“? Genug gelästert – das ist nur eine subjektive Meinung. 

Als jemand, der selbst Musik macht und aufnimmt, fand ich es überaus interessant zu lesen, wie die einzelnen Titel in verschiedenen Studios produziert worden sind. Toningenieur Eddie Kramer spielte eine große Rolle für den Sound der Jimi Hendrix Experience, vergleichbar mit der Rolle von George Martin bei den Beatles. Ich habe viel erfahren, was ich noch nicht wusste, z.B. dass Hendrix auf einigen Aufnahmen selbst Bass gespielt hat. Noel Redding wird als „frustrierter Gitarrist“ bezeichnet, er hat sich scheinbar wenig für den Bass als Instrument interessiert. Trotzdem wird sein Spiel in diesem Buch zu Recht gewürdigt. Bei einem Trio bringt jeder Musiker seine Persönlichkeit mit ein und prägt den Stil der Band mit.

Zu Lebzeiten hat Jimi Hendrix mit der „Jimi Hendrix Experience“ drei Alben veröffentlicht. Alles, was danach auf den Markt kam, haben andere entschieden. Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll war, Demos nachträglich mit Bass und Schlagzeug zu ergänzen, auf jeden Fall brachte es den Erben viel Geld ein. Auch diese Alben werden im Buch beurteilt. 


Zu „Little Wing“ (S.250 – 251)


Die Autoren

Beatles, Rolling Stones, Pink Floyd, Bob Dylan, Led Zeppelin: Mit der Serie „Alle Songs – Die Geschichten hinter den Tracks“ hat das Autorenteam Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin die Historie der Rockmusik ausgiebig dokumentiert. Ich kenne bisher nur den Hendrix-Band; der kompetente und auch überwiegend sachliche Stil der Beschreibungen gefällt mir sehr gut. Auch Kritik wird geäußert, zum Beispiel wird auch mal eine Abmischung als misslungen bezeichnet.

Fazit

Das Buch „Jimi Hendrix, alle Songs, die Geschichten hinter den Tracks“ von Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin aus dem Delius Klasing Verlag ist eine wahre Schatztruhe an Informationen für jeden Hendrix-Fan. Außerdem dokumentiert es die Rock- und Pop-Geschichte der 1950er bis 1970er Jahre in den USA und Großbritannien einschließlich des jeweiligen sozialen Umfelds. Die ausgiebigen, sachverständigen Beschreibungen der Musikaufnahmen haben mir sehr gut gefallen. Die Ausstattung mit teilweise großformatigen Fotos ist besonders reichhaltig und umfasst auch bisher unveröffentlichte Bilder. Ich habe jede der 590 Seiten gelesen und meine Beurteilung lautet: sehr empfehlenswert!


Jimi Hendrix – alle Songs, im Schnelldurchlauf auf YouTube:


Verlag: Delius Klasing
ISBN: 978-3-667-11686-4 
Preis: 59,90

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