The Man in the High Castle

By | 1. Januar 2016

Der Untertitel von „music-knowhow“ heißt „Musik und mehr“. Dieser Beitrag gehört mehr in die Rubrik „mehr“. Aber auch nicht ausschließlich!

Juliana

 

Wir schreiben das Jahr 1962

Das Hakenkreuz prangt an einem Wolkenkratzer in Manhattan. Nachdem Deutschland gemeinsam mit dem verbündeten Japan den zweiten Weltkrieg gewonnen hat, ist hier das Hauptquartier des „Greater Nazi Reich“, während die Gebiete am Pazifik unter japanischer Herrschaft stehen.

Die attraktive Juliana Crain wird nach dem Verschwinden ihrer Schwester in die Kreise des Widerstands gezogen. Sie folgt den Spuren der Schwester nach Canon City, das in der neutralen Zone zwischen den beiden Staaten liegt. Juliana transportiert einen verbotenen Film dorthin, der vom mysteriösen „Man in the High Castle“ stammen soll und eine alternative Weltordnung zeigt. Während ihrer gefährlichen Reise wird in San Francisco ihr Freund Frank vom japanischen Sicherheitsdienst verhört und brutal gefoltert.

Nachdem Juliana im Bus beraubt worden ist, lernt sie Joe kennen, der für sie im Restaurant bezahlt. Joe scheint ein netter Kerl zu sein und während der nächsten Tage freundet man sich an. Ein scheinbarer Kontaktmann hat es auf den Film abgesehen und auf Julianas Leben. Da sie – ironischerweise – eine japanische Kampfsportart beherrscht, gelingt es ihr, den Angreifer zu töten, indem sie ihn über die Brüstung einer Brücke in einen tosenden Wasserfall schleudert. Joe kommt hinzu und hilft später, die Leiche zu versenken. Anschließend telefoniert er mit Obergruppenführer Smith und der Filmzuschauer erfährt, dass der freundliche Joe ein Nazi-Agent ist.

So in etwa beginnt die von Amazon produzierte TV-Serie „The Man in the High Castle“.

Amazon – ein Blick über den Rand des Einkaufswagens

Während meines USA-Aufenthalts im Dezember 2015 habe ich die Serie (mit englischen Untertiteln) über den Pay-TV Account unserer Gastfamilie gesehen. Auch in Deutschland ist sie seit dem 18. Dezember 2015 verfügbar.

Mein Tipp für alle, die neugierig darauf sind, wie die Story weitergeht: Die Amazon Prime Mitgliedschaft, die dafür benötigt wird, kann man für 30 Tage kostenlos erwerben. Außerdem sind bestellte Waren für Prime-Mitglieder währenddessen versandkostenfrei und kommen auch noch schneller an.

Warum ist diese Serie interessant?

Da ist zunächst der Autor, auf dessen Buch „Das Orakel vom Berge“ die Verfilmung beruht. Es handelt sich um Philip K. Dick, der schon die Vorlage zum Kultfilm „Blade Runner“ lieferte. Von einigen Kritikern wurde „das Orakel“ sogar als sein bestes Werk gelobt. Als Regisseure und Produzenten sind Frank Spotnitz (Akte X) und Ridley Scott (Blade Runner) beteiligt.

Ob „Heil“ oder „Herr Obergruppenführer“, die amerikanischen Schauspieler sprechen die deutschen Wörter – auch die mit „ü“ – sehr gut aus und das ist ihnen sicher nicht leicht gefallen. Als jemand, der selbst ein „ü“ im Vornamen hat, weiß ich das zu würdigen. Nicht ganz so gut gelingt es, als eine der Hauptpersonen zu seiner Familie nach Deutschland reist und längere Dialoge in deutscher Sprache vorkommen. Das hat man in der deutschen Synchron-Fassung sicher ausgebessert.

Kritiken

In den USA erhielt der Pilotfilm im Frühjahr 2015 sehr gute Kritiken und Zuspruch vom Publikum, worauf Amazon die Serie kurzfristig produzieren ließ. Ich habe online recherchiert und gefunden, dass in Deutschland sowohl „der Spiegel“ als auch „die Welt“ positive Kritiken veröffentlicht haben.

Die Werbung

In Amerika gab es beim Serienstart Proteste, weil Amazon bei der Werbung etwas zu dick aufgetragen hat. Die Freiheitsstatue mit zum Hitlergruß erhobenem Arm, das kam nicht so gut an. In der New Yorker U-Bahn wurden Bänke mit der fiktiven amerikanischen Flagge der Eroberer plakatiert. Die roten „Stripes“ zeigten anstelle der „Stars“ einen Reichsadler mit Eisernem Kreuz. (Im Film ist es sogar das Hakenkreuz, aber darauf sollte wohl auch in New York niemand seinen Allerwertesten setzen.) Gegen diesen Werbe-Gag schritt der New Yorker Bürgermeister ein.

Eine gelungene TV-Serie?

Von der Buchvorlage kenne ich nur die Zusammenfassung bei Wikipedia. Es ist zu erkennen, dass die Verfilmung teilweise stark vom Original abweicht.

Mir hat die erste Staffel der Serie (eine zweite soll kommen) gut gefallen. Ich mag Geschichten, bei denen man die Personen näher kennenlernt und die Dialoge enthalten, die über „Raus hier!“ hinausgehen. Echte Gewalt wird wenig gezeigt, dafür ist aber die Atmosphäre von Angst und Unterdrückung bestimmt. Ridley Scott hat seit Blade Runner nichts verlernt und sorgt für Spannung und eine glaubwürdige düstere Atmosphäre, die den Zuschauer umso mehr dazu bringt, sich mit den „Guten“ zu identifizieren. Einige Episoden kamen mir etwas lang gestreckt vor, aber so etwas ist manchmal auch Stimmungssache beim Zuschauer. Die Handlung wird vom Konflikt zwischen familiären Bindungen, Liebesbeziehungen und dem Ruf der Pflicht bestimmt; sei es der Pflicht zum Gehorsam oder zum Widerstand gegen das Unrechts-System. Die Schauspieler sind druchweg sehr gut und viele davon sind aus anderen Filmen und TV-Serien bekannt. Sehr sympathisch finde ich Alexa Davalos („Riddick“, „Der Nebel“) als Juliana.

Die Musik

Der Vorspann wird von dem mystisch gehauchten Song „Edelweiß“ untermalt, der einen gespenstischen Kontrast zur gewalttätigen Story bildet. „Bless my homeland for ever“ lautet die letzte Textzeile. Der englisch gesungene Song wurde ursprünglich von Rodgers und Hammerstein für das Musical „The Sound of Music“ geschrieben, das die Geschichte der Trapp-Familie erzählt, und 1959 erstmals veröffentlicht. Hier singt ihn mit eindringlicher Stimme die schwedische Sängerin Jeanette Olsson, die auch selbst komponiert und außerdem schon für viele Stars, von Britney Spears über Célin Dion bis zu Nicki Minaj, als Background-Sängerin tätig war.

Die Filmmusik wurde von Henry Hackmann und Dominic Lewis komponiert. Beide haben teilweise zusammen mit Hans Zimmer an erfolgreichen Kinohits mitgewirkt und arbeiten in Hans Zimmers Studio-Komplex Remote Control Productions in Santa Monica. Die Musik unterstreicht passend die Handlung, ohne zu laut und hektisch zu werden, wie es bei manchen aktuellen Hollywood-Produktionen der Fall ist. Der düstere Sound und die zur Thematik passenden, teilweise melancholischen Melodie-Linien – das hat mir gut gefallen.

Neben der eigentlichen Filmmusik sind noch einige bekannte Popsongs aus den 60ern zu hören. „Sukiyaki“, japanisch gesungen von Kyū Sakamoto, war damals tatsächlich ein weltweiter Hit. „Save the last dance for me“ und „The end of the world“ ebenfalls, nur werden sie hier von anderen Interpreten und ebenfalls auf japanisch vorgetragen. Ein Glücksfall für die Urheber, falls es in jener Welt auch eine GEMA geben sollte!

Fazit

„The Man in the High Castle“ ist ein spannender Science-Fiction Thriller, der nicht in der Zukunft spielt, sondern in einer Parallel-Welt während der 1960er Jahre. Irgendwie erinnert das entfernt auch an „Lost“. Zumindest eine Person konnte in dieser Staffel den Zeitstrahl wechseln. Wie so etwas möglich ist, könnte höchstens der Doc aus „Zurück in die Zukunft“ erklären. Auch in dieser Geschichte kommt nichts wirklich besseres dabei heraus, wenn man am Raum-Zeit-Kontinuum herumpfuscht!

3 thoughts on “The Man in the High Castle

  1. Jürgen Drogies Post author

    Wie ich weiß, magst du auch Blade Runner.

    Reply

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