Logic Tipp: Binaural mischen!

By | 18. Februar 2016

Einige Funktionen in Logic Pro X werden selten genutzt, wenn nicht sogar übersehen. Dazu gehört bestimmt auch der Binaurale Panner (bei Panner auf den Buchstaben „a“ achten – Vorsicht Rechtschreibkorrektur!)

 

Logic Channels mit Binauralen Pannern

Logic Channels mit Binauralen Pannern

 

Surround mal anders

Ich gehöre zu den (wenigen?) Leuten, die sich vor einigen Jahren eine 5.1. Surround-Anlage gekauft haben; nicht fürs Heimkino, sondern zum Musik hören. Ich besitze seither eine Sammlung von SACDs und DVD-Audio-Scheiben, unter anderem mit Veröffentlichungen von Linkin’ Park und David Bowie. Leider konnten sich beide Formate nicht am Markt durchsetzen. Aber es gibt eine Alternative – jedenfalls für eigene Produktionen!

Binaurale Aufnahmen verwenden herkömmliche 2-Kanal-Stereotechnik. Sie simulieren räumliches Hören durch künstlich erzeugte Laufzeitunterschiede und Frequenz-Manipulationen, die dem Hörer die Positionen von Schallereignissen in jeder Richtung vermitteln können. Zur Grundlagenforschung diente die Kunstkopf-Technik, bei der Mikrofone am Ende eines nachgebildeten Gehörgangs zur Schallaufzeichnung verwendet werden. Wie beim Hören von Kunstkopf-Aufnahmen ist der Surround-Effekt am besten mit Kopfhörern wahrzunehmen.

Die Software

Durch Testberichte über spezielle Software Plug-ins, wie sie von Waves und Flux/Ircam angeboten werden, wurde ich daran erinnert, dass Logic Pro X binaurales Mischen ohne Zusatzprogramm ermöglicht und habe es ausprobiert. Ob die Spezialsoftware noch bessere Ergebnisse bringt, kann ich nicht sagen; dieser Artikel bezieht sich nur auf Apple Logic Pro X in der Version 10.2.1.

Der Panner

Der Binaural-Panner ist verfügbar, wenn im Bereich „Erweitert“ der Einstellungen die Option „Surround“ im Abschnitt „Zusätzliche Optionen“ aktiviert ist.

 

Hier wird der Panorama-Regler auf "binaural" umgestellt.

Hier wird der Panorama-Regler auf „binaural“ umgestellt.

 

Ein Klick auf den Output-Slot im Kanal (Voreinstellung „St-Ausgabe“) bringt ein Menü zum Vorschein, in dem sich ganz unten „Binaural“ mit einem Häkchen versehen lässt. Der Pan-Knopf ändert sich zur Ansicht „Binaural Panner“.

 

Binauraler Panner, Einstellung "Planar"

Binauraler Panner, Einstellung „Planar“

 

In Logic Pro lässt sich bei den integrierten Plug-ins die Ansicht skalieren. Ich habe die Darstellung vergrößert, damit alle Beschriftungen gut lesbar sind.

Die kleinen blauen und grünen Kreise werden „Pucks“ genannt, man positioniert damit das Signal im virtuellen Raum. „Angle“, „Elevation“ usw. passen sich an, wenn man die Pucks verschiebt. Hier ist Probieren angesagt. Im Kopfhörer wird bei laufendem Sequencer kontrolliert, optisch läßt sich die Position innerhalb der 3-D-Darstellung unterhalb verfolgen.

„Size“ beträgt in der Grundeinstellung 1,50 m. Ob es sich dabei um die Größe der Ohren handelt (Benjamin Blümchen lässt grüßen) oder um den Raum, in dem die Musik spielt (WC?) ist mir nicht klar. Die Erklärung im Logic Benutzerhandbuch lautet:

Feld „Size“: Bestimmt die Größe der Scheibe oder Kugel, ausgedrückt als Radius der kreisförmigen Scheibe.

Alles klar? Nach dem Herumprobieren mit unterschiedlichen Werten, habe ich den Default-Wert für Size beibehalten (Alt+Klick setzt auf diesen Wert zurück.)

Mit dem kleinen Dreieck unten habe ich bei meinen Abbildungen zusätzliche Parameter eingeblendet. Die einzige Einstellung, die ich bei meinem Test  hier vorgenommen habe, ist die Entfernung des hier noch sichtbaren Häkchens für „Diffuse-Field Compensation“. Das wird bei Verwendung mehrerer Binaural-Panner in einem Projekt so empfohlen. Die Funktion wird dann vom Post-Processing Plug-in einem AUX-Kanal übernommen. Mehr dazu später.

 

04-Kugel-Panner

 

Die – nach meinem Geschmack – beste räumliche Wirkung habe ich im oben abgebildeten Modus „Spherical“ erzielt. Bei der Abbildung sind die Pucks verschoben, sodass der Sound des entsprechenden Kanals von hinten links in halber Höhe zu vernehmen sein sollte. Diese vorsichtige Formulierung habe ich gewählt, weil man sich natürlich so etwas auch einbilden kann. Außerdem werden solche Höreindrücke nicht von allen Menschen gleichermaßen wahrgenommen.

 

Plug-in "Binaural Post Processing" zum Summieren.

Plug-in „Binaural Post Processing“ zum Summieren.

 

Mein Song „Burn“, mit dem ich vor einiger Zeit ein selbst gemachtes Video vertont habe, erschien mir zum Testen geeignet. Er besteht aus 20 Tracks, darunter virtuelle Instrumente, ein Geräusch-Sample (Feuer), ein Effekt-Sound (Rauschen) und E-Gitarre. Ich habe in jeden Kanal den Binaural Panner eingesetzt. Die Outputs waren bereits auf 3 AUX-Kanäle (Busse) geroutet. In diese Kanäle habe ich das Plug-in „Binaural Post-Processing“ eingesetzt und die Funktion „Diffuse Field Compensation“ jeweils im Panner ausgeschaltet. Das Plug-in übernimmt damit diese Funkton für alle eingespeisten Kanäle gemeinsam. Hier lässt sich eine von drei Voreinstellungen für Kopfhörer wählen, oder ein Lautsprecher-kompatibler Modus.

Zunächst das Video mit dem herkömmlichen Stereo-Mix zum Vergleich. Der Film macht den Einsatz der Soundeffekte deutlich.

 

Obwohl der Titel für ein Hörbeispiel mit drei Minuten recht lang ist, präsentiere ich ihn jetzt noch zweimal in voller Länge. Weil anfangs keine Drums vorhanden sind und sich das Ganze nach und nach aufbaut, lassen sich die räumlichen Positionen einzelner Elemente gut orten und verfolgen.

Den Sequencer-Bass (Arturia Minimoog V) habe ich per Logic Spurenautomation im Kreis bewegt, teilweise in Schleifen wie auf einer Achterbahn. Die Gitarre wandert im Kreis und auch mal durch die Mitte. Mit künstlerischen Maßstäben gemessen, habe ich wohl übertrieben, aber es geht ja hier um eine Demonstration der technischen Möglichkeit „Binaurales Mixen“.

Beim Einfügen des Binaural Panners haben sich die Lautstärkeverhältnisse der Kanäle geändert. Ich musste alles neu justieren und der Mix ist deshalb nicht völlig identisch mit der Stereo-Version. Außerdem habe ich die afrikanische Percussion lauter gemacht, weil mir das so besser gefällt. Die in der Stereo-Version verwendeten Hall Plug-ins Altiverb und Lexicon Hall habe ich durch Surround-Hall Presets des Logic Space Designers ersetzt.

 

  1. Binaural Mix Headphones

    Erstes Hörbeispiel: Einstellung  „Headphone DF – averaged over all directions“. Bitte unbedingt mit Kopfhörern anhören!

06-headphones

 

 

 2. Binaural Mix Haedphones + speakers

Zweites Hörbeispiel: „Speaker CTC – Cross Talk Cancellation for speaker playback“.  

Der folgende Mix lässt sich auch über Lautsprecher gut anhören und klingt dabei noch sehr räumlich.

 

Fazit

Die Funktion „Binaurales Mischen“ in Apple Logic Pro X hält, was sie verspricht: Die akustische Ortung von Signalen an beliebiger Stelle im Raum. Da man mit einer DAW im allgemeinen Mehrspuraufnahmen macht und für jeden Kanal ein Binauraler Panner zur Verfügung steht, kann man die Platzierung der Signale völlig beliebig vornehmen. Ich hatte Bedenken, die Räumlichkeit könnte durch die Bearbeitung mit Mastering Plug-ins verloren gehen. Das war aber nicht der Fall. Beide Versionen wurden mit WaveLab 8 gemastert unter Verwendung von IK Multimedia t-Racks. Ob man am binauralen Mix Freude findet, liegt am subjektiven Hörempfinden. Ich kann den Effekt gut wahrnehmen, finde es aber schade, dass man ihn nicht einfach als „Zugabe“ in einen Mix integrieren kann, der über Lautsprecher optimal klingt. Der Kopfhörer-Mix hat über Lautsprecherboxen zu wenig Bass und eine unangenehme Anhebung der Höhen im Präsenz-Bereich. Der zweite, Lautsprecher-kompatible Mix, ist ein Kompromiss, denn hier klingt es über Kopfhörer etwas weniger nach „Surround“.

Liebe Leserinnen und Leser,

ich würde mich sehr über Kommentare freuen, die subjektive Eindrücke vom binauralen Mix vermitteln, da bekannt ist, dass die Wirkung unterschiedlich wahrgenommen wird. Ist die Surround-Wirkung überzeugend? Ist der Unterschied zwischen Kopfhörer-Mix und dem Lautsprecher-kompatiblen Mix so deutlich, dass sich ein spezieller Kopfhörer-Mix lohnt? Alles Zeitverschwendung? …?

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