Test: IK Multimedia EQ 73, EQ 81, Master EQ 432

By | 30. April 2014

Drei T-RackS Module ergänzen die Equalizer-Abteilung um interessante Sounds von Geräten, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind und heute zu den Produkten mit Kultstatus zählen.

Obwohl die digitale Musikproduktion Standart geworden ist, genießt Hardware bei Mischpulten und Effektgeräten einen besonderen Ruf. Pulte von SSL oder Neve haben ihren eigenen Charakter, der von den eingebauten Vorverstärkern, Equalizern und Kompressoren mit bestimmt wird. Moderne Software versucht auch diese besonderen Klangeigenschaften zu emulieren.

Rumpelstilzchen

Nein, ich möchte hier kein Märchen erzählen. Der Satz mit dem Anfang: „Ach wie gut, dass niemand weiß…“ kam mir in den Sinn, als ich nachgeforscht habe, welche „classic British EQ models“ Pate gestanden haben. IK Multimedia verwendet zwar manchmal Namen von Herstellern der Original-Hardware, z. B. Fender und Orange, aber immer geht das wohl nicht, vor allem, wenn die Firmen nicht mehr existieren.

Nachdem SSL-Module schon seit einiger Zeit verfügbar sind, hat man sich nun zwei Geräte vorgenommen, die als Hardware zuerst in den Kanalzügen eines Mischpults von Rupert Neve zu finden waren. Als T-RackS Module heißen sie EQ 73 und EQ 81.

EQ 73

Tiefen bei 60 Hz, Höhen bei 10 KHz angehoben, Preamp + 11 dB

Tiefen bei 60 Hz, Höhen bei 10 KHz angehoben, Preamp + 11 dB

 

Nachdem das Original ursprünglich als Teil einer großen Mixing-Konsole auf den Markt gekommen war, konnte man es ab 1970 auch als eigenständiges Rack-Gerät kaufen. Der 3-Band-EQ hat gerasterte Einstellungen für Bass- und Mittenfrequenzen, die Anhebung/Absenkung beträgt jeweils bis zu 16 dB.
Die Höheneinstellung ist bei 10 KHz fixiert, der Regelbereich beträgt ebenfalls +/- 16 dB. Zusätzlich gibt es ein Hi-Pass-Filter mit dem sich Frequenzen von 50, 80, 160 oder 300 Hz mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Oct absenken lassen.

Preamp magic

Einen besonderen Einfluss auf den Sound hat bei diesem EQ der Vorverstärker, der ebenfalls mit Hilfe der Modeling Technologie nachgebildet wurde. Mit dem großen roten Regler lässt sich der Preamp bis hinein in den Sättigungsbereich fahren. Der EQ kann aber auch ausgeschaltet werden, für den Fall, dass nur der Sound des Preamps gewünscht wird.

Bei den folgenden Soundbeispielen hört man während der ersten Hälfte eine Schlagzeugaufnahme ohne, im zweiten Abschnitt mit EQ.

Sound-Beispiel:
EQ 73 mit der oben abgebildeten Preset-Einstellung „Solid Drums“

 

 

Sound-Beispiel:
EQ 73 nur Preamp (+ 15 dB)

 

Sehr beliebt ist der Einsatz dieses Geräts bei Kicks, Snares, und Drumkit-Overheads, Bass, Gitarren und Gesang.

 

EQ 81

Bass und Höhen etwas angehoben, untere Mitten abgesenkt, obere Mitten leicht verstärkt, Preamp +1 dB

Bass und Höhen etwas angehoben, untere Mitten abgesenkt, obere Mitten leicht verstärkt, Preamp +1 dB

 

Der EQ 81 ist eine Weiterentwicklung des EQ 73. Der Hauptunterschied liegt in den erweiterten Filter-Möglichkeiten. Es gibt hier vier Bänder. Bei den beiden Mittenbändern lässt sich die Flankensteilheit umschalten. Die Bässe und Höhen sind zwischen Shelf und Bell umschaltbar. Es ist also eine gezieltere Bearbeitung bestimmter Frequenzbereiche möglich, als beim EQ 73.

Auch beim EQ 81 gehört der Preamp mit seinen Klangeigenschaften dazu.

Sound-Beispiel:
Preset „Punchy Drums“. Gemäßigte Einstellung, vor allem des Preamps.

 

Soundquellen mit kritischem Mittenbereich, wie Gesang, akustische oder elektrische Gitarren, profitieren von den detaillierten Einstellungsmöglichkeiten des EQ 81. Drums, Bass, Piano oder Strings gehören ebenfalls zu seinen Stärken.

 

Master EQ 432

Der Master EQ nach dem Vorbild des Sontec

Der Master EQ nach dem Vorbild des Sontec

Eine besondere Rarität ist der Sontec EQ, oft bezeichnet als die „goldene Referenz“ der Mastering EQs. Kein anderer EQ hat den Ruf, so klar,  transparent, luftig und detailreich zu klingen, wenn es um den „letzten Schliff“ beim Mastering einer Audio-Produktion geht.

Shelving Bänder

Der Regler HI SHELVING steuert das Absenken oder Anheben des Signals bei einer festen Frequenz von 10 KHz. LO SHELVING besitzt einen Umschalter, mit dem sich das bearbeitete Frequenzband auf 50 Hz oder 100 Hz einstellen lässt.

Parametrische Bänder

Die Frequenzbänder LO, MID und HI besitzen einen Q-Regler, mit dem sich eine Flankensteilheit von 5, 6, 9, 11 oder 15 dB/Oktave wählen lässt. Mit den großen Drehknöpfen in der Mitte bestimmt man die Frequenz.

Three in one

Die Regler mit der Bezeichnung OUT in der unteren Reihe bewirken Absenkung oder Anhebung des jeweiligen Frequenzbands. In der Grundeinstellung gibt es hier einen Wertebereich von -6 bis +6. Mit dem Button RANGE dB lässt sich der Wertebereich umschalten. Sinn der Sache ist, dass man bei jeder Einstellung den vollen Regelbereich nutzen kann und so feinere Abstufungen möglich sind. Per Software werden so die Eigenschaften von drei verschiedenen Versionen dieses Geräts in einem zusammengefasst.

05_gain_ranges

Sound-Beispiel:
Ein kurzer Demo-Song mit verschiedenen T-RackS-Modulen bei Einzelinstrumenten und Summe, aber ohne Master EQ.

 

Sound-Beispiel:
Der gleiche Mix, aber zusätzlich mit dem Master EQ 432 in der Summe; Preset „Open Up“.

 

Vergleich mit dem Original

Im Web stieß ich auf „Streaky“, einen Britischen Mastering Ingenieur mit 20jähriger Erfahrung. Er besitzt einen Sontec 432c EQ im Original. In einer YouTube-Präsentation vergleicht er das Gerät mit der Software.

Das Original im Mastering Studio von Streaky

Das Original im Mastering Studio von Streaky

Die von ihm verwendeten Sound-Files habe ich mit seiner Erlaubnis für diesen Test benutzt. (Nicht den YouTube-Sound, sondern 24-Bit-wav-Dateien.) Dieser Song kommt etwas leiser über die Lautsprecher als meine eigenen Songbeispiele, weil ich hier keinen Brickwall Limiter verwendet habe, um das Klangbild nicht zu verfälschen.

Hier kann jeder selbst beurteilen, ob ein Unterschied zu hören ist.

Zuerst ohne Bearbeitung:

 

Hier wurde der Hardware-Sontec eingesetzt:

 

Hier habe ich dast IK Multimedia Plug-in verwendet:

 

Kommentare erwünscht!

 

Plug-in specials

IK Multimedia T-RackS ist ein komplettes Mastering-Programm, das sowohl standalone als auch als Plug-in einsetzbar ist. Alle Module lassen sich aber auch einzeln als Single-Plug-in in jedem Kanalzug einer DAW verwenden. Einige spezielle Einstellungsmöglichkeiten sind bei jedem Plug-in vorhanden:

L=R koppelt die Stereokanäle, so dass sich alle Einstellungen gleichermaßen auf beide auswirken.

L/R ermöglicht unterschiedliche Parameter-Einstellungen für den linken und den rechten Kanal.

M/S erlaubt eine getrennte Bearbeitung der Mitte und der Seiten einer Stereoaufnahme. Besonders beim Mastering erfreut sich diese Technik großer Beliebtheit.

Neben der allgemein üblichen Möglichkeit Presets zu laden, zu speichern oder zu löschen, erlauben die Buttons A, B, C, D vier unterschiedliche Parameter-Einstellungen zu speichern und mit einem Klick miteinander zu vergleichen.

 

Fazit

Mit den neuen Modulen EQ 73, EQ 81 und Master EQ 432 bleibt IK Multimedia auf gewohnt hohem Niveau. Sicher muss es bei der Musikproduktion nicht immer unbedingt „vintage“ sein, wenn es um guten Sound geht, aber manchmal gibt der „analoge Touch“ einer digitalen Musikproduktion erst die richtige Würze. Ich empfehle jedem, dessen Interesse geweckt wurde, die 14 Tage lauffähigen Demo-Versionen selbst auszuprobieren.

 

Für alle Leser, die mehr über T-RackS erfahren möchten, hier die Links zu meinen anderen Artikeln darüber:

T-RackS CS

Neue Module

Systemanforderungen T-RackS:
Mac und Windows kompatibel, unterstützt jeweils auch 64-Bit Modus.
Plug-in Formate: VST, RTAS, AAX, AU

Preise:
EQ 73, EQ 81,  je € 99,99
Master EQ 432 € 119,99

Website des Herstellers: IK MULTIMEDIA

Thanks!

@ Streaky: Thanks a lot for the permission to use your sound files.

Website: streaky -all about mastering music

 

Meine aktuellen Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

12 thoughts on “Test: IK Multimedia EQ 73, EQ 81, Master EQ 432

  1. joern

    Wie immer sehr gut geschrieben! Zu lachen gab’s auch wieder was (Rumpelstilzchen). Klasse! 🙂

    Ich hätte gern mal die eine oder andere Stunde in deinem Unterricht gesessen. Deine Schüler hatten bestimmt viel Spaß und werden sich gern an die Schulzeit mit dir erinnern. 🙂

    Reply
  2. Markus

    Hallo Jürgen, danke für den Test. Kann es sein, dass bei den letzten 3 Soundbeispielen die Unterschiede, wenn überhaupt, nur sehr subtil sind? Ich hätte jetzt fast vermutet, es ist 3 x ein identisches Soundfile. VG, Markus

    Reply
  3. Juergen

    Hallo Markus, ja sehr geringe Unterschiede, da ist auch nur 1 dB Anhebung bei den Höhen und Mitten im Spiel. Ich habe die gleichen Werte eingestellt (drittes Beispiel) wie Streaky an seiner Hardware. Ein Vergleich mit extremeren Werten wäre sicher aussagekräftiger. Auf der Website von Streaky (Link siehe oben) kannst du einige Kommentare von Leuten finden, die den Unterschied angeblich sehr deutlich hören.
    Viele Grüße, Jürgen

    Reply
  4. Marko

    Also beim Sontec hört man schon deutlich den Unterschied zur Hardware.
    Der Hardware EQ ist luftiger, brillanter und klarer definiert.

    Das PlugIn ist deutlich verwaschener und nicht so präsent und differenziert.

    Reply
  5. Juergen

    Interessant! Ich hätte gern noch mehr Beurteilungen von Lesern, denn diese Vergleichsthematik interessiert mich sehr. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich das Sound-File mit dem Original-Sontec übernommen habe, ich hatte das Gerät selbst nicht zur Verfügung. Das Plug-in simuliert (umschaltbar) 3 verschiedene Versionen, man kann also nicht genau wissen, welche Regler-Einstellung wirklich dem Gerät von Streaky entspricht. Ich hatte mich beim Einstellen optisch nach seiner Abbildung gerichtet.

    Reply
    1. Marko

      Ich finde, besonders deutlich hört man es bei 0:22 bis 0:26 an der Stimme.
      Bei der Hardwareversion ist sie klar definiert und trotzdem integriert, während sie bei dem PlugIn fast schon wie ein Fremdkörper wirkt.

      Reply
  6. Metaphor

    Hallo Jürgen,

    ich recorde und mische hauptsächlich Rap-Songs.

    Sind der EQ-73 und EQ-81 aus deiner Sicht gut für die Bearbeitung von (Rap-)Vocals geeignet? Ich habe mich bisher nie mir Neve-Klonen auseinandergesetzt und frage mich, ob sich die Anschaffung dafür lohnen würde?

    Besitze bis jetzt das Tracks Deluxe Bundle und beim Eqing habe ich bisher für das chirurgische EQ-en den Logic EQ genutzt. Für das musikalische EQ-en u. „Färben“ hab ich wenn überhaupt den EQ aus der Solid-State-Series von NI (SSL Emulation) genommen und den Pultec aus dem T-Racks Bundle für die Präsenz in den Höhen.

    Lohnt sich die Anschaffung der Neve-Emulationen da noch für mich? Hab sie mal kurz als Demo angetestet und finde, dass sie recht hart zu Werke gehen, auch bei dezenten Gain-Werten.

    Danke u. Gruß.

    Reply
  7. Juergen

    Es kommt auch immer sehr auf die Stimme an und natürlich darauf, in welche Richtung man sie „färben“ will, aggressiver, weicher, wie auch immer. Du solltest die EQs als Demo downloaden und mit deinem eigenen Material ausprobieren. Für sauberes EQing ohne Färbung finde ich auch Logic sehr gut, mir gefällt auch die Analyser-Darstellung dabei.
    Gruß
    Jürgen

    Reply
    1. Metaphor

      Dane für die Antwort.

      Ja, die Analyzer-Funktion beim Logic eigenen EQ nutze ich auch sehr gerne ;)!!! Die Neve-Emulationen werde ich mir wohl sparen, da ich mit den SSL-Emulationen doch ganz zufrieden bin.

      Aber: Der Master EQ könnte noch dazukommen. Hab die Demo mal ausprobiert und da geht definitv was! Kann ich mir als Summeneffekt für`s Mastering sehr gut vorstellen. Auch für` s M/S-Eqing. Hab ihn auch mal subtil auf einer Vocal-Gruppe genutzt, was die Stimme auch noch ein Stück weit mehr im Mix nach vorne bringt.

      119€ sind zwar kein Pappenstil aber für das gebotene durchaus in Ordnung.

      Greetz!

      Reply
      1. Juergen

        Ich finde den Mastering EQ auch sehr gelungen, obwohl es andere Meinungen gibt. Die feinen Unterschiede zur Hardware, die Marko (siehe Beiträge weiter oben) festgestellt hat, kann ich nicht heraus hören Ich höre aber, dass mir der (Software-) EQ noch ein Bisschen mehr an Brillianz und Transparenz in den Mix bringt, deshalb verwende ich ihn zum Mastering. Für vorläufiges Mastering mit Logic und mit WaveLab, wenn ich es ganz professionell haben möchte.

        Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.