Test: Native Instruments RISE & HIT

By | 7. Mai 2014

Als Kontakt-Instrument mit einer 8,6-GB-Library ist RISE & HIT auf cineastische Soundeffekte spezialisiert mit denen sich Spannung erzeugen lässt und Höhepunkte akustisch untermalt werden können.

Ganz großes Kino

Der Sound eines Kinofilms setzt sich aus mehreren Elementen zusammen. Neben Dialogen und Szenen-bezogenen Hintergrundgeräuschen gehören Musik und Spezialeffekte dazu. Die Special Effects müssen nicht unbedingt realistisch sein, manchmal klingt das Zuschlagen einer Tür schon wie ein Kanonenschuss – eben „larger than life“.

Die Klänge von RISE & HIT sind irgendwo zwischen Musik und Effekt angesiedelt. Zwar wurde teilweise mit einem 66-köpfigen Orchester und 70-köpfigen Chor eingespielt und mit zahlreichen Synthesizern und Studiogeräten gearbeitet, aber Melodien spielen kann man hier nicht. Die atonalen Klanggebilde steigern sich in Intensität und Lautstärke bis sie ihr ihr Maximum erreicht haben, auf das der „Hit“ mit einem Ausklang oder Halleffekt folgt.

Hier gleich ein Soundbeispiel:

 

… oder auch so:

Manchmal passt ein solcher Effekt auch jenseits der Leinwand in einen Song. Im folgenden Demo wollte ich eigentlich zwischen zwei Abschnitten einen Schlagzeug-Break einbauen. Aber so geht es doch auch:

 

Kommt ein Orchester geflogen

Neben Orchester und Chor wurden Synthesizer und Naturaufnahmen wie Feuer und Wasser verarbeitet. Das heißt aber nicht, dass man in jedem Fall die Herkunft des Klangmaterials erkennt, denn hier entstehen eigenständige Sounds.

Presets und Sound Design

Die Anzahl von 750 Presets lässt schon erahnen, dass trotz der speziellen Ausrichtung von RISE & HIT sehr viele Variationen möglich sind.
Zu den mehr als 200 spielfertigen Presets kommen 670 Layer Presets und 80  zusätzliche Layer mit Modulationen und Effekten.

Die Eingriffsmöglichkeiten über das speziell angepasste Kontakt User-Interface sind zahlreich, man kann hier schnell eigene Sounds durch die Kombination von einzeln steuerbaren Layern und modulierbaren Effekten erzeugen.

 

NI Kontakt

NI Kontakt

Das Keyboard

Die Anforderungen an die Virtuosität des Tastenspielers hält sich in Grenzen, nur ein Finger wird benötigt, um die Tastatur zu bedienen. Alle Tasten unterhalb der MIDI Note D3 triggern den anschwellenden Sound, D3 und darüber den „Hit“, also den Schlag mit Ausklang.  Auf der virtuellen Tastatur des Kontakt-Samplers ist dieser Split durch grüne bzw. rote Färbung der Tasten gekennzeichnet.

Im Soundbeispiel „Bowed to burst“ hört man zuerst den ganzen Sound, dann den Hit allein.

 

Ich finde es etwas schade, dass man hier nur jeweils einen „Rise & Hit“ auf den Tasten liegen hat. Es gibt allerdings die Möglichkeit, mehrere Instanzen innerhalb von Kontakt zu laden, die dann automatisch verschiedenen MIDI-Kanäle zugeordnet werden. Eine Tasten-Zuordnung, wie bei einer Drum-Library, fände ich aber praktischer.

 

Das Interface

Das Interface ist in zwei Ansichten aufgeteilt, „Main“ und „Master FX“.

Die Main Page

Die Main Page

Die Hauptansicht zeigt die „Rise Time“ Skala, darunter eine Wellenform-Darstellung und unter dieser bis zu vier Layer mit eigenen Reglern. Am unteren Rand befinden sich die Reiter zum Umschalten zwischen der „Main“- und der „Master FX“ -page.

 

Master FX

Master FX

Die Ansicht „Master FX“ präsentiert Regler für EQ, Sättigung/Verzerrung und Dynamikprozessoren, die sich auf den Gesamtsound auswirken.

Faltungshall und Delay in der unteren Reihe sind Send-Effekte, deren Anteile im erweiterten Panel eines jeden Layers bestimmt werden. Je 24 Presets für Hall- und Delayeffekte sind über ein Ausklappmenü zu erreichen.

 

Master Controls

Immer angezeigt werden die Master Controls, die sich ganz oben befinden. Mit LATCH MODE bestimmt man, ob der Sound nur so lange klingt, wie die Taste gehalten wird, oder immer ganz zu Ende abgespielt wird.

Die Skala mit dem Schieberegler ist für die Einstellung der RISE TIME zuständig. Hier wird der Sound mit dem anschwellenden Klang beeinflusst, dessen Länge im Modus „Beats“ bis zu 32 Taktschläge bezogen auf das eingestellte Tempo der DAW und im Modus „Seconds“ 20 Sekunden betragen kann. Innerhalb dieses Zeitfensters lässt sich mit einem Schieberegler die Dauer des anschwellenden Sounds einstellen. Eine tolle Sache, um den „Hit“ auf einfachste Art und Weise genau auf eine bestimmte Position zu bringen.

Alle Samples sind in 5 verschiedenen Längen vorhanden, zusätzlich wird Time Stretching verwendet, um eine stufenlose Anpassung zu ermöglichen. Man muss sich darum aber nicht kümmern, die Einstellung am Schieberegler reicht. Die Abklingzeit des Hit-Sounds kann im Layer-Bereich verändert werden.

Layer Controls

Bis zu vier Layer gleichzeitig erzeugen den Gesamtklang und lassen sich in der Lautstärke mischen. Die Wellenformdarstellung zeigt jeweils das durch Anklicken ausgewählte Layer. Beim Abspielen macht eine Animation die Abspielposition im Waveform-Fenster sowie an den OFFSET- und DECAY–Slidern sichtbar.  OFFSET erlaubt einen verzögerten Start des jeweiligen Layers und DECAY bestimmt die Abklingzeit.

Im nächsten Soundbeispiel sind nacheinander alle vier Layer einzeln zu hören und am Schluss der Gesamtsound:

 

Jedes Layer hat eigene Einstellungen für das zugehörige Rise- und das Hit-Sample und lässt sich auch einzeln stumm schalten. Mit zwei kleinen Pfeiltasten lassen sich Layer-Presets laden. Das sind unterschiedliche Samples, die aber nach dem Laden jeweils die zuvor gewählten Parameter-Werte übernehmen. Die Lupe öffnet einen Browser, mit dem man eine Suche nach Kategorien und Klangeigenschaften durchführen kann.

Layer Browser

Layer Browser

Der kleine Doppelpfeil neben der Lupe dient zum Ausklappen eines Panels, auf dem sich zahlreiche Parameter wie Panorama, Stimmung, Delay und Reverb speziell für das jeweilige Layer einstellen lassen.

 

Layer FX

Layer FX

Beim Zurückschalten auf die Standardansicht darf man nicht (wie es mir mehrmals passiert ist) versehentlich auf das kleine „x“ ganz rechts klicken, sonst hat man ein „Empty Layer“ vor sich!

Im oben gezeigten Modus erscheint rechts unten neben der Wellenform der Button MOD VIEW. Hier können unterschiedliche Modulationskurven gewählt oder auch eigene mit der Maus gezeichnet werden. Jedem Modulations-Parameter kann eine eigene Kurve zugeordnet werden.

Ein Layer besteht immer aus zwei Samples: Rise und Hit. Einzelne Rise- oder Hit-Samples lassen sich mit den kleinen Pfeilen im Wellenform-Bereich austauschen. Auch hier gibt es eine Lupe, die den Sample-Browser aufruft.

Jedes Layer kann mit dem Button WHOOSH in den Whoosh-Mode geschaltet werden, dann wird ein kurzer Attack-Sound direkt vor dem Hit abgespielt.

 

Variationen

Einige spezielle Sounds findet man unter „Lifters“, damit könnte man beispielsweise den Start eines Rauschiffs untermalen:

 

 

Fazit

RISE & HIT ist eine originelle Sound Library, mit der man sehr schnell Klangverläufe parat hat, die sich aufbauen und nach einer einstellbaren Zeitspanne zum Höhepunkt kommen. Die Anpassung des Timings ist genial einfach. Durch die zahlreichen Bearbeitungsmöglichkeiten ist RISE & HIT wesentlich flexibler als herkömmliche FX-Libraries. Die Soundqualität ist durchweg sehr gut. Die Klangpalette reicht von sphärischen über metallische und orchestrale Sounds bis zum tiefen Grollen im Subwoofer. Wer Filme vertont oder einfach nach „abgefahrenen“ Effekten für eine Musikproduktion sucht, findet hier ein passendes Werkzeug.

 

Systemvoraussetzungen:
Kostenloser KONTAKT 5 PLAYER oder KONTAKT 5
Windows
Windows 7 oder Windows 8 (aktuelles Service Pack, 32/64 Bit), Intel Core Duo oder AMD Athlon 64 X2, 2 GB RAM (4 GB empfohlen)
Mac
Mac OS X 10.7 oder 10.8 (letztes Update), Intel Core 2 Duo, 2 GB RAM (4 GB empfohlen)
Preis: € 149,-
Website des Herstellers

Mehr Infos und Demos: RISE & HIT

Meine aktuellen Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

3 thoughts on “Test: Native Instruments RISE & HIT

  1. Markus

    FX für Übergänge sind in der Tat nicht nur für Film geeignet, wie Du in Deinem Beispiel auch zeigst. Im Electro-, Dance- oder aber auch Schlagerbereich hört man ständig FX anstelle von Breaks. Die hier scheinen ziemlich abgefahren zu sein. Die Flexibilität ist sicher ein Vorteil, obwohl ich mir vorhandene FX auch durch Timestretching & Co. immer passend ziehen kann.

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  2. Juergen

    Bei Rise & Hit gibt es von jedem Sample 5 verschieden lange Versionen und nur Zwischenwerte werden mit Timestretching erzeugt. Das geht alles automatisch im Hintergrund, man muss nur den Rise-Slider auf die gewünschte Länge ziehen, das finde ich sehr gut gelöst.

    Reply

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