Test: IK Multimedia iRig Acoustic

By | 23. November 2015

Eine E-Gitarre über ein Audio-Interface am Computer aufzunehmen ist kein Problem. Aber wie lässt sich das Recording einer akustischen Gitarre unkompliziert bewerkstelligen?

iRig Acoustic ist ein kleines Mikrofon zum Anklemmen an eine Konzertgitarre, Westerngitarre oder Ukulele. Das Signal lässt sich an ein iOS-Gerät, an viele Android-Geräte und an manche Mac-Computer zur Aufnahme weiterleiten.

iRig Acoustic für Recording und Stage

Für das Mikrofonsignal und die Kopfhörer besitzt iRig Acoustic 1/8“ Mini-Klinken-Anschlüsse. Man kann das Gerät ebenfalls direkt mit einer Verstärkeranlage verbinden, um auf einer Bühne zu performen. Zu diesem Zweck enthält die mitgelieferte Software ein Tool zur Unterdrückung akustischer Rückkopplungen. Verstärkeranlagen sind meistens mit 1/4“ Klingeneingängen und/oder XLR-Inputs ausgestattet, es wird also für die meisten Verstärker ein Adapter benötigt.

Ein kleines Kästchen mit Reißverschluss dient zur Aufbewahrung. Mikrofon und Kabel haben darin Platz, die Software gibt es als Download. Der schnellste Zugriff funktioniert über QR-Codes, womit auch die Registrierung bei IK Multimedia im Nu erledigt ist.

 

Praktisch: die kleine Box mit Reißverschluss

Praktisch: die kleine Box mit Reißverschluss

 

Desktop Rechner – Recording „old school“

Meinen erster Versuch mit dem iRig Acoustic machte ich mit Mac OS X, obwohl das Gerät in erster Linie für mobile Geräte mit iOS konzipiert worden ist. Der Stereo-Mini-Klinkenstecker des Mikros überträgt gleichzeitig in zwei Richtungen: Input für das Gitarrensignal und Output für das Monitoring mit Kopfhörern. Sowohl mein Mac Pro von 2010 als auch mein MacBook Pro von 2008 haben separate Mikrofon- und Kopfhörerbuchsen. Es stellte sich heraus, dass der Input mit dem Mikrofon-Symbol nicht funktioniert, die Kopfhörerbuchse ist aber kompatibel. In der DAW, bei mir Logic Pro X, muss dann Mikrofon (integriert) als Input gewählt werden, nicht etwa der Line- oder Digital-Eingang. Mit beiden Macs funktionierte die Aufnahme, am Laptop habe ich mit Garage Band aufgenommen. Mehr zur Kompatibilität am Ende dieses Artikels

Mobile Geräte – mobiles Recording

IK Multimedia bietet eine riesige Auswahl an Hard- und Software, die dazu dient, aus dem Smartphone oder Tablet ein Aufnahmestudio zu machen, virtuelle Verstärker, Effekte und Sampling-Instrumente eingeschlossen. Auch iRig Acoustic ist in erster Linie für diese Produktlinie konzipiert und kommt deshalb auch gleich mit einer Spezialversion der AmpliTube Software, AmpliTube Acoustic. Ich habe mit dem iPhone 5 und dem iPad Air 1 getestet. Bei beiden Geräten funktioniert die Kopfhörerbuchse zur Verbindung.

iRig Acoustic an der Ibanez Gitarre

iRig Acoustic an der Ibanez Gitarre

iPad Acoustic

Für die Soundbeispiele zu diesem Test habe ich, abgesehen vom ersten Beispiel, mein iPad benutzt. Nachdem ich die App AmpliTube Acoustic in der free-Version installiert hatte, wurde zuerst meine Konzertgitarre mit dem kleinen Clip an der Schallöffnung versehen und das Kabel am iPad eingesteckt. Außerdem habe ich meinen Sennheiser Kopfhörer angeschlossen, der zum Glück einen Stecker hat, der sich auf 1/8“ Miniklinke umrüsten lässt. Natürlich könnte man auch beispielsweise iPhone Kopfhörer verwenden. Die App fordert sofort zu einer Einmessung auf und kalibriert das Signal. Für verschiedene Gitarren kann man verschiedene Konfigurationen abspeichern. Auf dem Bildschirm erscheint ein virtueller Amp, bei dem bereits EQ- und Effekteinstellungen aktiviert sind, man kann diesen aber auch ausschalten. Die Einstellmöglichkeiten zeigt mein Screenshot. Auf dem Parkettboden für Stomp-Boxen sieht man außerdem den Rückkopplungs-Unterdrücker Feed Kill.

 

AmpliTube Acoustic free, Amp und Feedback Killer

AmpliTube Acoustic free, Amp und Feedback Killer

Auch ohne die Voreinstellung zu verändern, klang die Gitarre mit dem virtuellen Amp am iPad attraktiver als das trockene Signal am Mac, das sich natürlich auch mit Software verschönern ließe, worauf ich dieses Mal aber verzichtet habe.

Digitalaufnahme im Retro-Look

AmpliTube Acoustic enthält eine eigene DAW mit Effekten und 8-Spur-Recorder. Die, dem Apple Retina-Display entsprechend hochaufgelöste Grafik, hat mich echt begeistert. Der Recorder sieht meiner Teac 8-Spur-Maschine aus früheren Zeiten täuschend ähnlich; Zählwerk, Andruckrolle und Tonbandspulen sind animiert. Die Buttons rechts führen zu Send-Effekten, EQ und Master-Effekteinstellungen, die jeweils unterhalb der Reihe der VU-Meter eingeblendet werden können.

 

Coole 8-Spur, sogar animiert

Coole 8-Spur, sogar animiert

Am unteren Rand der Grafik sieht man eine Reihe von Symbolen. Damit kann man beispielsweise eine DAW-Spuren-Darstellung oder das Stimmgerät anwählen. Über das Fragezeichen-Icon lassen sich Hilfetexte zu den Bedienelementen einblenden. Nützlich ist auch der Loop Drummer, der Schlagzeug-Patterns als Rhythmus-Track zum Einspielen liefert.

 

Drum Tracks inspirieren mehr als ein Metronom

Drum Tracks inspirieren mehr als ein Metronom

App und In-App

Ich habe für den ersten Teil dieses Tests die zum Lieferumfang gehörende Software AmpliTube Acoustic Free benutzt. Man sieht das zum Beispiel an der Grafik des 8-Spur-Recorders, weil dort 7 der 8 Spuren abgedunkelt sind. Um alle Spuren zu aktivieren, sowie alle Effekte und den „Looper“ mit dem sich Schleifen einspielen lassen, ist der Kauf der Vollversion nötig, die man zum Preis von €26,99 aus dem Apple App-Store downloaden kann. Das gleich gilt für den Amp. Dort kosten Stomp-Boxen wie Graphic EQ, 12-String Simulator oder Body Modeler je €3,99; ebenso zwei alternative Amp-Modelle.

Für €9.99 bekommt man die Grundversion von AmpliTube Acoustic, die ich im zweiten Teil dieses Tests vorstelle. Dazu gehören alle drei Amps und die genannten Stomp-Effekte. Die 8-Spur DAW muss man bei Bedarf aber auch hier dazu kaufen. Ich finde das durchaus fair, denn nicht jeder braucht diesen Recorder, den Looper usw. Wer, wie ich eine DAW am Desktop Computer benutzt, ist an Preise von beispielsweise €99,- für ein Effekt-Bundle gewöhnt. Wenn man für eine iOS-Software ein Zehntel bezahlt, ist das günstig, denn die Technik der mobilen Geräte befindet sich durchaus schon auf dem Level „ausgewachsener“ Computer.

Der Sound

Die technischen Werte des Mikrofons sind sehr gut, die Anbringung ist gegen Schwingungen gedämpft und passt sich mit dem Clip-Mechanismus der Dicke der Gitarrendecke an. Der Klang ist anders, als bei der Verwendung eines Mikrofons, das man an einem Stativ befestigt und auf die Gitarre ausrichtet. Beim iRig Acoustic werden kaum Rauminformationen aufgenommen. Das hat den Vorteil, dass auch Nebengeräusche aus dem Aufnahmeraum sehr leise sind, das Signal ist aber extrem trocken. Bei der klassischen Spielweise einer Konzertgitarre mit Fingernagel-Anschlag, hört man das Anschlaggeräusch sehr deutlich, man hat ja auch in gewisser Weise das Ohr direkt an der Schallöffnung der Gitarre. Beim Plektrumspiel finde ich es nicht nachteilig.

Audiobeispiele

Zuerst die Konzertgitarre (Volt „Student“) in klassischer Spielweise, aufgenommen mit dem Mac Pro 2010 in Logic Pro X. Einige Töne habe ich recht hart „angerissen“, ich habe das so gelassen, damit man hört, wie sensibel das Gerät hier reagiert. Die Aufnahme wurde nicht mit Effekten bearbeitet.

 

Der selbe Song am iPad eingespielt. Die Default-Einstellung der AmpliTube Acoustic Software hat etwas EQ und Hall hinzugefügt. So klingt es weicher und etwas räumlich.

 

Noch einmal Konzertgitarre am iPad. Hier gefällt mir der Sound gut. Die Akkorde sollen so perkussiv klingen, die leise gezupften Stellen gefallen mir auch. Das Mikrofon überträgt Dynamikunterschiede sehr deutlich, man muss sich wohl auch mit der Spielweise darauf einstellen.

 

Für das nächste Beispiel (wieder iPad) habe ich meine Ibanez Westerngitarre verwendet. Bei den Einzeltönen hört man den Hall-Effekt aus dem virtuellen Amp deutlich. Man kann das ändern, aber hier gefällt es mir so wie es ist.

 

Beim folgende Beispiel – iPad, Ibanez Gitarre – habe ich mal einige Einstellungen am Amp verändert. Bei der Wiederholung ist der Chorus-Effekt voll aufgedreht.

 

Teil II, AmpliTube Acoustic

Die kostenpflichtige Version enthält neben den genannten Effekten und Amps zwei zusätzliche Amps mit unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten und internen Effekten wie Hall, Plate, Chorus und EQ. Im Design eines Stomp-Pedals bekommt man außerdem 12-String, Bass Maker, Body Modeler, Compressor, Graphic EQ und Parametric EQ. Einspielungen lassen sich nachträglich mit Effekten bearbeiten, ich präsentiere deshalb ein neues und einige meiner oben eingefügten Soundbeispiele hier mit den zusätzlichen Soundmöglichkeiten.

Zuerst ein Basslauf auf der Konzertgitarre, „tiefer gelegt“ mit dem Bass Maker:

 

 

Amp Solid State 2 mit Stomps

Amp Solid State 2 mit Stomps

Die in der Abbildung oben dargestellte Konfiguration habe ich hier ebenfalls mit der Konzertgitarre verwendet:

 

Westerngitarre mit Jumbo-Body und 12-String-Sound

Westerngitarre mit Jumbo-Body und 12-String-Sound

 

Eine Westerngitarren-Einspielung jetzt mit Jumbo Body und 12-String-Effekt:

 

 

Fazit

iRig Acoustic ist praktisch zu handhaben und baut zugleich eine Brücke zwischen „mit der Hand gemachter“ Musik und der digitalen Welt. Der Sound ist sehr sauber und präsent, hat aber einen anderen Charakter, als es bei der herkömmlichen Studio-Mikrofonierung der Fall ist. Die Dynamik ist sehr gut, beinahe zu gut, wenn man sich nicht beim Spielen darauf einstellt. Die Software AmpliTube Acoustic bietet schon in der beiliegenden Free-Version eine Menge Möglichkeiten, um Aufnahmen zu machen und den Sound zu bearbeiten, die kostenpflichtige Version bietet noch einiges mehr.

Besonders das mobile Recording mit Smartphones und Tablets wird mit iRig Acoustic um ein Gerät bereichert, das in seiner Art bisher einzigartig ist!

Technische Daten:

Mikrofon-Typ: MEMS
Polar Pattern: omnidirectional
Frequenzbereich: 15 Hz – 20 kHz, +/-3dB Max SPL: 130dB SPL
Empfindlichkeit: -40dBv (1kHz, 94dB SPL) Signal-to-Noise Ratio: 63dBA
Maximum slot width: 4mm
Kabellänge: 200cm
Output: 1/8” TRRS

Kompatible Geräte, iOS:

iPhone 6s Plus, iPhone 6s, iPhone 6 Plus, iPhone 6, iPhone 5s, iPhone 5c, iPhone 5, iPhone 4s, iPhone 4, iPhone 3GS, iPod touch (6th, 5th, 4th and 3rd generation), iPad Pro, iPad mini 4, iPad Air 2, iPad mini 3, iPad Air, iPad mini 2, iPad 4th generation, iPad mini, iPad 3rd generation, iPad 2, iPad. iOS 4.3 oder höher erforderlich.

Kompatible Geräte, Android:

Geräte müssen mit dem CTIA/AHJ Standard kompatibel sein. Die meisten populären Produkte von Samsung, LG, Motorola, Google Nexus, HTC, Huawei, Sony, Lenovo, Xiaomi und andere mehr zählen dazu.

Mac Computer:

Die meisten Macs, die zwischen 2008 und 2013 auf den Markt gekommen sind, sind kompatibel. Um zu prüfen, ob der Mac geeignet ist, wählt man am Computer „Über diesen Mac“, „Systembericht“, „Audio“. Dort muss der Eintrag „Externes Mikrofon/iPhone Headset“ zu sehen sein.

Preise:

iRig Acoustic €49,99 mit AmpliTube Acoustic Free

AmpliTube Acoustic €9,99, zusätzliche In-App-Käufe möglich, erhältlich im App Store

Erhältlich im online-Shop des Herstellers oder auch bei Amazon.

Die hier erwähnten Produkte bei Amazon kaufen und damit die Arbeit an dieser Seite unterstützen? Vielen Dank!

Hersteller: IK Multimedia

 

Meine aktuellen Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

 

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

 

2 thoughts on “Test: IK Multimedia iRig Acoustic

  1. Pingback: Geschenk-Tipps für Musikerinnen und Musiker 2015 › Juergen

  2. Pingback: Musik machen mit iOS und Android › Juergen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.