Test: Neuratron PhotoScore

Von | 1. März 2021

Mit Neuratron PhotoScore und einem Scanner lassen sich gedruckte Noten in MIDI-Daten verwandeln. Alternativ können PDF-Dateien importiert werden. Sogar handgeschriebene Noten sind geeignet. Je schlechter die Vorlage, desto höher die Fehlerquote, aber Fehler lassen sich in PhotoScore berichtigen.

Als Download oder auf DVD erhältlich

Was kann Neuratron PhotoScore?

Vereinfacht gesagt: gedruckte Noten in hörbare MIDI-Noten verwandeln. Notenkenntnisse sind dabei durchaus empfehlenswert, um Fehler bei der Notenerkennung zu erkennen und zu berichtigen. Neben gedruckten Noten erkennt PhotoScore auch handgeschriebene, außerdem lassen sich PDF-Dokumente importieren. Außer Noten erkennt das Programm auch Gitarren-Tabulaturen und Percussion-Notationen mit bis zu 3 Reihen.

Die Weiterverarbeitung im Notensatzprogramm Sibelius kann direkt erfolgen, um Finale oder Dorico zu verwenden, ist der Export als MusicXML möglich. Weitere Exportmöglichkeiten sind NIFF Dateien (Notation Interchange File Format) und MIDI Files. MIDI Files können von jeder DAW abgespielt werden.

Noten und zusätzliche Zeichen

Photoscore erkennt nicht nur Tonhöhe und Länge der Töne, sondern auch Vorzeichen und Artikulations-Markierungen, Notenschlüssel, Triolen, Bindebogen, Verbindungslinien, Gabeln, Text, Instrumenten-Namen, Tempoangaben, Wiederholungszeichen, Pedalzeichen.

Bedienung

Die grundlegende Bedienung von Neuratron Photoscore ist einfach. Wenn ein Flachbettscanner angeschlossen ist, reicht ein Klick auf „Scan Pages“ um ein Dokument einzuscannen. PhotoScore öffnet das gescannte Image, liest automatisch den Inhalt und zeigt ihn an.

Das Benutzer-Interface

Die grafische Darstellung ist schlicht und übersichtlich. Unter der Kopfleiste mit einigen Icons gibt es zwei Spalten. Links werden die Namen der gescannten Dokumente angezeigt, rechts erscheint ein Dokument nachdem es von PhotoScore gelesen wurde. Oben sieht man hier einen Ausschnitt des Original-Scans, der gerade editiert werden soll. Darunter erscheint die vollständige Seite in der von PhotoScore gelesenen Version. Der Editierbereich hat einen weißen Hintergrund. Dieser weiße Bereich verschiebt sich mit der Position des Mauszeigers.

In der linken Spalte werden die Namen der noch ungelesenen Scans gelistet, vor dem Lesen lässt sich unter Printed/Handwritten auswählen, ob es sich um gedruckte oder handgeschriebene Vorlagen handelt. Im unteren Bereich sind die Namen der bereits gelesenen Dokumente zu sehen. Nach einem Doppelklick erscheint ein Dokument zur Bearbeitung auf der rechten Fensterseite.

GUI
Hauptfenster

Editieren

Sobald ein Dokument geladen ist, sind drei verschiebbare schwebende Paletten zu sehen.
Der Bad timing navigator zeigt alle Stellen im aktuellen Dokument, an denen die Notenlängen nicht der vorgeschriebenen Taktlänge entsprechen.

Full Detail View zeigt einen vergrößerten Ausschnitt der Stelle, wo sich der Mauszeiger beim Editieren befindet.

Das Keypad ist das wichtigste Werkzeug beim Editieren. Mit Klick auf ein Symbol lassen sich Noten, Pausen und viele andere Zeichen ändern oder einfügen. Die aktiven Tasten des Keypads haben einen farbigen Hintergrund für die Stimmen 1,2,3,4 blau grün, orange, violett. Um mehrstimmige Arrangements zu bearbeiten muss man, je nachdem welche Stimme editiert werden soll, das Keypad unten rechts zwischen 1,2, 3 und 4 umschalten.

Vorzeichen lassen sich per Doppelklick ändern. Notenlinien einfügen und vieles andere kann man im Menü „Create“.

Die drei schwebenden Paletten lassen sich verschieben.

Das Ergebnis der Notenerkennung kann auch akustisch kontrolliert werden. PhotoScore besitzt einen einfachen Player, der beim Abspielen einen Pianosound von sich gibt.

Die PhotoScore-Hilfe, die sich über das Fragezeichen-Icon aufrufen lässt, enthält das Manual (73 Seiten) in englischer Sprache. Im Menü „Help“ ist auch die deutsche Bedienungsanleitung zu finden. Sie ist komfortabler, die Kapitelüberschriften im Inhaltsverzeichnis lassen sich anklicken und führen direkt zum Kapitel.

Wichtig ist es, zuerst das Timing zu korrigieren. Fehlerhafte Bereiche sind durch rot-punkierte Linien gekennzeichnet. Fehlende Notenwerte werden durch kleine blaue Noten mit den fehlenden Längen angedeutet. Mit Hilfe des Keypads muss dann der Inhalt des jeweiligen Takts geändert werden.

Fehleranzeige
Fehleranzeige

Praxis

Für meinen ersten Versuch hatte ich mir die Jazz-Bearbeitung eines Beatles-Songs ausgesucht, die sich in einer Zeitschrift befand. PhotoScore zeigte viele Fehler an. In der Anleitung fand ich dann den Hauptfehler: PhotoScore erkennt Vortakte nicht automatisch, sodass man sie manuell bearbeiten muss.

Mein zweiter Versuch brachte eine Überraschung. Ich habe eine Seite aus einem Notenbuch vom Flohmarkt gescannt, das in den 1930er Jahren gedruckt wurde. Trotz des vergilbten Papiers gelang ein fehlerfreies Ergebnis!

Habanera
Habanera aus der Oper Carmen

Mehr Arbeit machte ein Stück aus einem Gitarrenlehrbuch. Obwohl im gescannten Bild, das oben auf der Seite angezeigt wird, alle Noten richtig waren, fehlten einige im Leseergebnis von Photoscore. Beim Editieren habe ich gemerkt, wie wenig Übung ich im Notenlesen habe. Der Vergleich mit der Vorlage war für mich recht zeitaufwändig. Es ist natürlich auch möglich, in PhotoScore nur das Timing und in der DAW Notenfehler zu berichtigen, wenn man dort mehr Übung hat, so wie ich.

In Logic habe ich die Sequenz von einer Sampling-Konzertgitarre spielen lassen (IK Multimedia SampleTank).

Fazit

Neuratron PhotoScore hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Ich fange mal mit Kritik an:

In einer Zeit, in der es schon autonom fahrende Autos gibt, wünsche ich mir mehr künstliche Intelligenz von einer Software. Das automatische Erkennen von Vortakten wäre schon mal ein Anfang. Ich kann nicht verstehen, warum Noten, die im gescannten Image, so wie es in PhotoScore angezeigt wird vorhanden sind, in der verarbeiteten Version fehlen können. Akkordbuchstaben wurden ebenfalls nicht immer richtig übertragen. Bei einem Versuch wurde aus Eb ein E. Ein Mangel: Die Bedienungsanleitung enthält keine einzige Abbildung zur Veranschaulichung.

Die Mühe, die mir das Editieren manchmal bereitet hat, nehme ich auf meine Kappe. Da fehlt es an Übung beim Notenlesen, also bitte nicht überbewerten!

Positiv ist der schnelle Start und die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit des Programms. Die vielen Features, die ich nicht alle ausprobieren konnte, machen es interessant für Anwender, die häufig mit den verschiedensten Vorlagen arbeiten. Neuratron Photoscore ist ein professionelles Programm, das ich mangels Erfahrung zwar nicht mit Konkurrenten vergleichen konnte, aber von manchen Anwendern als das beste seiner Art bezeichnet wird. Für Profis eine Empfehlung, für Leute, die keine Noten lesen können, aber gar nicht. Zum Ausprobieren empfehle ich die Demo-Version.

Systemanforderungen (Hersteller-Angaben)

  • Apple Macintosh Intel mit Mac OS X 10.11 oder höher. Mindestens 512 MB RAM empfohlen. Wenn Sie häufig kleingedruckte Noten oder Fotos und Grafik scannen, lohnt es sich u.U., mehr als 512 MB RAM zu installieren.
  • Außerdem muss die Festplatte eine ausreichende Speicherkapazität haben. Wir empfehlen 40 MB oder mehr.
  • Windows: IBM-kompatibler Pentium III-PC (oder gleichwertiger AMD- Prozessor) oder höher. Mindestens 512 MB RAM empfohlen.
  • Windows Vista/7/8
  • Außerdem muss die Festplatte eine ausreichende Speicherkapazitäthaben. Wir empfehlen 40 MB oder mehr.
  • Hinweis für Sibelius-Benutzer: PhotoScore kann zwar mit Sibelius- Versionen ab 3.0 verwendet werden, wir empfehlen jedoch, mit Sibelius 5 oder höher zu arbeiten, weil nur dann alle Importfunktionen von PhotoScore genutzt werden können.
  • Ein Scanner (wahrscheinlich am USB-, Drucker- oder SCSI-Port angeschlossen) und installierte Mac OS X TWAIN-Treibersoftware (wir empfehlen dringend die neueste Version von der Website des Scannerhersteller herunterzuladen. Beachten Sie, dass frühere Mac OS X TWAIN-Treiber nicht verwendet werden können). Erkundigen Sie sich bei Bedarf beim Hersteller des Scanners nach einem geeigneten TWAIN-Treiber. Wenn kein Mac OS X TWAIN-Treiber für Ihren Scanner erhältlich ist, müssen Sie zum Scannen eine andere Software verwenden, die Dateien im TIFF-Format speichern und dann in PhotoScore öffnen.

Preis: €269

Hersteller: Neuratron

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