Test: Spitfire Audio Albion One – Tenth Anniversary Edition

By | 25. Januar 2018

Spitfire Audio Albion One ist eine Orchester-Library für NI Kontakt. Streicher, Holz- und Blechbläser, Percussion- und Synthsounds bieten eine reichhaltige Instrumenten-Palette zur Film- und Games-Vertonung. Aber kann nicht auch ein Pop- oder Rocksong manchmal extra seidige Streicher vertragen? Oder Percussion-Loops aus organisch/elektronischen Klängen?

Albion

Albion ist ein alter Name für die Britischen Inseln, sagt Wikipedia. Das Titelbild erinnert mich irgendwie an Tolkien. Das Auge Sarumans? Ein glühender Ring, um sie alle zu vernichten?

 

 

Albion One „Tenth Anniversary Edition“ ist eine Sampling-Library von professioneller Qualität. Die Library wurde mit einem 109-köpfigen Orchester eingespielt und in der aktuellen Version wesentlich bearbeitet und ergänzt. Beeindruckende Orchesterklänge lassen sich schnell und ohne besondere Vorkenntnisse der Orchestrierung erstellen. Die Frage, in welchen Lagen Violinen oder Violas spielen sollten und wann Klarinetten oder Oboen amtlich wären, stellt sich nicht, denn die Orchester-Patches unterscheiden nur zwischen Low-, Mid-, und High Brass, Low- und High Woodwinds und Strings. Hinter diesem pragmatischen Konzept verstecken sich aber unzählige Möglichkeiten, die Sounds zu steuern und zu „tweaken“. Nimmt man die Percussion-Sounds und Loops dazu, lässt sich ein kompletter Soundtrack für einen Film oder ein Game produzieren.

 

Installation

Nach dem online-Kauf beginnt der Download mit Hilfe des Spitfire Audio Library Managers. Alle Schritte zum Download und zur Installation werden auf der Website ausführlich erklärt. Während der Installation müssen 111,4GB Speicherplatz zur Verfügung stehen. Unkomprimiert umfasst die Library 87,3GB, komprimiert 55,7GB. Eine schnelle Internetverbindung ist vorteilhaft, aber zum Glück ist es möglich, einen abgebrochenen Download fortzusetzen. Mit Hilfe der Native-Instruments-Verwaltungs-Software Native Access wird die Lizenznummer registriert und mit „Add Library“ aktiviert. Wer nicht die Vollversion von NI Kontakt besitzt, kann den kostenlosen NI Kontakt Player verwenden. Die NI Software Komplete Kontrol bietet eine weitere Möglichkeit; wer ein NKS-Steuergerät besitzt, kommt damit in den Genuss von Pre-Listening und vorkonfigurierten Controllern.

 

Albion One – 10th Anniversary Edition, Spezifikationen

  • 47233 Samples
  • 87,3GB unkomprimiert WAV
  • 55,7GB Disk space erforderlich
  • 111,4GB Disk space während der Installation
  • NKS-ready, kompatibel mit Native-Instruments-Hardware
  • Neues GUI mit Inline-Hilfe
  • 4 mischbare Mikrofone
  • zahlreiche Artikulationen, Dynamik-Layer, Round Robins, Release-Samples
  • True-Legato-Funktion

 

GUI

Das grafische User-Interface ändert sein Aussehen, je nachdem ob ein Orchester- ein Percussion- oder ein Synth-Patch geladen wurde. Jede Version hat mehrere Pages. So kommt man von der grundsätzlichen Bedienung zu den Parametern, mit denen sich detailliertes Fine-Tuning vornehmen lässt.

Für mein erstes Hörbeispiel und die Abbildungen dazu habe ich Komplete Kontrol verwendet, die Albion-One-Bedienoberfläche sieht in Kontakt/Kontakt-Player identisch aus.

 

Strings

Die Streicher-Sounds haben mich auf Anhieb begeistert und ich habe gleich damit angefangen, sie in Logic auszuprobieren. Die erste Abbildung zeigt das Plug-in mit der „General-Overview“-Ansicht innerhalb der Komplete-Kontrol-Oberfläche.

 

 

Einige wichtige Parameter lassen sich hier direkt einstellen, entweder mit dem Mauszeiger, oder mit einem externen MIDI-Gerät, in diesem Fall ist es mein Keyboard von Native Instruments. Weil Albion One den NKS-Standard unterstützt, werden die MIDI-Controller automatisch den Bedienelementen des Keyboards zugeordnet und ihre Bezeichnungen erscheinen in den Displays, aufgeteilt auf zwei Pages.

 

 

Für das erste Hörbeispiel habe ich eine Akkordfolge in Logic eingespielt. Mit Hilfe der Keyswitches im unteren Keyboard-Bereich wurde nach dem ersten Durchgang die Artikulation von Spiccato auf 8veLong umgeschaltet.

 

 

Die Key-Switches befinden sich in einem Bereich, für den ich sogar mein 88-Tasten-Keyboard abwärts transponieren musste. Der Tastaturbereich der Keyswitches lässt sich aber im „Expert View“ von Albion One editieren.

 

 

Beim NKS-Keyboard werden Play-Tasten und Keyswitches mit dem Light Guide angezeigt. NI Kontakt stellt das im grafischen Mini-Keyboard farbig dar.

 

 

Die Artikulationen werden als anklickbare kleine Noten in der Grafik dargestellt, wobei die Notenwerte symbolisch die Dauer darstellen. Die Bezeichnung der gewählten Artikulation erschein links unten. Mit dem Regler EASY MIX lässt sich die Nähe zu den Mikrofonen einstellen.

Im zweiten Audio-Beispiel ist zuerst die Artikulation Spic/Stac (eine Besonderheit von Albion One, Spiccato und Staccato gemischt) zu hören. Die Artikulation Pizzicato im zweiten Abschnitt klingt sehr echt und nicht künstlich „tight“.

 

 

Nach einem Klick auf den Schraubenschlüssel kommt man zum „Expert View“:

 

 

Der Mikrofon-Mixer mit vier Fadern erlaubt die Aktivierung und Mischung unterschiedlicher Stereo-Mikrofonierungen:

  1. C = Close mics
  2. T = Tree. „Decca-Tree“, 3 Mikros über dem Dirigentenpult
  3. A = Ambient. Weiteste Entfernung von der Klangquelle, intensivster Stereo-Eindruck
  4. O = Outriggers = Ein Set von Vintage-Mikrofonen, weit voneinander entfernt, links und rechts vom Dirigentenpult

Zahlreiche Einstellungen zum Fine-Tuning des Sounds findet man in dieser Ansicht, aber auch die bereits erwähnte Option, die Keyswitches zu „verschieben“.

 

Brass

Blechbläser spielen, wie auch Holzbläser und Streicher, immer im Ensemble. Hier ist das Preset für die mittlere Lage mit einer einfachen Melodie und mit Akkorden zu hören:

 

 

Als dritte Grafik-Page heißt THE OSTINATUM und enthält einen Pattern-Arpeggiator/Sequenzer. Der im Hörbeispiel  verwendete Sound heißt „Low Nasty Brass“, die Artikulation „Short (Nasty)“:

 

 

Nachdem Notensymbole unter LENGTH eingefügt wurden, konnte für jeden Ton in der Zeile VEL ein Anschlagswert bestimmt werden, sichtbar durch kleine senkrechte Balken. Beim folgenden Beispiel wurde die Tonhöhe durch die gedrückten Tasten bestimmt.

 

 

Schlagwerk

Eine umfangreiche Ansammlung von Percussion-Instrumenten und Percussion-Loops gehört ebenfalls zu Spitfire Audio Albion One. Neben den Grund-Sounds stehen mit Effekten bearbeitete Klänge in zahlreichen Presets zur Verfügung.

 

 

Nach dem Anklicken eines Instrumenten-Symbols erscheint in der Grafik eine Tabelle, die anzeigt, welchen Noten die einzelnen „Hits“ zugeordnet sind.

 

Synthetische Sounds

Für die Abteilungen Brunel Loops und Stephenson’s Steam Band gibt es eine spezielle Bedienoberfläche, mit der Sounds verfremdet und mit Effekten versehen werden können. Eigentlich ist es ein Sample-Player mit umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten, der auf Percussion- und Orchestersamples aufbaut.

 

 

Aus der Kategorie Stephenson’s Steam Band stammt dieser Pad-Sound:

 

 

In meinem letzten Hörbeispiel wurde sowohl ein Percussion- als auch ein Percussion-Loop-Preset verwendet. Das Audio-Demo wurde in Logic Pro X mit 9 Stereo-Tracks erstellt. Man sieht einige zusätzliche Spuren, auf denen ich nur Controller-Daten aufgenommen habe. Es sind 9 Instanzen von Albion One im Einsatz. Achtmal wurde Komplete Kontrol verwendet und einmal NI Kontakt 5.

 

 

Wie man in der Abbildung sehen kann, gibt es außer dem Logic-Metering keine zusätzlichen Plug-ins in diesem Projekt, weder Delay, Hall noch EQ. Räumlichkeit und Raumeffekte sind Bestandteile der Albion-One-Werks-Presets.

 

 

Fazit

Das pragmatische Konzept, fertig gemischte Instrumentengruppen zu verwenden, ermöglicht schnelles Arbeiten. Dabei ist der Sound wirklich vom Feinsten, nichts klingt in meinen Ohren unangenehm oder künstlich. Percussion, Loops und synthetisch verfremdete Sounds klingen ebenfalls beeindruckend. Der Hersteller verspricht: „This is everything you need to make film music in one box“. Ich halte das nicht für übertrieben, obwohl sich mit Albion One auch nicht alles verwirklichen lässt. Solo-Instrumente oder Chöre zur Ergänzung findet man in anderen Libraries. Albion One verfügt über sehr gute Presets, die entweder alle Spielweisen einer Instrumentengruppe oder auch nur einzelne Artikulationen enthalten. Die Möglichkeit, verschiedene Mikrofonpositionen miteinander zu mischen, erlaubt eine natürliche Raumgestaltung. Ein künstlicher Halleffekt ist zusätzlich vorhanden und in vielen Presets aktiv. Den direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter von der Hauptansicht der grafischen Oberfläche aus finde ich sehr gut. Die Page „Expert View“ erlaubt intensives Fine-Tuning. Ein Plus für Benutzer von Native Instruments Komplete Kontrol Keyboards ist die Unterstützung des NKS-Standards. Damit ist eine komfortable Steuerung des Instruments möglich. Die Spitfire Audio Albion One Tenth Anniversary Edition hat mich überzeugt.

 

Systemanforderungen:

PC: Windows 7 oder neuer, Intel Core Duo oder AMD Athlon 64 X2, 4 GB RAM (8GB empfohlen).

Mac: OS X 10.10 oder neuer, Intel Core 2 Duo, 4 GB RAM (8GB empfohlen).

Native Instruments KONTAKT 5.5 oder KONTAKT PLAYER.

Preis:

€449,-*

Hersteller: Spitfire Audio

*Preisangabe ohne Gewähr, entspricht dem Stand vom 25. 01. 2018 und wurde online ermittelt.

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