Tutorial: Lautsprecher für Surround 5.1.2 ohne sichtbare Kabel anbringen

By | 5. Januar 2018

Das Heimkino-Erlebnis wird erheblich aufgewertet, wenn der Sound stimmt. Eine Dolby-Atmos Surroundanlage zu installieren braucht etwas Zeit und Mühe, vor allem, wenn die Lautsprecherkabel möglichst nicht sichtbar sein sollen. Ich berichte aus eigener Erfahrung, wo die Schwierigkeiten liegen und wie man sie bewältigen kann.

Front-Speaker. Das Holzmuster ist eine Folien-Tapete.

 

One size fits it all?

Ich hoffe, dass meine Einleitung nicht zu vielversprechend klingt. Natürlich kann ich keine Patentlösung für jeden Fall anbieten. Aber gemeinsam mit Frau und Sohn habe ich es geschafft, die Surround-Anlage des Letzteren zu installieren. Dabei wurden – weniger von mir – Probleme auf kreative Weise gelöst. Immerhin schreibe ich jetzt die Dokumentation.😉

Obwohl wohl niemand bei sich zu Hause genau die gleichen Raumverhältnisse vorfindet, hoffe ich doch, dass der eine oder andere Tipp hilfreich ist.

 

Surround-Sound

Vor einigen Jahren wurden in den Anzeigen der Technik-Märkte 5.1 Anlagen stark beworben. Das ist weniger geworden, man setzt jetzt mehr auf platzsparende Soundbars, die aus der Mitte heraus ein virtuelles Surround-Feld erzeugen. Die Wirkung einer echten Surround-Anlage mit im Raum verteilten Lautsprechern ist aber immer noch wesentlich eindrucksvoller. Das am meisten verbreitete System ist 5.1. Zwei Frontlautsprecher, ein Mitten-Lautsprecher, zwei rückwärtige Lautsprecher und ein Subwoofer gehören dazu und natürlich ein Receiver, der die Surround-Informationen der Abspielgeräte verstärkt und verteilt. Die meisten Receiver bieten auch das Format 7.1 an, für das man zwei weitere Boxen an den Seiten des Raums benötigt.

Da geht doch noch mehr…

Die technische Entwicklung geht immer weiter; die beiden neuesten Surround-Formate sind Dolby Atmos und DTS:X, die beide zusätzliche Deckenlautsprecher unterstützen. Zum Glück sind die beiden Formate kompatibel hinsichtlich der Lautsprecher-Konfiguration. Aktuelle Receiver unterstützen beides und können zusätzliche virtuellen Höhen-Sound generieren. Abgekürzt nennt man die Lautsprecher-Konfiguration 5.1.2.

 

5.1.2-Surround-Anlage, Skizze

 

Bisher gibt es noch nicht sehr viele Bild-Tonträger mit echtem Dolby Atmos oder DTS:X. (Siehe Links am Ende dieses Beitrags.) In unserem Fall stand nur das X-Box One Game Assasin’s Creed Origins zum Testen zur Verfügung. Vorweg: Eindrucksvoll klingt das schon!

 

Werkzeuge und Arbeitsmaterial

  • Bohrmaschine
  • Stichsäge
  • Hammer
  • Schraubendreher
  • Schrauben und Dübel
  • Zollstock, Lineal
  • Bleistift
  • Leiter
  • Lautsprecherkabel
  • Messer oder Abisolierzange
  • Materialdetektor

Das zuletzt genannte Werkzeug ist sehr wichtig. Man kann damit ermitteln, wo Ständer in einer Hohlraumwand sind. Diese können aus Holz oder auch aus Metall sein. In einem Fall haben wir einen Lautsprecher dort befestigt, wo sich ein Ständer, in diesem Fall ein senkrechter Holzbalken, befand. Man muss in diesem Fall die erste Schicht durchbohren, die zweite etwas anbohren und Holzschrauben geeigneter Länge verwenden. Für alle anderen Wand-Befestigungen wurden Schrauben mit Hohlraumdübeln benutzt.

 

Durch die Wand

Wenn man Lautsprecherkabel unsichtbar verlegen will, muss man immer irgendwo durch die Wand – nur nicht gleich mit dem Kopf! In unserem Fall waren es hohle Wände in Rigips-Bauweise. Das hat einen Vorteil, weil man leichter mit der Bohrmaschine durchkommt, aber auch einen Nachteil, weil solche Wände mit Dämmstoffen gefüllt sind. Hier war es Steinwolle, ein Material, in dem jedes Kabel unweigerlich stecken bleibt, wenn man es durchschieben will. Wir haben es geschafft, indem das Lautsprecherkabel mit Klebeband an einem Holzstab befestigt wurde.

 

Der „Zauberstab“. Das bunte Klebeband war zufällig vorhanden.

 

Das Fernsehzimmer war vom Vorbesitzer als Fitness-Raum genutzt worden, auf einigen der Fotos sieht man noch ein (sauschweres) Trainings-Gerät stehen. Der Raum befindet sich im Tiefgeschoss, hat nur ein kleines Fenster und den Vorteil, dass der Bass ordentlich wummern darf, weil niemand darunter gestört wird. Hinter der Wand mit dem TV-Gerät ist ein Raum, den wir „Harry-Potter-Kammer“ genannt haben, weil er sich unter einer Treppe befindet. Ein Abstellraum, bei dem ein paar Kabel an der Wand nicht stören.

Von dort kam bereits das Kabelfernsehen durch ein Loch in der Mitte der Wand, kurz oberhalb des Fußbodens. Dieser Durchlass ist nicht zu sehen, weil die Truhe davor steht, auf der sich der Fernseher befindet. Die Öffnung war für mehrere Kabel zu klein, deshalb habe ich kurz darüber ein zweites Loch gebohrt. Zuerst wurden mit Hilfe des oben abgebildeten Stabs die Kabel für die beiden Frontlautsprecher hindurchgeführt.

Der Receiver steht rechts neben dem Fernseher, vorläufig auf dem Fußboden. Die Aufstellung passender TV-Möbel ist geplant, auf jeden Fall laufen die Kabel dann, von vorn nicht sichtbar, vom Durchlass zum Receiver. Das Kabel der Center-Box wird auch direkt angeschlossen und verschwindet dann hinter dem Mobilar, ebenso das Anschlusskabel des Subwoofers. Auf dem Foto steht noch alles auf dem Boden und man sieht den ganzen Kabelsalat. Rechts neben dem Receiver steht der Subwoofer.

 

Receiver und Subwoofer stehen (noch) auf dem Boden.

 

Front L und R

Wie schon auf dem Titelbild zu sehen ist, hat es mit den unsichtbaren Kabeln bei den beiden Frontboxen gut geklappt. Die Holzwand ist übrigens nicht echt, da ist „Fake-Holz vor der Hütt’n“, nämlich eine Folien-Tapete mit Holzmuster. Es ist eine Rigips-Wand, die direkt hinter den Boxen-Halterungen durchbohrt wurde. Auch hier leistete der Holzstab wieder gute Dienste.

Die Kabel für Front L und R verlaufen jetzt so:

Vom Receiver am Boden entlang zur Mitte des Fernsehgeräts, durch die Wand in den angrenzenden Raum. Dort zu den beiden Öffnungen für die Frontboxen und wieder zurück durch die Wand zu den Anschlusskontakten.

Die Halterungen der Boxen an einer Hohlraum-Wand zu befestigen ist nicht unproblematisch. Am besten halten spezielle Hohlraumdübel, die wir im Baumarkt besorgt haben.

 

Störfaktor Tür

Jeder Raum besitzt mindestens eine Tür und das ist im allgemeinen ganz nützlich. Beim Verlegen von Kabeln zu rückwärtigen Lautsprechern sind Türen Hindernisse. Den Fußboden aufreißen? Nicht so toll. Oben drüber, an der Wand entlang? Auch nicht schön, selbst wenn Kabelkanäle die Leitungen „tarnen“. Es gibt Surround-Anlagen mit drahtloser Übertragung zu den hinteren Lautsprechern. In diesem Fall muss aber an der Rückseite des Raums eine Steckdose für Netzstrom vorhanden sein.

 

Durch die Decke

In unserem Fall hatte das Zimmer bereits eine abgehängte Decke. Eine solche Decke kann man als Heimwerker auch selbst einbauen, aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein anderes Mal erzählt werden (aber nicht von mir). Ein weiterer Glücksfall war die Tatsache, dass sich bereits gute Lautsprecher in der Decke befanden. Wahrscheinlich hat der Vorbesitzer beim Sport Musik gehört.

 

Lautsprecher-Verkleidung, abgehängte Decke

 

Nach dem Ausbau eines Lautsprechers sieht man, wie dieser an der Deckenplatte angebracht worden ist. Hier war das ja bereits geschehen, ansonsten muss zunächst eine Öffnung gesägt werden. Man bohrt zunächst ein Loch, durch das das Sägeblatt der Stichsäge gesteckt wird und sägt dann im Kreis. Das ergibt niemals eine ganz gleichmäßige Kante, deshalb muss der Rand mit einer Blende überdeckt werden. Ein entsprechendes Lautsprechersystem ist also nötig. Einzelne Blenden werden auch unter der Bezeichnung Lautsprecher-Schutzgitter angeboten. Meine Link-Zusammenstellung am Ende dieses Artikels soll weiterhelfen.

 

Lautsprecher an Deckenplatte angeschraubt

 

Alle Kabel, die vom Receiver zur Decke oder zur Rückwand des Raums führen sollen, werden jetzt so verlegt:

  • Receiver, Lautsprecheranschlüsse
  • Am Boden entlang zur Wandöffnung hinter dem TV-Gerät
  • Durch die Öffnung in die Kammer dahinter
  • Zur Decke der Kammer
  • Durch die Decke, oberhalb der Deckenplatten in den TV-Raum
  • Oberhalb der Deckenplatten zur Rückwand oder zum Höhenlautsprecher

Stolperfallen

Eine abgehängte Decke verbirgt so manches Hindernis:

  • Balken der Deckenkonstruktion, wenn sie wie in diesem Fall aus Holz ist.
  • Rohre mit Verkleidung
  • Kabel, die  früher verlegt wurden
  • Dämmstoffe wie Steinwolle
  • Die Träger, an denen die Deckenplatten hängen
  • Die an den Kanten krümeligen Deckenplatten selbst, die sich lösen lassen, aber sich heftig dagegen wehren, wieder an die richtige Stelle geschoben zu werden.

Ich will mit dieser Aufzählung aber niemand davon abhalten, die Herausforderung anzunehmen. Wir haben es schließlich auch geschafft! Die Abbildung zeigt das Innere der Decke. Das schwarze Kabel ist bereits eines unserer Lautsprecherkabel und führt in die Ecke hinten links im Bild, wo es wieder herausgeführt wurde. (Spoiler! – Wie es da hingekommen ist, erzähle ich erst später!)

 

Blick ins Innere

 

Zurück zur „Harry-Potter-Kammer“, die jetzt wieder eine entscheidende Rolle spielt. Hier die Kammertür im Foto:

 

Die Tür zur „Harry-Potter-Kammer“ unter der Treppe

 

Ab jetzt war Kreativität gefragt. Meine Frau Sigrid hatte die entscheidende Idee (und die Geschicklichkeit bei der Ausführung). Weil der Trick mit dem Holzstab wegen der größeren Entfernung hier nicht funktionierte, musste ein anderes Hilfsmittel her. Im Garten lag ein Pool-Reinigungsgerät mit einer langen, hohlen Stange. Mit dieser Stange gelang der Durchstoß an der Decke vom großen Raum zur Kammer.

 

Rohr vom Poolreinigungs-Gerät

 

Nach einigen Versuchen kommt das Rohr der Poolstange oberhalb der Tür in der Kammer zum Vorschein. Das ist die Chance für ein, mit körperlicher Verrenkung verbundenes, unscharfes Foto! Den Pfeil habe ich eingezeichnet, damit man das Rohrende erkennt, in dem hier noch Steinwolle steckt.

 

Der Durchbruch ist gelungen!

 

Nach der Reinigung wird das erste Lautsprecherkabel hineingesteckt. Und wirklich – erst klemmt es, aber dann kommt es am anderen Ende zum Vorschein!

 

Das Lautsprecherkabel kommt!

 

Das Rohr wird danach wieder aus der Decke herausgezogen. Der Vorgang wird insgesamt viermal wiederholt, denn mehrere Leitungen auf einmal durchzustecken ist noch umständlicher. Wie wohl jeder weiß, entstehen die seltsamsten Knoten und bösartigen Verschlingungen, sobald man zwei oder mehr Kabel zusammenbringt.

 

Jetzt kann die Stange wieder herausgezogen werden.

 

Anschließend werden die Deckenplatten eine nach der anderen herausgenommen oder verschoben. Die Lautsprecherkabel werden immer weiter durchgeschoben, bis jedes sein Ziel erreicht hat.

 

Die rückwärtigen Boxen sind schon verkabelt.

 

Kabel

Hi-Fi-Spezialisten sind oft der Meinung, richtig dicke Kabel seien für einen guten Sound nötig. Wenn man aber bedenkt, dass ein Hersteller wie Bose ausgesprochen dünne Kabel verwendet und die Anlage trotzdem toll klingt, stellt sich wie so manches Mal im Audio-Bereich die Frage: Voodoo oder Realität? Als geeignetes und dabei preiswertes Kabel erwies sich das Amazon-Produkt. Wir haben eine Rolle mit 30m Kabel bestellt – und alles verbraucht! Nichts kann man leichter unterschätzen, als benötigte Kabelllängen! Es wurde allerdings großzügig verlegt, sodass man auch die Geräte mal anders aufstellen könnte, ohne wieder alles neu machen zu müssen. In der Decke liegen Kabelschlaufen, die es möglich machen, die Höhenlautsprecher nach unten zu holen, ohne die Anschlüsse lösen zu müssen.

 

Lautsprecherkabel, Amazon Hausmarke

 

Der Sound von oben

Die Höhenlautsprecher werden zuerst angebracht. Dazu ist das neue Kabel nötig; für die anderen Boxen verwenden wir die Kabel vom Hersteller der Lautsprecheranlage. Die Bose-Anlage hat noch die Besonderheit, dass alle Kabel besondere Stecker haben. Der Receiver von Onkyo erlaubt den Anschluss von 2 zusätzlichen Lautsprechern für normales 7.1 oder Systeme mit Höhenlautsprechern, also 5.1.2. mit den üblichen Schraub-Klemmen. Diese zusätzlichen Kabel müssen an beiden Enden abisoliert werden. An den Lautsprechern befestigen wir sie dann mit den dort vorhandenen Klemmen. Rot für den rechten Kanal und Schwarz für den linken.

 

Abisolieren mit der Klinge. Besser geht es mit einer speziellen Zange!

 

Nachdem einige Deckenplatten umgesetzt worden sind, ist die Entscheidung getroffen, wo die Lautsprecher endgültig hin sollen. Das Herausnehmen und wieder Einsetzen der fertig verdrahteten Lautsprecher verlangt nach mehr als zwei Händen.

 

Das Kabel ist dran, der Einbau der Platte erfordert Geduld.

 

Ohne Worte.

 

Irgendwie klappt es am Ende doch.

 

Beide Lautsprecher sind wieder eingebaut. Die Platte mit dem Loch soll später ersetzt werden.

 

Surround L und R

Die rückwärtigen Lautsprecher werden je nach Hersteller der Anlage mit „Surround“ oder „Rear“ bezeichnet. Leider war das Verlegen durch die Wand hier nicht möglich, denn es gibt keinen angrenzenden Raum, es handelt sich um eine Außenwand. Wir haben zwar versucht, Kabel in den Hohlraum dieser Wand von vorn einzubringen, das ist aber daran gescheitert, dass sich im Inneren Stützbalken und Dämm-Materialien befinden.

Aber auch bei der Verlegung auf der Wand sind die Kabel nicht direkt zu sehen, denn sie wurden innerhalb von Kabelkanälen angebracht. Diese sind aus Kunststoff und haben an der Rückseite eine Klebefolie.

 

Rear Speaker mit Kabelkanal

 

Wenn alles fertig ist, sind die Anstrengungen schnell vergessen. Ich möchte zum Schluss noch betonen, dass wir keine gelernten Handwerker sind. Deshalb übernehme ich auch keine Garantie, dass die Tipps in diesem Artikel immer funktionieren. Wer meint: „Das hätte ich so-oder-so anders gemacht“ soll das gern im Kommentarbereich posten!

Das letzte Bild wurde vom akustischen „Sweet Spot“ aus fotografiert, also aus der Mitte mit Blickrichtung auf das Fernsehgerät und unterhalb der Höhenlautsprecher. Auch hier stehen alle Geräte bis auf den Fernseher auf dem Fußboden. Sobald Regale oder Racks aufgestellt worden sind, werden die jetzt noch an der Frontseite sichtbaren Kabel optisch verschwinden.

 

It works! – Zukünftig werden auch noch die letzten sichtbaren Kabel hinter TV-Möbeln verschwinden.

 

Lohnt sich 5.1.2?

Ich besitze selbst zu Hause und in meinem Studio je eine 5.1 Surround-Anlage. Der 5.1.2-Sound ist auf jeden Fall noch eindrucksvoller, vor allem wenn man einen Tonträger mit einem der speziellen Formate, z. B. Dolby Atmos zur Verfügung hat. Das neue Format bringt nicht nur eine andere Lautsprecher-Aufstellung mit sich, sondern neue Algorithmen, die Sprache, Musik und Sound-Effekte so verteilen, dass das Rundum-Hörerlebnis noch glaubhafter wirkt, als bei den bisherigen Verfahren. Das Sound-Panorama wirkt viel geschlossener!

Hilfreiche Links:

  1. Werkzeuge*
    Bohrmaschinen
    Stichsägen
    Abisolierzangen
    Materialdetektoren
  2. Material*
    Lautsprecher-Abdeckungen
    Lautsprecherkabel
  3. Medien im Format 5.1.2
    Dolby Atmos
    DTS:X

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