Buchrezension: Peter Bursch’s Rock Gitarre Spezial

By | 9. August 2015

Der zweite Teil von Peter Burschs Lehrwerk für Rockgitarristen folgt dem Ansatz des ersten: Spaß durch praxisgerechte Übungen mit rockigem Sound vom ersten Akkord an.

Der (lange) Weg zum Guitar Hero

Gitarren-Anfänger haben als Ziel immer die Fertigkeiten und den Sound ihrer Vorbilder im Sinn und möchten so schnell wie möglich auch so spielen können. Wer AC/DC im Ohr hat, ist schnell frustriert, wenn der Gitarrenlehrer ihn bittet, auf einer „Wanderklampfe“ den Wechselschlag zu üben. Erst die E-Saite, dann die A-Saite usw. „In einem halben Jahr darfst du dann auch Kommt ein Vogel geflogen mit 2 Akkorden begleiten!“ – Na toll. Aber so muss es nicht sein.

Rock Gitarre Spezial

Rock Gitarre Spezial

Peter macht es anders. Da Rockgitarristen sehr oft mit verzerrtem Sound spielen, ist das bei diesem Lehrgang Standard. Dreistimmige Akkorde klingen mit verzerrtem Sound meistens nicht gut, deshalb lässt man vielfach die Terz weg. Diese 2- oder Dreiklänge aus Grundton und Quinte, oder Grundton, Quinte und Oktave des Grundtons, heißen Powerchords, sind relativ leicht zu greifen und in Dur und Moll gleich. Peter baut die meisten Übungen in diesem Buch darauf auf. Bei diesem mit „Spezial“ betitelten Buch sind die Übungen allerdings wesentlich komplexer als im ersten Teil. Sowohl schnelles Umgreifen als auch kompliziertere rhythmische Strukturen werden trainiert.

Beispielseite Rhythmusübung mit Griffbildern

Beispielseite Rhythmusübung mit Griffbildern

TAB heißt Tabulatur

Obwohl man durchgehend „ohne Noten“ lernt, ist eine grafische Darstellung der Tonfolgen notwendig. Das verwendete Tabulatur-System ist weniger abstrakt und für Gitarristen leichter zu erlernen, als die Notenschrift. Man sieht mit etwas Übung sofort, welche Saiten an welchem Bund gegriffen werden. Akkord-Griffbilder kommen hinzu. Wenn es vorwiegend um den Rhythmus geht, wie in der Abbildung oben, symbolisieren Pfeile die Plektrumanschläge und Griffbilder vermitteln den Fingersatz. In der Abbildung unten vermitteln Ziffern, welche Saite an welchem Bund heruntergedrückt werden muss. Zusätzliche Symbole für Slide und Pausezeichen kommen hinzu. Ein Foto zeigt, wie die Saiten an den Pausenstellen abgestoppt werden. Wie das klingt, hört man auf der CD, die dem Buch beiliegt.

Beispielseite "Abstoppen"

Beispielseite „Abstoppen“

Die CD

Eine DVD wie beim ersten Teil „Rockgitarre“ gibt es zu „Rockgitarre Spezial“ nicht, dafür aber 56 Hörbeispiele zu den einzelnen Übungen und zwei zusätzliche Schlagzeug-Tracks auf der CD. Die Beispiele zum Mitspielen werden in zwei Tempo-Versionen dargeboten, Gitarre und Schlagzeug in getrennten Stereokanälen, so dass man sich einen eigenen „Mix“ einstellen kann.

CD zum Buch "Peter Bursch's Rock Gitarre Spezial"

CD zum Buch „Peter Bursch’s Rock Gitarre Spezial“

Schnelle Finger

Wer sich in erster Linie für Melodiespiel interessiert, muss Geduld aufbringen, denn etwa bis zur Hälfte des Buches werden rhythmische Akkordfolgen, Riffs und schnelle Griffwechsel trainiert. Als Grundlage für ein sauberes Spiel von Skalen ist das sicher notwendig. Bei den Tonleitern wird mit Blues-Skalen begonnen; das ist wieder sehr praxisgerecht im Bezug auf Rockmusik. Unverzichtbare Stilmittel wie Hammer-on und Pull-off werden vermittelt, ebenso Sweeping und Picking. Auch das schon im ersten Buch eingeführte Tapping wird ausgebaut.

Während Tapping meiner Meinung nach nicht unbedingt zu den Grundtechniken des Gitarrenspiels gehört, vermisse ich andere Übungen. Sauberes Bending von Halb- oder Ganztönen wäre für mich eine sinnvolle Ergänzung, vielleicht mit Übungen, die den „Zielton“ auf der CD vorgeben. Verschiedene mechanische Vibratosysteme unterschiedlicher Hersteller werden im Buch erklärt. Nicht alle Gitarrenmodelle verfügen über einen solchen „Jammerhaken“, deshalb wäre mir das Trainieren des Finger-Vibratos mindestens ebenso wichtig.

Vibrato-Systeme

Vibrato-Systeme

Ohne Umschweife

Die pragmatische Art, wie Peter Bursch Kenntnisse vermittelt, gefällt mir sehr gut. Er nennt die „tiefe“ E-Saite bewusst „dicke“ E-Saite und vermeidet damit Missverständnisse, denn die tiefen Töne sind ja bei der Gitarre oben. Er spricht vom Tremolo-Hebel, weil es dem allgemeinen Sprachgebrauch entspricht, obwohl Tremolo eigentlich eine Modulation der Lautstärke ist und bei der Gitarre die Tonhöhe verändert wird, also ein Vibrato erzeugt wird. Angeblich geht diese Verwechslung auf Leo Fender zurück, der die Vorrichtung an der Stratocaster „Tremolo“ genannt hat. Viele Stellen in Peter Burschs Büchern verraten, dass er genau weiß, wie man Dinge verständlich erklärt.

Themenvielfalt

Das Buch enthält außerdem Fingerübungen sowie Tonleiter- und Akkordtabellen. Zusätzlich gibt es viele wertvolle Tipps für Gitarristen. Verstärker-Einstellungen und die Konfiguration von Effekt-Ketten werden ebenso behandelt, wie das Saitenwechseln und die Bund-reine Justierung der Gitarre. Allgemeine Themen sind „Wie probt eine coole Rock-Band?“ und „Wie schreibe ich einen Rock-Song?“.

Eine Kette von "Bodentretern"

Eine Kette von „Bodentretern“

Nicht nur Effektgeräte machen Sound. Auch spezielle Klangeffekte mit den Fingern und dem Plektrum werden im Kapitel „Vom Motorradstart bis zum Sound des Universums“ demonstriert.

Jedes Kapitel enthält nicht nur motivierende Fotos von berühmten Gitarristen, sondern auch eine Liste der Titel von Songs, die zum jeweiligen Übungsschwerpunkt passen.

Fazit

Mit der 112-seitigen „Spezial“-Fortsetzung von „Peter Bursch’s Rock Gitarre“ kann der angehende Rockgitarrist seine Fähigkeiten wesentlich erweitern. Peter Bursch vermeidet geschickt Inhalte, die „abtörnen“ und die Lust am Spielen beeinträchtigen können. Wie im ersten Teil wird auf Musik-Theorie weitgehend verzichtet, Harmonielehre ist eine andere Baustelle. Ich bin überzeugt, dass nach dem Durcharbeiten beider Bücher, wenn das eigene Spiel genauso rockt, wie Peters Hörbeispiele, versiertes Mitspielen in einer Band kein Problem sein wird. Fleißig üben muss man aber in jedem Fall, das kann dem angehenden Musiker niemand abnehmen. Den allerletzten Schliff holt man sich durch „learning by doing“ und genaues Hinhören und Hinsehen, wenn Profis spielen. Das Buch ist sehr gut gestaltet, große Schrift und deutliche Abbildungen sorgen dafür, dass man auch mit der Gitarre vor dem Bauch keine Schwierigkeiten bekommt.

Mein Schlusswort: „It’s only Rock ‚n Roll, but I like it!“

Titel: Peter Bursch’s Rock Gitarre spezial
Autor: Peter Bursch
€ 22,95

Erhältlich im Musik-Fachhandel oder bei Amazon.

DIN A4, 124 Seiten, mit CD

ISBN: 978-3-8024-0238-8

Verlag: Voggenreiter

Meine aktuellen Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

 

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

4 thoughts on “Buchrezension: Peter Bursch’s Rock Gitarre Spezial

  1. Ulf

    „(…), dann fährst du total ab.“
    Gibt es diese Bücher/Hefte nicht schon Ewigkeiten? Wurde da einer alten Konzeption nicht nur ein neues Layout verpasst? Egal, schließlich geht das Gitarrespielen im Groißen und Ganzen ja noch genauso wie vor 20 oder 30 Jahren … Aber so eine Formulierung wie oben zitiert, wirkt schon etwas sehr hausbacken.
    Viele Grüße, Ulf

    Reply
  2. juergen Post author

    Ich habe mich erst vor kurzem mit einem Gitarrenlehrbuch beschäftigt, dessen Inhalt zu 90% aus Übungen der selben pentatonischen Tonleiter in verschiedenen Lagen besteht. Um beim Gitarre spielen die Noten lesen zu können, habe ich mit verschiedenen Klammern experimentiert, weil das Buch ständig von allein zugeht, wenn man es nicht festhält. Verglichen damit, ist der Umgang mit Peter Burschs Buch ein Wohltat. Da stört mich dann auch hier und da etwas künstlich klingende Jugendsprache nicht. Die CD zum Mitspielen ist beim Selbststudium bestimmt sehr hilfreich.
    Herzliche Grüße,
    Jürgen

    Reply
  3. Pingback: Rezension: Peter Bursch’s Gitarrenbuch, neu überarbeitet › Juergen

  4. Mikael im Regen

    Hallo, ich kenne einige Bücher von Peter Bursch und kann sie nur emphlen, dazu wenn manche Dinge nicht so klar sind gibt es auch noch Youtube. Hier sei nur erwähnt in einem der ersten Beispiele wird der Ton G im dritten Bund auf der dünnen E Saite gegriffen, ich dachte moment mal da war doch was und mein Anfäger Erfolgserhebnis war das mit dem komplette G Akkord das ganze schon besser klang. Durch rum duddeln mit denn ersten Akkorden stellte ich aufeinmal fest Hoppla das ist ja Knocking on Heavens Door, das hat auch meine Frau rausgehört. Dazu höre ich mir Abends die CD an und freu mich was noch kommt.
    Ich bin schon etwas älter , nein noch äöter, ich kann mich noch erinnern das Anfang der 80Jahre zwei Schallfolien dabei waren die geknistert haben wie Sau und das erste Lied war so eine Unglückliche Version von Get Back, später war es eine Kassrzzr auch nicht viel besser. Ich habe jetzt meinen Spass mit der Vorherausgabe und nach einer Pbung mit 2 oder 3 Akkorden gehts drkt mit dem ersten Lied los. zu letzt noch einen Satz zur Liedauswahl, alles Klassiker die man sicher auch noch in 39 Jahren erkennt, aktuelle Lieder könnte bedeuten ein höherer Preis und das Buch verliert schneller an Aktualität, auch gibte es auf You Tube genug Kurse wo man die Lieder zusätzlich lernen kann

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.