CD-Tipp: Marina Koller „Frei“

By | 26. Juli 2014

Country-Pop-Rock auf Deutsch, und zwar ohne Cowboys, Trucker und Highways, geht das? Es geht. Marina Koller und ihr Team haben das drauf.

Das Album „Frei“ handelt von glücklichen und weniger glücklichen Beziehungen, von Spaß beim Feiern, Gedanken über das Leben an sich und auch mal von Casting Shows. Musikalisch immer untermalt von Gitarrensounds, wie man sie auf deutschen Produktionen selten hört.

Aber zunächst ein paar Worte über die Sängerin. Marina Koller, 31 Jahre jung, ist schon seit 10 Jahren im Showgeschäft. Sie hatte unter anderem Erfolg mit einer bayerischen Version von Amy MacDonalds „Mr. Rock’n Roll“. Sie wirkt auf mich wie eine Musikerin, der es darum geht, ihre Songs mit Leib und Seele zu performen und nicht darum, von „Bild“ zur Traumfrau der deutschen Männer erklärt zu werden. Eine Vollblutmusikerin, die sich live cool auf der Gitarre begleitet.

Im Booklet der CD schreibt Marina, wie wichtig ihr Team für den musikalischen Weg ist, den sie seit 2012 mit dem ersten gemeinsamen Album beschritten hat, das bezeichnenderweise „Neue Wege“ heißt. Dirk Schlag komponiert und produziert, Dirk Busch sorgt für die Songtexte.

Dirk Schlag ist unter anderem als Bandmitglied von „Truck Stop“ und als viel gefragter Session-Musiker auf der Bühne (Santiano) und im Studio unterwegs. Seine Gitarrensounds, Riffs und Soli haben einfach Power und ergänzen Marinas Gesang mit viel Dynamik. Alle Titel auf „Frei“ sind seine Kompositionen und wurden im eigenen Studio eingespielt. Als Gast kommt da auch schon mal Pedal-Steel-Virtuose Nils Tuxen zum Zuge (Titel: „Country Songs und Blues“).

Dirk Busch ist seit vielen Jahren als deutscher Singer/Songwriter bekannt, dessen Texte, ob humorvoll oder nachdenklich, einfach Sinn machen. Sein kürzlich erst veröffentlichtes englisches Album „Smooth“ zeigt, dass New-Country ebenfalls zu 100 Prozent sein Ding ist. Als Texter ist er deshalb für Marinas Projekt ideal.

Was deutschsprachige Produktionen betrifft, ist „Frei“ zur Zeit mein Lieblingsalbum. Um meinen Lesern Marina Koller „in action“ zu zeigen, eignet sich das folgende Video. Es ist ein Auftritt beim ZDF Fernsehgarten, einer recht konservativen Show, deren Macher sich aber durch die Auswahl der Interpreten in letzter Zeit auch um ein jüngeres Publikum bemühen.

Wer in alle Titel mal reinhören möchte, kann das bei iTunes oder Amazon.  Wer allerdings das „tierische“ Gitarrensolo von „Freitagnacht“ hören möchte, muss das Album schon kaufen, denn das kommt erst am Ende des Songs!

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

9 thoughts on “CD-Tipp: Marina Koller „Frei“

  1. joern

    Beim „tierischen Gitarrensolo“ war ich schon neugierig. Kaufen würde ich diese Mucke dafür aber nicht. Ist mir doch etwas zu sehr auf der Schlagerspur.

    Ich gestehe aber, dass ich einigen (leider amerikanischen) County-Nummern etwas abgewinnen kann. Leider kenne ich in der Richtung zu wenig.

    Reply
    1. Juergen

      Meine Spezialität ist Country auch nicht, aber ich kenne einige Gruppen, wie Lady Antebellum zum Beispiel, die moderner und rockiger klingen als – wie war das noch im Song? – „Ich möchte so gern Dave Dudley hör’n, Hank Snow und Charly Pride…“

      Reply
      1. joern

        Gott … Dieses Ding, was du da gerade textlich zitierst – das habe ich früher öfter mal im Job hören müssen.

        „Auf Arbeit“ lief immer das Radio und damals (ich weiß gar nicht mehr, wie lang das jetzt her ist), wurde das häufig gesendet. So häufig anscheinend, dass ich diese Zeilen nicht mehr vergessen konnte. 🙂

        Alte Zeiten!

        Reply
  2. Juergen

    Das ging dann weiter: „nen richtig schönen Country Song, doch AFN ist weit.“ Inzwischen wurde der AFN durch die NSA abgelöst. Aber die hören zu, anstatt zu senden.

    Reply
  3. Ulf

    Oh weh, ich finde, der You-Tube Song passt bestens zum Fernsehformat von „Fernsehgarten“ – beides einfach nur flach. Jürgen, ich kann beim besten Willen nicht verstehen, was du daran findest: kreuzbrave Stimme, harmlose Produktion mit ein paar Gitarrenfills, die aber irgendwie nur Maske sind … Kuschelmusik ohne Format mit flachen Texten („Du bist mein Held, bist mein Fels in der Brandung, du fängst mich auf, wenn ich mich wieder mal verlier …“). Puh. Da gibt es gar nichts, was das Ganze auch nur ein bisschen über Dudelmusik hinaushebt. Das ist morderner Schlager.
    „Lady Antebellum“ ist da schon noch mal was anderes – zwar auch Mainstream, aber eben gute Stimmen, gekonnte Produktionen, passende Instrumentierungen.
    Sorry, musste ich mal sagen … 🙂

    Reply
  4. Juergen

    „Du bist mein Held“ fasse ich als leicht ironisch gemeint auf, nicht als ein „Anhimmeln“ wie im üblichen Schlager. Kennst du eigentlich die derzeit erfolgreichsten deutschsprachigen Songs, wie sie von Frau Fischer dargeboten werden? Da heißt es z. B. „für eine Nacht mit dir im Himmel sterb‘ ich gern noch tausendmal“). Da ist doch ein Unterschied, oder?
    Dirk Schlag kenne ich von Live-Konzerten mit der Dirk-Busch-Band. Der hat schon was drauf – auf einem Playback muss natürlich Platz für den Gesang bleiben, da kommt das nicht so heraus.

    Reply
    1. Ulf

      Klar, es gibt noch Schlimmeres … 😉 Aber trotzdem, ich finde Marina Koller ziemlich seicht.

      Reply
  5. Juergen

    Wie man in den Kommentaren lesen kann, ist nicht jeder meiner Meinung, wenn es um diese Produktion geht. Ich finde es aber gut, dass das deutlich gesagt wird. Wenn jeder immer meine Meinung teilen würde, fände ich das Thema Musik nur halb so spannend!
    Ein Autor der Zeitschrift „Country Home“ lobte das Album noch wesentlich mehr als ich. Eigentlich hätte ich das nicht erwartet, weil man dort hauptsächlich über die US-Szene schreibt, da steht man den „Einheimischen“ doch meistens eher kritisch gegenüber. Den Artikel kann man auch online lesen:
    http://www.countryhome.de/?p=2323

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.