Gitarren-Museum: Hopf Telstar Standard

By | 20. September 2014

Meine erst Gitarre wurde im Jahr 1964 während der „Beat-Ära“ hergestellt – vor einem halben Jahrhundert! Zeit für einen Rückblick, finde ich.

1964
Vor 50 Jahren hieß der deutsche Bundespräsident Heinrich Lübke. Der amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnete das Bürgerrechtsgesetz zur Aufhebung der Rassentrennung. Die Beatles hatten 5 Singles in den Charts.

2014
Seit 1964 ist eine Menge Wasser die Weser heruntergelaufen, sagt man in Bremen. Was hat sich auf dem Gitarrensektor getan? Auf vielen Bühnen sieht man die Telecaster oder die Stratocaster, Leo Fenders Erfindungen der 1950er Jahre, sowie die ursprüngliche Jazzgitarre Gibson Les Paul, die in den 1960er-Jahren von Musikern als Rockgitarre entdeckt und vom Hersteller wieder in das Fertigungssprogramm aufgenommen wurde. Es gibt eine Nachfrage nach „Vintage“-Instrumenten, echt und sehr teuer, oder künstlich gealtert und auch nicht billig. Ein altes Instrument gehört nicht unbedingt zum „alten Eisen“, deshalb habe ich mich mal in der eigenen Umgebung umgesehen.

Made in Germany
Der Rock’n’Roll der 50er, der Beat in den 60ern; auch deutsche Firmen wollten am E-Gitarren-Boom teilhaben. Internationalen Erfolg hatte die heute als Beatles-Bass bekannte Bassgitarre der Firma Höfner, die von Paul McCartney bei vielen Aufnahmen und Konzerten gespielt wurde. Sie ist noch heute im Programm.

Höfner stellte auch E-Gitarren her, ebenso wie die Firma Hopf, von der mein erstes Instrument, die Telstar Standard, gebaut worden ist. 1962 wurde der erste Fernsehsatellit ins All geschossen, er hieß Telstar. Eine Single mit seinem Namen, mit einem „space-igen“ Orgelsound, wurde zum Hit. Es kann aber auch sein, dass man sich vom Namen der erfolgreichen Fender Telecaster inspirieren ließ. Oder alles zusammen, wer weiß?

Der Zahn der Zeit
Nachdem meine für viele Jahre im Keller gelagerte Gitarre bei einer Kellerüberflutung im wahrsten Sinne des Wortes „abgesoffen“ war, stellte ich sie ins Trockene und tat zwei Jahre lang nichts weiter damit. Vor einigen Tagen habe ich sie untersucht und gereinigt. Mit WD-40 wurde einiges wieder blank, aber der Rost hatte einfach zu sehr zugeschlagen, wahrscheinlich schon vor der Überschwemmung durch feuchte Luft. Die Mechaniken lassen sich abschrauben, es sind aber kleine Kapseln, die einzeln mit winzigen Nieten verschlossen sind, so dass man an das Innere nicht herankommt. Da bewegt sich nichts mehr, der Rost hat gewonnen. Der Sattel hat sich gelöst, ein kleines Stück davon ist abgebrochen.

Hopf Telstar Standard

Natürlich könnte man die genannten Schäden beseitigen, aber funktioniert die Elektrik noch? Und wofür würde sich die Mühe lohnen? „Let it be“ habe ich mir gesagt, um noch einmal die Beatles zu erwähnen.

Soweit wie möglich blank geputzt, ist diese Gitarre für mich ein interessanter Zeitzeuge. Personal Computer, Mobiltelefone, das Internet – ungeheuer viel wurde in den letzten 50 Jahren entwickelt. Auch vor den Gitarren machte der Fortschritt nicht halt. Line 6 baut Instrumente, die mit Hilfe von Software fast jeden Gitarrensound erzeugen können. Mit dem, bei manchen neuen Gibson Gitarren eingebauten, minE-Tune System stimmt man die Saiten auf Knopfdruck elektrisch. Aber das sind noch Ausnahmen – die grundsätzliche Bauweise einer E-Gitarre hat sich bis heute erstaunlich wenig verändert.

 

Die Bauweise
Die Telstar Standard ist eine Solid-Body-Gitarre mit zwei Tonabnehmern. Neben der Standard gab es auch eine Telstar International mit drei Pickups.
Kopfplatte und Korpus erinnern an die Fender Stratocaster, ohne diese direkt zu kopieren. Sie besitzt ein Vibratosystem, das nicht, wie das System von Fender, mit von hinten zugänglichen Spiralfedern arbeitet, sondern in die Saitenhalterung integriert ist. Das Griffbrett hat 22 Bünde und ist sehr gut bespielbar. Der Hals meines Instruments ist immer noch sehr schön gerade. Einen Stahlstab besitzt er nicht. Der Hals ist mit drei Schrauben, die Abdeckkappen besitzen, am Korpus befestigt.

Mit drei Schrauben ist der Hals befestigt

Die Konstruktion der Bridge ist sehr Gibson-like. Mit kleinen Muttern kann man jede einzelnen Saite in der Länge justieren. Die Bridge wird auf zwei Achsen aufgesetzt und lässt sich mit Rändelrädern in der Höhe verstellen. Ich frage mich, ob es da je einen Patentstreit gegeben hat, denn die 1952 von Gibson eingeführte Tune-o-matic Bridge ist doch sehr ähnlich.

Aufsatz der Bridge mit Einstellschrauben

Eine Besonderheit ist der „Dämpfer“, der auf die Saiten geklemmt werden kann, um „muted“ Sounds zu erzeugen.

Sehr aufwändig ist die Schaltung. Wie bei Gibson, kann man mit einem kleinen Kippschalter die Tonabnehmer einzeln oder gemeinsam aktivieren. Hinzu kommen pro Pickup zwei Kunststoff-Rändelräder für Volumen und Ton, sowie ein weiteres, das mit „Treble“ beschriftet ist und auf den Gesamtklang wirkt. Außerdem gibt es einen Rhythmus/Solo-Schiebeschalter und einen „Treble“-Schiebeschalter. Wie sich das alles im Verhältnis zueinander auswirkt, weiß ich leider nicht mehr.

Die Telstar Gitarre ist angenehm leicht, mit einem Gewicht von 3kg ist sie ein 1kg leichter als meine Fender Stratocaster, dieser Unterschied ist deutlich bemerkbar.

Eine noch sehr gut erhaltene Hopf Telstar Standard wird hier vorgeführt:

Die Schallplatte
Zum Lieferumfang der Gitarre gehörte eine Single-Schallplatte mit Klangbeispielen.

Vielen Dank Mattias für das YouTube Video mit dem Originalton der Schallplatte!

 

 

Die Single gehörte zum Zubehör

 

Fazit
Jahrzehnte unsachgemäßer Lagerung kriegen alles kaputt, leider. Die Verarbeitung war sehr gut, dafür sprechen der gerade Hals und die immer noch (fast) blanken Chromteile. Der Sound war mir immer etwas zu „blechern“, verglichen mit den amerikanischen Gitarren, die ich mir später zulegen konnte. Für einen aggressiven „Alternative“- oder „Grunge“- Sound wäre er aber möglicherweise gerade richtig, vor allem mit Fuzz und anderen Pedal-Effekten. Jack White hätte vielleicht Freude daran. Nach all den Jahren finde ich die Gitarre wieder richtig schön, wenn auch das Design meiner Meinung nach nicht ganz an die ausgewogene Formgebung der Fender- oder Gibson-Modelle heranreicht.

Epilog
Im Jahr nachdem meine Gitarre gebaut worden war, also1965, erschien der zweite Beatles-Film „Help“. Werder Bremen wurde deutscher Meister.

 

Und so ging es weiter…

Die Telstar-Gitarre war auch das erste Instrument, mit dem ich in einer Band gespielt habe. Zusammen mit meinem Bruder Norbert wurden Mitte der 1960er-Jahre „The Outcasts“ gegründet. Bald war ich mit dem Sound von Hopf-Gitarre und Dynacord-Verstärker nicht mehr zufrieden. Meine zweite E-Gitarre war eine gebrauchte Vox-Gitarre mit Sunburst-Lackierung, die ich über einen (neu gekauften) Vox AC 30 gespielt habe. Die Vox war eigentlich eine Stratocaster, nur die Kopfplatte war anders. Ich habe sie irgendwann einem Kollegen geliehen, der sie weiß lackiert hat und einen Tonabnehmer von einer Rickenbacker-Gitarre eingebaut hat. Den Tonabnehmer hatte er bei einem „Who“-Konzert ergattert, wo die Gitarre bei der Bühnenshow zu Bruch gegangen war. Diese Modifikation der Vox-Gitarre habe ich aber nie zu Gesicht bekommen. Sowohl der Musiker-Kollege als auch die Gitarre sind seit vielen Jahren aus meinem Leben verschwunden. Eine Konzertgitarre schaffte ich mir ca. 1967 an. Meine nächste Gitarre war eine Gibson SG Standard, gespielt über eine Marshall-Anlage. 1973 oder 1974 kaufte ich mir eine Fender Telecaster Custom, die ich noch heute besitze. Etwa gleichzeitig kam eine Ibanez Wester-Gitarre hinzu, die ich günstig gebraucht erworben habe, auch die habe ich noch. Eine Fender Stratocaster wollte ich schon haben, seit ich mich überhaupt für Gitarren interessiert haben. 2013 habe ich sie mir geleistet und hier kurz in einem Artikel vorgestellt. 2014 kaufte ich mir die Gibson Les Paul Futura, hier ein paar Bilder und Infos dazu.

Schlusswort (endgültiges)

>> It’s only Rock’n Roll but I like it.<<

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18 thoughts on “Gitarren-Museum: Hopf Telstar Standard

  1. Jörn

    Und wieder stelle ich fest, dass ich deine Sachen wirklich gerne lese. Sogar einen interessanten Epilog hast du geschrieben.

    Reply
  2. Pingback: Greatest Hits 2014 › Juergen

  3. andreas s

    Hallöchen,

    schöne Hopf hast du da 😉 ..kannst du mir sagen, welchen Mensur die hat? Gibson oder eher Fender?
    Kann man ja leicht nachmessen..
    Vielen Dank,
    grüße

    Reply
  4. juergen Post author

    Ich bin zur Zeit nicht vor Ort, werde aber in den nächsten Tagen mal nachmessen!
    Danke für das Interesse und viele Grüße,
    Juergen

    Reply
  5. juergen Post author

    Hallo Andreas,
    ich habe gerade nachgemessen. Vom Sattel bis zum 22sten Bund sind es 44,5 cm. Das entspricht ziemlich genau meiner Gibson Les Paul. Da messe ich knapp 45 cm. Die Hopfgitarre hat direkt hinter dem Sattel noch ein zusätzliches Bundstäbchen. Weil dort die Saiten aufliegen, habe ich von da bis zum 22sten gemessen.
    Viele Grüße
    Jürgen

    Reply
  6. Mia

    Hallo…

    ich suche einen Vibrato-Hebel für eine Hopf Telestar Standard… gibt es soetwas noch irgendwo zu bekommen?

    LG, MIa

    Reply
  7. Jürgen Drogies Post author

    Meiner ist auch verschwunden. Es dürfte nicht leicht sein, ein Ersatzteil zu finden, ich habe da leider keine Idee.
    Viele Grüße
    Jürgen

    Reply
  8. Lutz Scheffler

    Hallo Jürgen,
    ich habe auch noch eine alte Hopf Telstar Standart von 1963 ( meine erste elektrische ). Funktionier noch einwandfrei und der Hals ist nach den Jahren noch vollkommen gerade.
    Da ich den „Jammerhaken“ auch früher nie benutzt habe, kannst Du meinen alten Vibratorhebel gerne umsonst! haben. Aber leider hat die Verchromung im Lauf der Jahre sehr gelitten. Wenn Du interessiert bist, kann ich Dir ja mal ein Bild schicken.

    Reply
    1. Norbert

      Hallo Lutz
      Kannst du mir mal ein Bild von dem Vibratorhebel schicken. Meiner ist auch verschwunden. Nach fast vierzig Jahren will ich meine Telstar wieder von der Wand nehmen und benutzen. Eventuel kann einen anderen Hebel anpassen, wenn ich kein Originalteil finde.

      Reply
      1. Lutz Scheffler

        Hallo Norbert,
        wenn ich Deine email-Adresse habe, schicke ich Dir gerne das Bild.
        Grüße Lutz

        Reply
    2. Jürgen

      Hast du die noch. Ich hatte auch mal eine, leider ist die weg. Kannst du ein Foto schicken, viel leicht brauche ich sie.
      Jürgen

      Reply
  9. Jürgen Drogies Post author

    Hallo Lutz,
    Vielen herzlichen Dank für Dein Angebot! Meine Gitarre ist leider durch Wasserschaden unbrauchbar geworden. Ich denke deshalb, Mia (siehe weiter oben) könnte mehr mit dem Vibratohebel anfangen!
    Der Hals ist super, auch bei meiner noch gerade. Welche Gitarre(n) spielst Du heute? Wie beurteilst Du den Sound der Telstar heute?
    Viele Grüße
    Jürgen

    Reply
    1. Lutz Scheffler

      Hallo Jürgen,
      auf meiner alten Hopf spiele ich nur noch slide in offener Stimmung Open G oder D und die klingt dabei noch recht gut. Meine bevorzugte E-Gitarre ist eine 1981er Fender Stratocaster “ The Strat“, in Arctic white mit vergoldeter Hardware. Auch akustisch bin ich meistens mit einer Fender Casa Grande beschäftigt, weil die sich fast so leicht wie eine E-Gitarre spielt.
      Viele Grüße Lutz

      Reply
  10. Lutz Scheffler

    Hallo Jürgen,
    auf meiner alten Hopf spiele ich nur noch slide in offener Stimmung Open G oder D und die klingt dabei noch recht gut. Meine bevorzugte E-Gitarre ist eine 1981er Fender Stratocaster “ The Strat“, in Arctic white mit vergoldeter Hardware. Auch akustisch bin ich meistens mit einer Fender Casa Grande beschäftigt, weil die sich fast so leicht wie eine E-Gitarre spielt.
    Wenn ich einen Kontakt zu Mia kriegen kann, schicke ich ihr das Ding.
    Viele Grüße Lutz

    Reply
  11. Jürgen Drogies Post author

    Danke!
    Ich habe seit 1973 eine Fender Tele Custom und habe mir dazu eine Strat (2013 Mexiko) und 2014 eine Les Paul angeschafft. Bei der Telstar sind alle Mechaniken kaputt und die Elektronik wahrscheinlich auch (hat mehrere Wochen unter Wasser gelegen). Ich hebe sie aber als Erinnerung auf (erste E-Gitarre 1964).

    Reply
  12. Lutz Scheffler

    Hallo Jürgen,
    neben der Musik habe ich noch ein anderes Hobby und so bin mal auf die Idee gekommen, meine Gitarren-heroes zu malen. Falls Du Spaß daran hast, kannst Du Dir meine ersten Bilder mal anschauen. Inzwischen sind noch ein paar dazugekommen, aber die to-do- Liste ist noch länger. Mein Sohn hat mir eine Facebook Seite eingerichtet: http://www.facebook.com/schefflerart
    Grüße Lutz

    Reply
  13. Jürgen Drogies Post author

    Vielen Dank Matthias!
    Dein Video ist ja große Klasse! Bilder synchron zum Schallplatten-Text. Ein richtiger Werbespot – nur 50 Jahre danach 🙂
    Deine Gitarre ist ja wie neu.

    Herzliche Grüße
    Jürgen

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