Test: Propellerhead Reason 8

By | 10. Oktober 2014

Die Version 8 von Reason verspricht mit neu gestaltetem User-Interface und Gitarren-Amps von Softube optimalen Workflow und Spaß beim Musik machen.

Reason 8 Laptop

Was ist neu in Version 8?

Die grafische Oberfläche hat an einigen Stellen ein Facelifting erfahren. Ähnlich wie beim iOS seit Version 7 werden Buttons und andere Elemente der Sequenzer-Umgebung flacher dargestellt.

Die Navigationsleiste von Reason 8

Die Navigationsleiste von Reason 8

Die größte Veränderung zur Vorgängerversion ist der neue Browser. Das betrifft aber nicht nur die Optik, wichtiger sind die Funktionen dahinter. Hier findet man, je nachdem welches Stichwort man angeklickt hat, Instrumente, Effekte, Hilfsgeräte, Factory Sounds, Orkester Sounds (kein Schreibfehler!) und Rack Extensions. Außerdem kann man zu beliebigen Ordnern auf der Festplatte navigieren.

Aus dem Browser heraus geht jetzt alles per drag and drop! Geräte, Soundpatches, Loops lassen sich auf eine Sequenzer-Spur oder auf ein Rack-Gerät ziehen. Zieht man einen Effekt auf ein Instrument, wird automatisch das Effektgeräte geladen und verkabelt.

Die Suchfunktion hilft aktiv bei der Auswahl von Instrumenten und Sounds. Ein Beispiel: Ich habe im Browser „Instrumente“ gewählt. In die Suchzeile schreibe ich „digital“. Der Browser zeigt mir als Ergebnis den NN19 Digital Sampler. Ein Doppelklick auf das kleine Icon im Browser öffnet den Sampler im Rack und legt gleichzeitig eine Spur dafür im Sequenzer an. Alternativ kann ich das Icon auf das Rack oder in den Sequenzer ziehen. Während dessen ändert sich die Browseransicht und bietet passende Patches, von denen ich eines auf das Gerät im Rack oder die den Spurheader im Sequenzer ziehe. Wenn ich einen anderen Sound ausprobieren möchte, verwende ich wieder drag and drop und das neue Patch ersetzt automatisch das vorherige.

Links im Bild der Browser

Links im Bild der Browser

Zusätzlich zur schon länger vorhandenen Line 6 Amp-Simulation stehen für Gitarristen und Bassisten jetzt Verstärker von Softube mit amtlichen Sounds zur Verfügung.

Wie es bei Updates üblich ist, gibt es außerdem viele kleine Verbesserungen, die zum Teil „unter der Haube“ stecken und nicht einzeln dokumentiert werden. Reason ist dafür bekannt, stabil und flüssig zu funktionieren. Schön, dass es auch in Details immer weiter verbessert wird.

Soweit zum Update auf Version 8.

Give me a reason

Für alle, die Reason noch nicht kennen (ja, ihr drei dahinten seid gemeint, für euch schreibe ich das alles!) oder die lange keinen Kontakt mehr zu Reason hatten (wie ich), setze ich diesen Artikel hier fort, mit einem Überblick über die wichtigsten Funktionen. Interesse an Reason hatte ich schon lange, die neue Version gab mir jetzt den Grund, es endlich mal näher in Augenschein zu nehmen.

Neulich Im Nationalpark

Während ich Reason 8 getestet habe (4. – 9. Oktober 2014) befand sich das neue Apple Betriebssystem OS X 10.10 „Yosemite“ noch im Betastadium. Ich war so mutig (oder leichtsinnig?), es auf meinem Musikrechner zu installieren und habe den Test mit der OS-Version „Golden Master Candidate 2“ durchgeführt. Ohne Probleme, man kann ja auch mal Glück haben!

Soundbeispiel 1

Meinen Demo-Song „There’s a reason“ habe ich während des Tests ständig weiter entwickelt und schließlich ganz in Reason 8 gemixt und gemastert. Mein Sound-Demo enthält Loops, selbst eingespielte MIDI-Spuren mit Klängen der internen Instrumente, ein Gitarrensolo und Gitarren-Akkorde, die ich jeweils mit dem Softube Amp bearbeitet habe.

 

Alter Schwede

1994 entwickelte die schwedische Firma Propellerhead für Steinberg das Sample-Editing-Programm „ReCycle“.1997 kam unter eigenem Namen „ReBirth“ auf den Markt, eine Software-Emulation der damals schon kultigen Roland Bass-Synthesizer und Drum Machines  TB-303, TR-808 und TR-909. Drei Jahre später entstand „Reason“, eine Synthesizer- und Sampling-Workstation zunächst ohne die Möglichkeit zur Audioaufnahme. Diese kam dann später mit der eigenständigen Software „Record“, die ab Version 6 in Reason integriert wurde. Seitdem ist „Reason“ eine vollwertige Digital Audio Workstation, kurz DAW.

Was geht mit Reason?

  • Sequenzer-Aufnahmen von Instrumenten-Spuren
  • Software-Instrumente, aber auch externe MIDI-Instrumente
  •  Audio-Aufnahmen
  • Arrangieren von Songs mit Hilfe von „Blocks“
  • Time Stretching/Compression, Quantisierung von Audio mit automatischer Transientenerkennung
  • Sampling, Verwendung von Loops
  • Automation
  • Steuerung durch externe MIDI-Controller
  • Effekte erzeugen, Mischen und Mastern
  • Loop- und Sample-Erweiterungen als „ReFill“ laden,
  • Audiofiles laden und bearbeiten
  • Plug-ins im eigenen Format „Rack Extensions“ nutzen.
  • Synchronisierung mit anderen DAWs per „ReWire“

 

Was geht nicht mit Reason?

  • Plug-ins in Formaten wie VST, AU, AAX, RTAS einbinden
  • Notenbild-Darstellung und Editierung
  • mp3 Codierung
  • Surround Mix

Highlights

Das Auge hört mit

Neben der neuen, übersichtlichen „Flat“-Optik vieler Bedienungselemente ist es die überaus detaillierte, „realistische“ Gestaltung der „nicht realen“ Geräte im Rack, die mich begeistert. Das sind nicht nur oberflächliche „eye-catcher“, sondern richtig funktionierende Geräte, die wertig aussehen und deren Optik etwas über die jeweilige Funktion aussagt. Leider sind viele Beschriftungen winzig klein, was die Bedienung manchmal erschwert.

Synthesizer Thor mit filigraner Optik

Synthesizer Thor mit filigraner Optik

Loops und Transienten

Propellerheads Loop-Format „REX“ ist der Vorläufer von Apple-Loops und ähnlichen Formaten, die heute ebenfalls eine Technologie benutzen, bei der Audio in „slices“ zerschnitten wird, die sich ohne Verlust an Soundqualität „dehnen“ oder „stauchen“ lassen. Dieses Verfahren ist auch in Reason integriert. Dazu gehört die Transientenerkennung, die bei jeder Audioaufnahme automatisch stattfindet und sogar die Quantisierung des Audiomaterials ermöglicht. Aufgenommenes Audiomaterial lässt sich im REX-Format bouncen und dann als Loop im Loop-Player verwenden.

Synthesizer, Sampler, Loop Player und Drum Machines

Die integrierten Synthesizer bieten tolle Soundmöglichkeiten. Verschiedene Syntheseformen sorgen für eine breite Palette an Klängen. Der Synth „Malström“ verwendet beispielsweise die einzigartige „Graintable“-Synthese eine Mischung aus „Grain“- und „Wavetable“- Klangerzeugung. Die Drum-Machines „Kong“ und „Redrum“ bieten alles, was auf diesem Sektor erfunden wurde und verfügen über tolles Soundfutter, das von Retro bis Dubstep reicht. Sampler, Sample-Player und der raffinierte Loop-Player „Dr. Octo Rex“ dürfen nicht unerwähnt bleiben. Pattern-Sequenzer und Arpeggiator ergänzen die Funktionalität. Ein sehr guter Vocoder gehört ebenfalls zum Lieferumfang.

Drum Machine Kong

Drum Machine Kong

Die Rack-Geräte lassen sich an der Rückseite mit Kabeln verbinden. Bei konsequenter Nutzung dieser Funktion wird Reason zu einem einzigartigen, umfangreichen Modular-Synthesizer. Mit der Tab-Taste wechselt man von der Vorder- zur Rückansicht und zurück. Wenn die Kabel erscheinen, pendeln sie zuerst etwas hin- und her. Ich liebe so etwas!

Geräterückseiten mit Kabelverbindungen

Geräterückseiten mit Kabelverbindungen

Reason für Gesang

Die Comp-Funktion ist besonders für Gesangsaufnahmen interessant. Man kann ohne Unterbrechung beliebig oft einen Abschnitt im Loop aufnehmen, ohne die vorhergehende zu löschen und später den besten Take aussuchen.

Rhythmische Korrekturen sind mit Hilfe der Slice-Marker möglich und „Neptune“ korrigiert die Intonation. „Neptune“ arbeitet nach dem AutoTune-Prinzip, auch der „T-Pain-Effekt“ (früher „Cher-Effekt“) lässt sich erzielen. Die Pitch-Correction arbeitet automatisch, die Tonhöhe kann aber auch durch MIDI-Daten gesteuert werden. Leider gibt es keine Pitch-Korrektur in der Art von Melodyne, wie sie Studio One, Cubase und auch Logic Pro X bieten.

Pitch Correction Tool NepTune

Pitch Correction Tool NepTune

Reason für Gitarre

Wer mit Reason Gitarren aufnimmt, bekommt mit der Version 8 einen besonderen Mehrwert geboten. „Softube Amp“ und „Softube Bass Amp“ gehören jetzt zur Grundausstattung und bringen den vielfach gelobten Sound der Softube Plug-ins mit. Zum Vergleich: Das „Softube Amp Room Bundle“ für VST usw. kostet 222,- EUR.

Guitar Amp und Bass Amp von Softube

Guitar Amp und Bass Amp von Softube

Special effects

Der algorithmische Hall RV7000 gehört mit zu den Besten seiner Art.

Wer Sounds genial verbiegen möchte, bekommt mit Reason reichlich Gelegenheit dazu. Neben den üblichen Verdächtigen wie Echo, Delay, Phaser, Flanger, Chorus usw. gibt es die Spezialisten „Scream“, „Pulveriser Demolition“ und „Automatic Retro Transformer“. Lo-Fi Effekte und Verzerrungen jeder Art können damit erzeugt werden.

Automatic Retro Transformer

Automatic Retro Transformer

Singer-Songwriter-Dirigenten

Um schnell ein Playback für einen Song zu erstellen, eignet sich das Gerät „ID 8 Instrument Device“ mit Drums, Piano, Gitarre und vielen weiteren Klängen. Unter „Orkester Sounds“ findet man gesampelte Blechbläser, Harfe, Mallets, Percussion, Streicher und Holzbläser.

Mixer

Das Mischpult ist einem SSL 9000k Mixer nachempfunden und besitzt die entsprechenden Kanalzüge, Busse und einen Masterbereich. Für das Mastering gibt es einen speziellen EQ, den „Stereo Imager“ sowie einen Mastering Kompressor und einen Maximizer, der auch als Brickwall-Limiter zu verwenden ist. Die Geräte zum Mastern befinden sich beim Programmstart schon im Rack und lassen sich bequem vom Mischpult zuschalten. Jeder Mixer-Kanal hat eine Dynamik- und eine EQ-Sektion. Der Equalizer lässt sich auch über einen Analyser einstellen. Natürlich gibt es Insert-Slots und FX-Sends; die Elemente in jedem Kanalzug sind so zahlreich, dass man selbst auf einem großen Monitor scrollen muss, um jeden Regler zu erreichen. Wie schon beim Rack, kommt hier „Hardware Feeling“ auf.

Das große SSL Mischpult

Das große SSL Mischpult

Reason in der Praxis

Vor einigen Jahren bekam ich im Bundle mit einem Interface von M-Audio das Programm Reason 2.4. Essentials. Ich war sehr angetan davon, habe es aber mit Umstieg auf einen anderen Mac nicht mehr installiert. Version 8 bedeutet da einen Quantensprung. Aus der virtuellen Groove-Box ist eine vollwertige Workstation geworden. Entsprechend groß ist die Anzahl der Funktionen, was auch die 1072-seitige PDF-Anleitung beweist. Trotzdem sind mir die ersten Schritte nicht schwer gefallen und ich habe immer weiter gebastelt, bis Demos für diesen Artikel entstanden sind.

ReWire

Mit dieser Funktion kann man Reason zu einem anderen Programm synchronisieren. Um ReWire zu testen, habe ich Logic Pro X als Host (Master) benutzt und Reason 8 als Slave.  Auch mit dem älteren Logic Pro 9 klappte es sofort. ReWire funktioniert super, man kann sogar mit Cycle-Wiedergabe arbeiten und wahlweise in eines der beiden Programme einspielen.

Ein Tipp für Logic Pro X User:

Während ReWire in Logic Pro 9 anscheinend per Default aktiviert ist (ich hatte das Verfahren bisher noch nie benutzt), muss man es in Logic Pro X einstellen. Der Weg dahin: Logic Pro X -> Einstellungen -> Audio -> Geräte -> ReWire-Verhalten. „Änderungen anwenden“ klicken – danach Neustart.

Das weitere Vorgehen ist in beiden Logic-Versionen gleich: Man erstellt im Mixer unter Optionen einen neuen Aux-Channel-Strip. Dessen Input erlaubt die Auswahl von ReWire als Quelle. Übrigens: Immer zuerst das Host-Programm starten, danach Reason. Am Ende der Session zuerst Reason beenden.

Soundbeispiel 2:  

Ab Min.1:22 habe ich ein paar „Brass-Tupfer“ von Native Instruments Session Horns Pro hinzugefügt, eingespielt in Logic Pro 9.

 

Soweit ein kurzer Überblick. Detaillierte Informationen findet man bei Propellerhead im Internet und dazu zahlreiche Video-Präsentationen.

Fazit:

Propellerhead Reason 8 macht einfach Spaß. Eine Software mit Suchtfaktor, mit der man Ideen entwickeln kann, die aber den Musiker auch auf Ideen bringt. Kaum eine andere DAW läuft so problemlos und geht so schonend mit den Ressourcen des Computers um; Multiprozessor-Support ist dabei selbstverständlich. Der Funktionsumfang ist groß, die mitgelieferten Loops und Samples sind von erstklassiger Qualität und musikalisch inspirierend. Erweiterungen in Form von ReFills und Rack Extensions gibt es reichlich, allerdings haben User von VST- oder AU-Plug-ins eine noch viel größere Auswahl. Dafür ist das Konzept mit dem Rack im Zentrum und dem neuen Drag- and Drop-Browser anders als bei anderen DAWs und gefällt manchem Musiker bestimmt besser. Wer Reason mag, aber auf andere Möglichkeiten nicht verzichten will, kann über ReWire  Cubase, Logic und viele andere Programme mit Reason synchronisieren.

Systemvoraussetzungen:

Mac OS X:

•Intel Mac mit Dual Cores

•4 GB RAM oder mehr

•Mac OS X 10.7 or höher

•Monitor mit mindestens 1280×768 Auflösung

•CoreAudio kompatibles Audio-Interface oder interne Hardware

•Internet Verbindung zum Registrieren und Installieren von Rack Extensions

•MIDI Interface und MIDI Keyboard empfohlen

Windows:

•Intel Pentium oder AMD Opteron mit Dual Cores

•4 GB RAM oder mehr

•Windows 7 or höher

•Monitor mit mindestens 1280×768 Auflösung

•Audio Interface mit ASIO Driver

•Internet Verbindung zum Registrieren und Installieren von Rack Extensions

•MIDI Interface und MIDI Keyboard empfohlen

Preise (Angaben Propellerhead online store 9. Okt. 2014):

Reason 8 Vollversion: €369,-

Upgrade von Version 1 – 7: €127,-

Website des Herstellers:Propellerhead

Reason 8 ist für nur €333,- ohne Versandkosten hier bei Amazon erhältlich. (Stand Nov. 2015)

alpendeich-Redaktionstipp

Meine aktuellen Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

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5 thoughts on “Test: Propellerhead Reason 8

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  4. Anonymous

    Hallo Jürgen, ich hab seit Logic 10.1 (und jetzt auch unter 10.2) und Reason 8.3 unter Yosemite OS extreme Rewire Probleme. Ich nehme an, das hat was mit der Umstellung auf 64Bit zu tun.
    – Der Live Modus funktioniert gar nicht mehr (Aussetzer, obwohl Macbook Retina mit I7 und 16GB Ram)
    Kann also nur noch im Playback Modus arbeiten, was das Einspielen von Rewire Instrumenten aufgrund der hohen Latenz unmöglich macht. Ausserdem kann ich die Timeline in Reason nicht mehr nutzen
    – Zweitens kommt es oft vor, das Reason beim laden des Programms oder bestimmter Songs abbricht „Rewire Audio Engine Host antwortet nicht “
    Bei dir läuft alles chico? Ich verstehe das nicht.

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