Test: IK Multimedia AmpliTube 4

By | 1. November 2015

Eines der Top-Programme für Amp-modeling, virtuelle Effektgeräte, Lautsprecher und Mikrofone jetzt in Version 4!

AmpliTube 4 Plug-in mit dem als "Red Pig" bekannt gewordenen Marshall Amp.

AmpliTube 4 Plug-in mit dem als „Red Pig“ bekannt gewordenen Marshall Amp.

Kurz-Überblick

Was ist AmpliTube?

1. Plug-in

Als Plug-in in der DAW ist AmpliTube ein virtuelles Gitarrenstudio, das Stomp-Effektgeräte, Verstärker, Lautsprecherboxen und Effekt-Racks zur Nachbearbeitung bereitstellt. Ein Gitarrenstimmgerät ist ebenfalls integriert, es gibt ein Noise Gate, Master-Regler und die Preset-Verwaltung.

2. Stand-alone Programm für Mac OS X/Windows. Außerdem gibt es spezielle AmpliTube-Versionen für iOS und Android.

Mit der stand-alone Version lässt sich der Gitarrensound unabhängig von anderer Software bearbeiten. Live-Spiel im Studio oder auf der Bühne ist so möglich. Das Fenster der stand-alone Version besitzt zusätzlich einen Recording-Bereich. Bisher waren es 4, jetzt können bis zu 8 Spuren in AmpliTube aufgenommen werden. Die Aufnahmen lassen sich loopen und in der Tonhöhe oder im Tempo verändern, um beispielsweise nach einem Vorbild zu üben.

Der Button „Custom Shop“ führt bei einer online-Verbindung direkt zum IK-Multimedia-Shop. Die eigene Geräteausstattung lässt sich dadurch innerhalb der Arbeitsumgebung sofort durch neue Module erweitern. Vor einem Kauf lassen sich diese im Demo-Modus ausgiebig ausprobieren.

Die Abbildung zeigt die Signalkette, die sich nach dem Tuner in 2 Stränge aufteilt, die parallel verwendet werden können. Auch im Kopfbereich des Plug-in Fensters ist diese Anordung erkennbar.

2 parallele Stränge von Modulen bilden die Signalkette

2 parallele Stränge von Modulen bilden die Signalkette

Was ist neu in Version 4?

Der Sprung auf eine volle neue Versionsnummer weist schon auf eine Vielzahl von Neuerungen und Verbesserungen hin. Die wichtigsten davon beschreibe ich im Folgenden.

5 neue Amps

Die neuen, Marshall-Modellen aus den 70ern, 80ern und 90ern nachgebildeten Amps, versprechen Realismus auf einem noch höheren Level. Mit einer neuen Technologie wurde die dynamische Interaktion zwischen Power Amp und Lautsprecher nachgebildet, wodurch die Rauheit in den Höhen vermieden wird, die andere Software manchmal mit sich bringt. Vor allem entsteht auch ein besonders realistisches  Spielgefühl für den Gitarristen.

Die Modelle:

  • Marshall JCM800 (Brit 8000)
  • Marshall JCM900 (Brit 9000)
  • Marshall Major (Red Pig)
  • Siver Jubilee (Brit Silver)
  • JMP-1 (Brit Valve-Pre)


Der Amp „Red Pig“ ist oben in der Abbildung zu sehen, hier die vier anderen Modelle:

Amp "Brit 8000"

Amp „Brit 8000“

 

Amp "Brit 9000"

Amp „Brit 9000“

 

Amp "Brit Silver"

Amp „Brit Silver“

 

Amp "Brit Valve Pre-Amp

Amp „Brit Valve Pre-Amp

 

Einige Hörbeispiele. Die Kombinationsmöglichkeiten sind natürlich zu groß, um alle Aspekte zu demonstrieren. Ich habe mich beim ersten Beispiel dafür entschieden, einen kurzen Solo-Part, gespielt mit einer Fender Stratocaster, jeweils mit dem Preset „Lead“ zu verwenden.

Es gibt vier Abschnitte: Brit 8000, Valve Pre-Amp, Red Pig jeweils „pur“ und zuletzt Brit 9000 mit Delay und Reverb und zusammen mit anderen Instrumenten.

 

Cabinets & Speakers

Die Positionierung von Mikrofonen erfolgt jetzt im 3-D-Raum und ermöglicht ein flexibles Experimentieren mit der simulierten Raumakustik durch Mikrofonwahl und Aufstellung. Sechs verschiedene Aufnahmeräume stehen zur Auswahl.

Mixer für Mic Levels, Room Ambience, Direct Signal

In der Mixer-Einstellung lassen sich 2 Mikrofone, das Direktsignal und der Raumanteil flexibel mit Fadern mischen.

Das nächste Hörbeispiel demonstriert den Einfluss verschiedener Räume und  Raumanteile. Eine Abfolge von Power Chords, gespielt mit einer Gibson Les Paul Gitarre, wurde durch den Valve Pre-Amp geschickt, Sound-Preset „Hard Rhythm“. Es gibt drei Abschnitte, hier zunächst in Bildern:

Die Default-Einstellung mit wenig Raum (Raumtyp Studio A).

Studio A wurde als Raum gewählt-

Studio A wurde als Raum gewählt (untere Hälfte rechts, gelb umrandet).

 

Die selbe Einstellung in der Mixer-Ansicht.

Grundeinstellung des Mixers mit Pegelanzeigen

Grundeinstellung des Mixers mit Pegelanzeigen

 

Raumeinstellung „Venue“. Overhead-Mikros weit auseinander. Alle Mikrofone lassen sich positionieren!

Raumeinstellung "Venue", Overhead-Mikros "wide"

Raumeinstellung „Venue“, Overhead-Mikros „wide“

 

Im Hörbeispiel ist zuerst die Grundeinstellung „Studio A“ zu hören, dann diese noch einmal mit mehr Raumanteil und zum Schluss die „Venue“-Einstellung wie in der Abbildung oben. Die Raumanteile sollen natürlich keinen Hall-Effekt ersetzen, es geht nur um den natürlichen Klang einer Gitarrenanlage, die mit Mikrofonen aufgenommen wird, wobei immer Raumanteile mit in den Sound einfließen.

 

Die Möglichkeit, die Mikrofone nach eigenem Geschmack zu positionieren, eröffnet eine noch differenziertere Sound-Gestaltung.

Nicht nur Cabinets, also Lautsprecherboxen, lassen sich jedem Amp nun frei zuordnen, auch die Lautsprecher selbst können ausgewählt werden. Ohne einen Schraubenzieher in die Hand zu nehmen, kann beispielsweise der Typ „Vintage 30“ gegen das Modell „Greenback“ getauscht werden. Es wird nicht nur der typische Klang eines Lautsprechers nachgebildet, sondern auch die harmonische Interaktion, die beim Zusammenklang unterschiedlicher Modelle entsteht.

Die Menü-Punkte „Cabinets“, „Speakers“ und „Mics“ werden in der folgenden Abbildung dargestellt:

Umschalten mit den Icons für cabinets, speakers, mics, rooms, mixer

Umschalten mit den Icons für cabinets, speakers, mics, rooms, mixer

 

Kreatives Effekt-Routing

Bisher war es möglich, den Sound pro Kanal vor dem Amp mit Stomp-Effekten zu bearbeiten und am Ende der Kette von Stomp-Amp-Cabinet zusätzlich mit  4 Rack-Effekten, wie Compressor, Delay, Reverb, EQ. In AmpliTube 4 gibt es einen neuen Insert-Slot zwischen Preamp und Poweramp. Hier lassen sich bis zu 4 hintereinander geschaltete Rack- oder Stomp-Effekte einschleifen. Zusätzlich lässt sich jetzt jeder Effekt, egal ob Stomp oder Rack, an beliebiger Stelle in der Signalkette verwenden.

Das Effekt-Rack

Das Effekt-Rack

 

Acoustic Simulator

Im Design eines Stomp-Pedals erscheint der neue Acoustic Simulator. Mit diesem Effekt soll der Sound jeder E-Gitarre zum Klang einer Akustikgitarre werden. Drei verschiedene Korpus-Typen und Holzarten für die Gitarren-Decke lassen sich wählen und ihre typischen Eigenschaften ineinander überblenden.

Stomp-Effekt "Acoustic Simulator"

Stomp-Effekt „Acoustic Simulator“

Im Hörbeispiel erklingt eine Fender Telecaster, zunächst Line-In, ohne jede Amp-Simulation, dann mit eingeschaltetem „Acoustic Sim“ Stomp-Effekt. Das Ergebnis finde ich nicht sehr überzeugend; sicher hängt es aber auch von der Spielweise ab.

 

Ultra Tuner

Der aus früheren AmpliTube Versionen bekannte Tuner blieb erhalten, sodass man sich nicht unbedingt umgewöhnen muss. Mehr bietet allerdings der neue Ultra Tuner, der die Stimmung auf 1/100stel Cent genau anzeigt und neue Features enthält.

Der neue Ultra-Tuner

Der neue Ultra-Tuner

 

Sonderfunktionen der stand-alone Version

4-Spur Looper

Ein zusätzliches Tool zur Aufnahme von Gitarrenparts ist der Looper. Jede der vier Spuren besitzt eine Lautstärke- und Panoramareglung. Loop 1 bestimmt die Dauer, nach der sich 2, 3 und 4 richten. Der Looper lässt sich sowohl mit Mausklicks, als auch über MIDI mit einem Fußpedal bedienen.  Das musikalische Ergebnis kann als Audiofile gespeichert werden und anschließend zur Weiterbearbeitung in die DAW-Sektion von AmpliTube 4 oder in ein anderes Programm importiert werden.

Der Looper

Der Looper


8-Spur DAW

Auch AmpliTube 3 hatte schon eine Recording-Funktion. Mit der Version 4 wird daraus eine 8-Spur-Audio-Workstation. Zumindest für Skizzen und Vorproduktionen reicht der Funktionsumfang völlig aus. Für jede Spur gibt es eine Klangreglung mit Einstellungen für Treble, Middle und Bass und einen Panoramaregler. Schalter für FX, Record, Mute und Solo sind vorhanden. Die Tracks lassen sich loopen und insgesamt in Tonhöhe und/oder Wiedergabegeschwindigkeit verändern. Zu Übungszwecken lässt sich jede beliebige Audiodatei in das DAW-Fenster ziehen. Schwierige Passagen lassen sich loopen, in eine leichter zu spielende Tonart bringen oder verlangsamt abspielen.

Der Recorder, eine einfache 8-Track-DAW

Der Recorder, eine einfache 8-Track-DAW

 

Ausstattung

Wie schon am Anfang erwähnt, besitzt das AmpliTube-Universum einen gewaltigen Umfang. Da macht es Sinn, mit einer Grundausstattung zu beginnen, und nach und nach zusätzliche Geräte per Custom Shop zu erwerben.

AmpliTube 4 enthält folgende Ausstattung:

• 10 Stompbox Models – Acoustic Sim, Chorus, Flanger, Opto Tremolo, Delay, Wah Pedal, Diode Overdrive, Compressor, Graphic EQ, Volume Pedal (steuerbar durch externe Controller)

• 9 Amplifiers – 5 Classic British Amps: Brit 8000, Brit 9000, Red Pig, Brit Silver and Brit Valve Pre, plus American Tube Clean 1, American Tube Clean 2, British Tube Lead 1, Solid State Bass Preamp

• 10 Cabinets – 4×12 Brit 8000, 4×12 Brit 9000, 4×12 Red Pig, 4×12 Brit Silver, 4×12 Brit 30, 4×10 Open Vintage, 1×12 Open Vintage, 2×12 Closed Vintage, 4×12 Closed Vintage 1, 1×15 Bass Vintage

• 29 vintage and modern individual speaker models

• 3 Microphones – Dynamic 57, Condenser 414, Condenser 87

• 2 Rack Effects Units – Digital Delay & Parametric EQ

• 2 Tuners – UltraTuner und chromatischer Rack-Tuner

 

Eine Liste aller zusätzlich im Custom-Shop verfügbaren Geräte (Auf der Website nach unten scrollen) hier…

Fazit

Mit der Version 4 von AmpliTube behauptet IK Multimedia weiter einen Spitzenplatz unter den Herstellern von Gitarren-Software. Als AmpliTube vor 13 Jahren auf den Markt kam, gehörte das Programm zu den ersten Amp-Simulationen am Computer. Die stetige Weiterentwicklung hat dafür gesorgt, dass Erfahrung und Innovationen zu einem Produkt geführt haben, das meiner Meinung nach eine vollwertige Alternative zur „echten“ Aufnahme einer Gitarrenanlage mit Mikrofonen ist. Auch das Spielgefühl für den Gitarristen wurde durch dynamisches Reagieren des Programms auf den Saitenanschlag optimiert. Die Grundausstattung ist gut, die Erweiterungsmöglichkeiten sind riesig.

Systemvoraussetzungen:

AmpliTube 4 läuft auf 64-Bit Mac- und Windows-Systemen.

Mac:

• Minimal: Intel® Core 2 Duo, 2 GB of RAM, Mac OS X 10.7 or later.

• Supported Plug-in formats (64-bit): Audio Units, VST 2, VST 3, AAX

Windows:

• Minimal: Intel® Core 2 Duo or AMD Athlon 64 X2, 2GB of RAM, Windows® 7,

• Windows® 8 or Windows® 10. Requires an ASIO compatible sound card.

• Supported Plug-in formats (64-bit): VST 2, VST 3, AAX.

Preis: €99,99

Hersteller: IK Multimedia

alpendeich-Redaktionstipp

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7 thoughts on “Test: IK Multimedia AmpliTube 4

  1. petermmahr

    Schöner Testbericht. Ich vermute besonders Jörn wird vermutlich nicht sehr glücklich sein. 🙂

    Was man da hört ist aber schon von beeindruckender Qualität. Ich fürchte ich müsste mich selbst ziemlich disziplinieren um nicht die Zeit mit dem Austesten der ganzen Möglichkeiten, wie z.B. der unterschiedlichen Räume, Speaker, Abhörpositionen, Effekte, etc. zu verbringen. Aber der Hammer ist der Preis, vor allem wenn man sich überlegt wie viel Zeit man als Anfänger wohl damit verbringen müsste um alleine den tontechnischen Teil in zumindest ähnlicher Qualität hinzubekommen. Und da sprechen wir noch nicht von den Spieltechniken.

    Reply
  2. Jürgen Drogies Post author

    Hallo Peter,
    ja, das sind tolle Möglichkeiten. Man muss es am besten selbst ausprobieren, deshalb habe ich auch nur wenige Soundbeispiele gebracht. Selbst schrauben ist anders, als „vorgeschraubt“ zu bekommen. 🙂
    PS.:
    Jörn weiß schon, das ich jetzt auch wieder Konzertgitarre übe. Wir haben neulich festgestellt, dass wir sogar das gleiche Notenbuch besitzen: „Leichte Stücke aus Shakespeares Zeit“.

    Reply
  3. Jörn

    Hi Jürgen und Peter,

    die Konzertgitarre ist tatsächlich eher mein Ding. So gesehen habe ich diesen Test zwar erfreut registriert, aber nicht als meine Baustelle gesehen. Momentan kann ich nur leider nicht spielen, da mit der Fingernagel vom Zeigefinder abgebrochen ist. Das bedeutet dann immer einige Wochen Spielpause. Sehr ärgerlich.

    Jörn

    Reply
  4. Anonymous

    Fällt einem was auf? Wie schnell sich die Digitale Welt entwickelt? Ich bin 29, mit 18 also vor 11 jahren, was noch gar net so lang her ist. Hab ich angefangen mich für Homerecording zu interessieren. Damals hieß es noch unter 5000euro bräucht ich gar net anfangen mirn Studio einzurichten. Heute reichen n paar Abhörmonitore, etwas ahnung von der Materie, nen ordentlichen Computer mit RAM und FREEWARE PLUGINS um ein Ordentlichen Mix zu Produzieren. Jaaaaa natürlich gehört noch einiges mehr dazu. Aber einfach nur mal um festzustellen wie rasend sich das entwickelt. Ich wollt mir als für meine gritarre nen röhrenpreamp besorgen um wirklich nen Orginalen röhren lead sound alla Pink Floyd zu zaubern. Jetz test ich erstmal in Ruhe amplitube 4 oder ich wart noch ne woche bis die neue technik draussen ist. Ob Software, Hardware ersetzen wird, dazu will ich jetz mal keine Meinung abgeben.

    Reply
  5. Paul

    Hallo Jürgen,

    ich wollte mal fragen ob man unbedingt die Komplette Fender Collection 2 kaufen muss, um mit Fender Amps zu spielen, oder kann man auch einzeln von Custom Shop erwerben?

    Schöne Grüße, Paul

    Reply
    1. Jürgen Drogies Post author

      Hallo Paul,
      die Amps gibt es auch einzeln im Custom Shop. Die meisten für je €34.99 und einige für nur €9.99.
      Viele Grüße, Jürgen

      Reply

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