Test: IK Multimedia Fender Collection 2

By | 13. Januar 2017

IK Multimedia ergänzt die Fender Collection für AmpliTube 4 mit der Collection 2. Das Bundle enthält jeweils 7 von Fender offiziell lizensierte Modelle von Amps und Cabinets, die auch einzeln erworben werden können.

Legendäre Röhren-Amps von Fender

IK Multimedia gehört zu den Pionieren des Amp-Modeling. Inzwischen ist man seit über 20 Jahren dabei. Durch Erfahrung und immer leistungsfähigere Rechner war es möglich, die Software-Emulationen immer realistischer klingen zu lassen. Bei der Fender Collection 2 kam das neueste Verfahren „Dynamic Interaction Modeling“ zum Einsatz. Durch die Nachbildung des Verhaltens aller Komponenten der Schaltkreise in Interaktion zueinander entsteht ein non-linearer, dynamischer Sound. – Das habe ich frei aus der englischen Beschreibung übersetzt, mein persönlicher Eindruck ist, dass es auch zutrifft. Ich besitze zum Vergleich einen echten Fender-Amp (Bandmaster von ca. 1972), der nicht ganz so alt ist, wie die Modelle der Fender Collection 2, aber auch clean sehr schön klingt und mit zunehmender Lautstärke die typische Röhrenverzerrung erzeugt.

Die IK Multimedia Fender Collection 2

 

Tweed und mehr

Sieben Verstärker und sieben passende Lautsprecherboxen gehören zur Fender Collection 2. Die Vorbilder sind Originale und re-issues der Modelle, die 1953, 1957 und 1965 erschienen sind. Ich lese immer wieder davon, dass Gitarristen im Studio, wo es nicht auf Lautstärke ankommt, gern alte Fender-Amps spielen. Da kann es auch mal ein ’57 Custom Deluxe mit nur 12 Watt Leistung sein.

Eine Besonderheit bietet der älteste Amp in der Sammlung. Beim ’53 Bassman, dem ersten Bassverstärker, den Fender auf den Markt gebracht hat, gibt es bei der gemodelten Version einem „aging“ Schalter. Damit lässt sich auswählen, ob der Amp „wie neu“ oder über die Jahre abgenutzt klingen soll.

IK Multimedia Fender Collection 2 Gear

’57 Custom Twin-Amp

’57 Custom Pro-Amp

’57 Custom Deluxe

’57 Custom Champ

’57 Custom Bandmaster

’53 Bassman

’65 Super Reverb

Weil es sich bei allen Geräten um „all in one“ Equipment handelt, gehören die entsprechenden Lautsprecher ebenfalls zur Collection. Bis auf den ’65 Super Reverb (Blackface) sind die Bedienelemente auf der Oberseite. Entsprechend zeigt auch die Plug-in Grafik die Top-Ansicht der Verstärker.

 

„Zeitreise“ heute/1953

 

Beim ’53 Bassman zeigt die Grafik besonders deutlich, dass es sich um einen Vintage-Amp handelt. Wenn man von NEW (oben) auf WORN OUT umschaltet, ändert sich auch das Bild!

 

Bedienung

Wie beim Original gibt es hier nur wenig einzustellen. Während der ’57 Custom Champ über keine Klangregelung verfügt, besitzen andere Modelle Regler für Presence, Bass, Treble und ein oder 2 Volume-Regler. Der ’65 Super Reverb hat einen eingebauten Hall-Effekt. Die meisten Amps haben 2 Inputs, die sich per Mausklick mit einem virtuellen Kabel koppeln lassen. Um das Klangspektrum zu erweitern, sind einige der sinnvollen und gut klingenden Presets mit Stomp-Pedals wie Graphic-EQ, Compressor, Overdrive oder mit Modulations-Effekten ausgestattet. Hinzu kommen die übergreifenden Möglichkeiten zur Klanggestaltung von AmpliTube 4.

 

IK Multimedia AmpliTube 4

AmpliTube 4 sorgt zusätzlich mit Raumsimulation, Mikrofon- und individueller Lautsprecherauswahl sowie integriertem Mischpult für 2 Mikros und Raumanteil dafür, dass sich die Gitarrenaufnahme mit dem Computer realistisch anhört. Auch die kostenlose Version AmpliTube Custom Shop besitzt diese Features und lässt sich bei Bedarf mit Collections oder einzelnen Geräten (Amps, Cabinets, Stomp Boxes, Rack Effects) aufrüsten.

 

Hörbeispiele

Für die folgenden Audiobeispiele habe ich nur Einstellungen ohne zusätzliche Pedal- oder Rack-Effekte benutzt. Etwas Hall und Summenkompression wurde verwendet sowie die IK Multimedia Lurssen Mastering Console mit der niedrigsten Einstellung, um die Lautstärke der Demos aneinander anzugleichen.

Zuerst habe ich den den ’57 Custom Deluxe verwendet und während die Tonleiter gespielt wird, den Input-Regler in die Sättigung gedreht:

 

Der ’53 Bassman besitzt den „aging-switch“, der einen kleinen, aber hörbaren Unterschied macht. Zuerst die Stellung WORN OUT, dann NEW:

 

Der ’57 Custom Champ mit weitgehend unverzerrtem Sound, erst beim Schlussakkord wird die Röhrensättigung etwas hörbar.

 

Mehr Distortion geht aber auch, der ’57 Custom Twin voll aufgedreht:

 

Um zu demonstrieren, wie unterschiedlich die Amps klingen können, habe ich 2 kurze Blues-Demos eingespielt, die immer in der gleichen Reihenfolge nacheinander zu hören sind. Es gibt 5 Spuren: Drums, 2 Rhythmusgitarren, Bass (IK Multimedia MODO BASS) und Sologitarre. Damit man hören kann, dass über die virtuellen Amps auch der Grundcharakter der jeweiligen Gitarre und  der verschiedenen Pickups erhalten bleibt, wurde das erste Demo mit einer Gibson Gitarre und das zweite mit einer Fender Stratocaster gespielt. Zwischen den Phrasen habe ich leise Fill-ins eingefügt, um zu zeigen, wie dynamisch die Software auf die Anschlagstärke reagiert.

Die Abbildungen zeigen jeweils den verwendeten Amp und seine Einstellungen.

Blues 1

Für beide Abschnitte wurde der ’57 Custom Deluxe benutzt, der Sound-Unterschied entsteht nur durch die Gitarren und Pickups.

 

’57 Custom Deluxe

 

 

Blues 2

Hier wurde für beide Abschnitte der ’57 Custom Twin benutzt, der Sound-Unterschied entsteht nur durch die Gitarren und Pickups.

 

’57 Custom Twin

 

 

Blues 3

Die selben Einspielungen wie bei den anderen Beispielen, aber unterschiedliche Amps. Im ersten Teil ’57 Custom Bandmaster und im zweiten ’65 Super Reverb mit internem Feder-Hall.

 

’57 Bandmaster

’65 Super Reverb Blackface

 

 

 

Fazit

IK Multimedia Fender Collection 2 bietet eine reichhaltige Palette an Vintage-Sounds in bester Qualität. Eigentlich vertrete ich die Meinung, dass es wichtiger ist, dass ein Sound an sich toll klingt, als eine realistische Reproduktion des Vorbilds zu sein. Bei dieser Collection, die in Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von Fender entstanden ist, kommt beides zusammen.

Als Fan der Fender Sounds braucht man sicher die ganze Collection, es besteht aber auch die Möglichkeit, über den IK Multimedia Custom Shop nur einzelne Komponenten online zu kaufen. Einzelne Amps kosten dort 35 Credits, die passenden Lautsprecher 10 Credits. 1 Credit entspricht etwa einem Euro, wobei es günstiger wird, wenn man Guthaben ab €160,- erwirbt. (Stand Januar 2017). Wie bei anderen IK-Multimedia-Produkten, gibt es auch für die Fender Collection 2 eine Demo-Version zum Ausprobieren. Empfehlenswert!

Noch mehr Infos, Sound-Demos und Video hier beim Hersteller.

Systemanforderungen und mein ausführlicher Test zu AmpliTube 4 hier…

Hersteller: IK Multimedia

Preis: €118,99

(Preisangabe ohne Gewähr, entspricht dem Stand vom 03.01.2017 und wurde online ermittelt.)

Bitte auch Bundle-Preise und Sonder-Aktionen beachten!

 

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