Test: IK Multimedia T-RackS CS

By | 23. Dezember 2012

 

Mit T-RackS CS bringt IK Multimedia ein umfangreiches Update der bekannten Audiobearbeitungs- und Mastering-Software auf den Markt. Das neue Custom-Shop-Konzept, fünf neue und zwei überarbeitete Module sind der Anlass für diesen Testbericht.

IK Multimedia T-RackS – Überblick

Wie in einem Rack lassen sich in der T-RackS Shell die Software-Module in wählbarer Anzahl und Reihenfolge kombinieren. Als „Singles“ sind Module auch einzeln als Plug-ins verwendbar. Außerhalb eines Host-Programms, im Standalone-Modus, ist T-RackS ein vollwertiges Mastering Programm. Neben der Bearbeitung von Stereosignalen auf übliche Art und Weise ist auch die M/S-Bearbeitung möglich. Es lassen sich dabei für das Mitten-Signal (M), das alle Signale umfasst, die links und rechts gleich laut sind und deshalb in der Stereomitte erscheinen und das Seiten-Signal (S) unterschiedliche Werte einstellen.

Der Custom Shop

 

Der neue T-RackS Custom Shop bietet die Möglichkeit, mit einem kleinen Set-up zu beginnen. Mit der kostenlosen Grundausstattung T-RackS CS FREE erhält man zwei voll funktionsfähige Module: Classic EQ und Metering. Ist der Computer mit dem Internet verbunden, kann man jederzeit – auch mitten im Arbeitsablauf – Module dazu laden. Das geht sehr schnell und man kann zwei Tage lang uneingeschränkt damit im Demo-Modus arbeiten, bevor man sich entscheiden muss, ob man die Software behält (und bezahlt) oder nicht. Falls die Entscheidung erst einmal vertagt werden soll, ist auch das möglich. 14 Tage nach dem ersten Ausprobieren gibt es noch einmal 48 Stunden für einen neuen Test. Preisliche Vorteile ergeben sich, wenn man ein Bundle kauft, das gilt auch für Upgrades. Dieser Test bezieht sich auf die Version T-RackS Grand mit 16 Modulen.

Hat man den Custom Shop erst einmal auf dem Monitor, kann man übrigens mit einem Klick zum AmpliTube Custom Shop wechseln, wo Gitarristen nach dem gleichen Prinzip ihr virtuelles Equipment erweitern können.

T-RackS Grand – die Module

  • British Channel (neu)
  • Black 76 Limiting Amplifier (verbessert)
  • White 2A Leveling Amplifier (verbessert)
  • Vintage Tube Compressor/Limiter Model 670
  • Quad Comp Multiband Compressor (neu)
  • Quad Lim Multiband Limiter (neu)
  • Quad Image (neu)
  • De-Esser (neu)
  • Vintage Tube Program Equalizer
  • Opto Compressor
  • Brickwall Limiter
  • Linear Phase Equalizer
  • Classic T-RackS Compressor
  • Classic T-RackS Multiband Limiter
  • Classic T-RackS Clipper
  • Classic T-RackS Equalizer

Auch die Classik-Reverb Module von IK Multimedia lassen sich jetzt in die T-RackS Shell integrieren, sie gehören aber nicht zum Lieferumfang von „Grand“.

Um alle Module zu erklären, müsste man ein Buch schreiben, und tatsächlich gibt es das schon! „Mixing and Mastering with IK Multimedia T-RackS: The Official Guide” von Bobby Owsinski. In der bisherigen Auflage werden aber noch nicht die im Dezember 2012 neu erschienenen Module behandelt.

Über die früheren T-RackS Versionen gibt es zahlreiche Testberichte, auch im Internet. Ich stelle hier die Neuheiten 2012 vor, mit einem kurzen Anhang zu den Einsatzmöglichkeiten von T-RackS CS beim Mastering.

Soundbeispiele

Die Klangbeispiele sind nach Möglichkeit praxisorientiert gewählt. T-Racks CS ist nicht dazu gemacht, um abgedrehte Lo-Fi Effekte zu erzeugen, sondern um den Klang zu veredeln. Manchmal resultiert das in subtilen Soundveränderungen, die man über den Lautsprecher eines Laptops wenn überhaupt, nur schwer wahrnehmen kann. Jedes Beispiel enthält zwei Abschnitte, im ersten Teil ist das jeweilige Plug-in aus- und im zweiten Teil eingeschaltet.

Die Soundbeispiele wurden mit Logic Pro 9 im 64-Bit Modus erstellt. Spuren und Instrumente:

Drums (Spitfire Drumkit, free download)

Bass (Scarbee Pre Bass)

Piano (NI Alicia’s Keys)

Pad 1 (Waldorf PPG Wave V.3)

Pad 2 (NI Absynth)

Violins (NI Session Strings).

 

British Channel – verschönt den Sound

 

Wie üblich wird kein Markenname genannt, aber es ist unschwer zu erkennen, dass der Kanalzug eines SSL-Pults als Vorbild gedient hat. Man findet hier einen 4-Band Equalizer, zusätzliche Low- und Highpassfilter, eine Gate/Expander-Funktion und einen Compressor. Außerdem gibt es einen Umschalter zwischen den Charakteristiken „Brown“ und „Black“. Es handelt sich dabei um die Simulation verschiedener Schaltkreise mit jeweils eigenem Soundcharakter, die in den EQs der SSL-Pulte verbaut worden sind.

Der Bass wurde im zweiten Abschnitt mit EQ und Kompressor des British Channel bearbeitet:

 

Quad Comp – verdichtet den Sound

 

Der Quad Comp ist ein Multibandkompressor mit vier variablen Frequenzbändern. Jeder der vier Bereiche lässt sich unabhängig komprimieren. Zwei Beispiele: Will man vermeiden, dass ein stark komprimierter Bass das ganze Playback zum „Pumpen“ bringt, nimmt man den Bassbereich von der Kompression aus. Sollen die Höhen betont werden, ohne dass ein EQ benutzt wird, kann man die hohen Frequenzen kräftig komprimieren, so dass auch die leisen Höhenanteile relativ verstärkt werden, denn gleichzeitig hebt man das betreffende Frequenzband in der Lautstärke an.

Das Prinzip ist nicht neu, aber neben einem guten Sound spielt auch die übersichtliche Bedienbarkeit eine Rolle. Beides ist hier gegeben. Die Grafik ist sehr gut gegliedert und ansprechend gestaltet. Die Art der Kompression orientiert sich am Prinzip eines optischen Kompressors, der nicht aggressiv sondern weich und gleichmäßig arbeitet. Die schnellste Attackzeit  beträgt 0,1 ms, optimal um die Transienten perkussiver Klänge zu betonen.

Bis zu vier Frequenzbänder lassen sich aktivieren, ihre Grenzen kann man mit der Maus verschieben. Knotenpunkte, die sich ebenfalls bewegen lassen, bestimmen die Form einer kurvenförmigen Linie; nach oben verschoben wird der jeweilige Bereich lauter, nach unten leiser. Wenn man in das „Frequency“-Fenster hinein klickt, wird jeweils ein Frequenzband ausgewählt und damit aktiviert, die Einstellungen der Drehknöpfe unter dem Display wirken sich dann auf diesen Frequenzbereich aus. Mit „Link Bands“ lassen sich die Einstellungen für alle Bänder auch gleichzeitig ändern, trotzdem lässt sich dann die Lautstärke noch individuell über die Knotenpunkte im Display bestimmen.

Rechts neben dem Frequenzdisplay zeigen im Stereobetrieb vier LED-Ketten den erzielten Effekt an (Gain Reduction). Im M/S-Modus sind es entsprechend zwei Anzeigen, Rot für das Mittensignal und Grau für das Seitensignal. „OUT“ repräsentiert mit zwei LED-Balken den Stereo-Ausgangspegel, der sich mit einem gemeinsamen Fader rechts daneben regeln lässt.

Der Quad Comp Multibandkompressor im Submix-Kanal der Drums:

 

Quad Lim – der Lautmacher

 

Auch hier handelt sich um ein Modul, das den Frequenzbereich in bis zu vier Abschnitte splitten und getrennt bearbeiten kann. Die Bedienung erfolgt grundsätzlich wie beim zuvor beschriebenen Modul. Im Gegensatz zum Kompressor beträgt die schnellste Attackzeit 0,05 ms, schnell genug um alle Transienten „abzufangen“, wenn man es wünscht. Der Button „Brickwall“ aktiviert einen Limiter, der vor dem Output Übersteuerungen verhindert. Je härter man den Limiter „anfährt“, desto mehr Lautheit wird erzielt.

Eigentlich schon ein Beispiel fürs Mastering. Die Einzelspuren enthalten diverse EQs und Kompressoren, in der Stereos-Summe arbeitet der Quad Lim Multiband-Limiter. Die Spitzenpegel des ersten und des zweiten Abschnitts sind übrigens gleich:

 

Quad Image – Cinemascope: Großes Kino

 

Besonders interessant finde ich dieses Modul, das ebenfalls mit 4-Bandern arbeitet, aber ganz neue Möglichkeiten bietet. Man kann hier den Stereoeindruck einer Mischung verändern, aber nicht nur insgesamt, sondern für jedes Frequenzband getrennt. Zumeist wird man die Absicht haben, einen breiteren Stereoeindruck zu erzeugen. Im Gegensatz zu manchen anderen Software- und Hardwarelösungen entstehen keine Phasenauslöschungen und die Mono-Kompatibilität bleibt erhalten.

Die vier halbkreisförmigen „Radarschirme“ am unteren Rand des Hauptdisplays zeigen die Stereobreite und die Lautstärke des jeweiligen Frequenzbands an, einstellbar jeweils mit den Drehknöpfen „Width“ und „Gain“.

Der Stereoeindruck wird im zweiten Abschnitt durch Quad Image verstärkt, kommt besonders gut über Kopfhörer:

 

De-Esser – bändigt Zischlaute

 

Wer menschliche Stimmen aufnimmt, egal ob Sprache oder Gesang, kennt das Problem. Man möchte, dass die Stimme präsent und seidig in den Höhen klingt. Ein Sologesang soll zusätzlich noch „druckvoll“ sein, also wird er kräftig komprimiert. An und für sich harmlose s-Laute fangen unangenehm an zu zischen. Ein De-Esser regelt genau diese Frequenzen in der Lautstärke herunter, und zwar nur dann, wenn sie auftreten. Der Sound der Aufnahme wird also nicht insgesamt dumpfer, wie das beim Einsatz eines EQs passieren könnte.

Der T-RackS De-Esser besitzt zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten um seine Aufgabe zu erfüllen. Bei schwierigem Material lassen sich äußerst präzise Einstellungen vornehmen, so dass jedes Problem lösbar sein sollte.

Das Display zeigt nur den Frequenbereich von 1 kHz bis 13 kHz an, weil dieser für den De-Essing Prozess relevant ist. Das bearbeitete Frequenzband lässt sich auch Solo abhören. Der Bearbeitung lässt sich mit der Taste „Soft“ ein weicherer Charkter verleihen.

Metering and Mastering

 

Beim Mischen und Mastern sind optische Kontrollen eine wichtige Hilfe. Die T-RackS Metering-Sektion bietet in kompakter Darstellung alles was nötig ist. Auf der linken Seite sieht man oben das Peak-Meter mit Hold- und Over-Anzeigen. Darunter ein ebenso großes Display für die wahrgenommene Lautstärke (perceived loudness) und den RMS-Pegel. Eine Besonderheit stellt die grün/rote Linie in der Mitte des Displays dar. Wenn der Pegel die grüne Linie erreicht, klingt der Mix „richtig laut“, sobald man in den roten Bereich kommt, besteht die Gefahr einer unschönen Überkomprimierung. Die Position der Linie lässt sich über ein Dropdown-Menü verändern und damit an unterschiedliche Musikstile anpassen.

Rechts neben den Pegelanzeigen sind die Displays „Phase“ und „Correlation“, sie zeigen an, ob die Stereoverteilung im Mix fehlerfrei ist, also keine Phasenauslöschungen vorhanden sind. Ganz rechts zeigt der „Spectrum Analyser“ die Pegel der Frequenzbänder im 1/6tel Oktavabstand von 20 Hz bis 20 kHz an.

Die Funktionsbereiche und Wirkungsweisen der Anzeigen lassen sich auf Wunsch zusätzlich über Menüs einstellen.

 

DAW Mastering

 

Ein Sequenzer-Programm, mit dem man seine Musik aufnimmt und mischt, eignet sich prinzipiell auch zum Mastering. Als Plug-in in der Stereosumme kann T-RackS diese Aufgabe übernehmen. Bis zu 12 Module lassen sich in der T-RackS Shell in verschiedener Weise parallel und/oder seriell verketten. Die Compare-Funktion mit eigenem Volume-Regler erlaubt jederzeit den Vergleich zwischen bearbeitetem und unbearbeitetem Signal bei angepasster Lautstärke. Mit den Buttons A,B,C,D kann man zwischen vier Konfigurationen hin- und herschalten. Eigene Einstellungen lassen sich speichern und in anderen Projekten weiter verwenden. Für die Mastering-Ketten gibt es zahlreiche Presets, welche Konfigurationen bieten, die entweder gleich passen oder sich den eigenen Vorstellungen anpassen lassen. Hat man ein solches Preset geladen, lassen sich für jedes einzelne verwendete Modul ebenfalls Presets laden und speichern. Die Abbildung oben zeigt keine empfohlene Anordnung sondern dient nur der Veranschaulichung der Möglichkeiten. In der Praxis ist weniger oft mehr.

Nimmt man das Mastering in dieser Weise vor, darf man T-RackS, oder auch jede andere entsprechend leistungsfähige Software, erst ganz zum Schluss einsetzen, wenn man nichts mehr einspielen will. Damit vermeidet man Latenz-Probleme, die beim reinen Mastering nicht mehr von Bedeutung sind. Um T-RackS auch schon vor der Endbearbeitung einsetzen zu können, gibt es drei verschiedene Latenz-Einstellungen, die 128, 2304 oder 19684 Samples Verzögerung bewirken. Vor dem endgültigen Stereo-Bouncing sollte man auf eine höhere Stufe umschalten, jedoch ist die höchste Latenz nur von Vorteil, wenn der Linear Phase Equalizer mit im Spiel ist.

Im folgenden Beispiel wurden bereits im ersten Abschnitt für jede Spur T-RackS-Module mit moderaten Einstellungen verwendet. Im zweiten Abschnitt bearbeitet das T-RackS CS Mastering Preset „Slamming Master“, ergänzt um das Modul Quad Image, die Summe:

 

T-RackS als standalone Mastering Programm

Standalone ist IK Multimedia T-RackS CS ein vollwertiges Mastering-Programm.

T-RackS ist außerhalb eines Host-Programms  eine vollwertige Mastering Software. Fertig gemischte Songs lassen sich für eine CD-oder andere Veröffentlichung zusammenstellen; alle Bearbeitungs- und Metering-Werkzeuge stehen dafür zur Verfügung. Das fertige Master einer CD kann in einem Vorgang erstellt werden. Auch die Raumakustik-Optimierungs-Software ARC 2 (Testbericht hier) kann mit eingesetzt werden.

Fazit

Die neuen Module und die Möglichkeit, im Custom Shop Ergänzungen zu testen und zu erwerben, machen IK Multimedia T-RackS noch wertvoller als bisher. Alles funktioniert reibungslos im 32-Bit wie im 64-Bit Modus an Mac und PC. Die Klangqualität ist erstklassig, die Bedienung übersichtlich, die Funktionsvielfalt beeindruckend. Den Alpendeich-Award vergebe ich für das gesamte Paket, nicht nur für die neuen Module.

alpendeich-Redaktionstipp

 

Im April 2013 hat IK Multimedia weitere T-RackS-Module herausgebracht, meinen Testbericht dazu findet man hier!

 

Systemanforderungen

Mac und Windows kompatibel, unterstützt jeweils auch 64-Bit Modus.

Plug-in Formate

VST, RTAS, AU

Preise

T-RackS CS Grand (16 Module) € 319,99

T-RackS CS Deluxe (9 Module) € 159,99

T-RackS CS Classic (4 Module) € 59,99

Update-Preise von der jeweiligen Vorgängerversion sind bis zum 7. Januar 2013 um 50% ermäßigt. Die aktuelle Preise findet man auf der Website von IK Multimedia.

Website des Herstellers: IK MULTIMEDIA

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

6 thoughts on “Test: IK Multimedia T-RackS CS

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  5. Frank Ramrath

    Danke für den tollen Artikel. Da es die Software momentan bei einer Musik-Zeitschrift als Neu-Abonnenten Bonus Gratis (T-RackS CS Deluxe (9 Module) gibt werde ich wohl zu schlagen.
    Zeitschrift und Software für 59.- € ist ja ein Schnäpchen. Da freut sich der Beat. 🙂

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