Test: IK Multimedia T-RackS Saturator X

By | 9. Juni 2016

Analoges Equipment hat den Ruf schönere Sounds zu erzeugen als reine Digitaltechnik. Mit dem Saturator X lässt sich digitalen Aufnahmen in vielfältiger Weise analoger Charakter hinzufügen.

Changes

Es war einmal vor langer Zeit in einem Tonstudio, da ärgerte man sich darüber, dass die Aufnahmen nicht genauso klangen wie die Musik vor den Mikrofonen. Man achtete genau darauf, Tonbänder nicht zu übersteuern und die Hersteller von Studiogeräten arbeiteten daran, Verzerrungen im Signalweg so weit wie möglich zu reduzieren. Bandmaschinen mussten regelmäßig eingemessen werden und Systeme von Dolby und DBX unterdrückten das lästige Rauschen.

Mit der Digitaltechnik verschwand das Bandrauschen und keiner vermisste es. Aber es verschwand noch mehr. Der Klangcharakter geliebter analoger Röhren- und Transistor-Geräte – genau genommen Fehler im Frequenzgang und Dynamikverhalten – war nicht mehr vorhanden, genauso wie durch leichte Bandübersteuerung generierte zusätzliche Obertöne. Es fehlte an Druck, Wärme – wie immer man es auch nennen will.

T-RackS Saturator X

Das Plug-in T-RackS Saturator X simuliert den Sättigungseffekt, der bei der Übersteuerung von Röhrengeräten und Tonbändern entsteht, sowie das Einfärben des Sounds durch manche Transistorschaltungen oder Transformatoren. Saturator X ist sowohl für einzelne Stimmen oder Instrumente geeignet, als auch in der Summe beim Mix oder Mastering.

10 Typen von analogem Sättigungsverhalten stehen zur Verfügung. Der Sättigungseffekt beeinflusst sowohl die Obertöne als auch die Dynamik und sorgt für eine mehr oder weniger starke „analoge“ Kompression des Signals.

Look

Die Bedienelemente sind übersichtlich angeordnet und die Beschriftung ist gut lesbar. Eine „Eye-Catcher“ ist die VU-Anzeige als magisches Auge.

 

T-RackS Modul Saturator X von IK Multimedia

T-RackS Modul Saturator X von IK Multimedia

 

Die Bedienung

GAIN kontrolliert den Eingangs-Pegel. Je weiter man hier aufdreht, desto mehr wird das Signal „in die Sättigung gefahren“ und der Effekt wird deutlicher hörbar.

OUTPUT dient zur Anpassung der Ausgangslautstärke, wenn sich durch den Effekt der Level erhöht.

LINK koppelt nach Klick auf das Kettensymbol GAIN und OUTPUT, sodass bei verstärktem Input das Ausgangssignal automatisch abgeschwächt wird und umgekehrt.

MODE erlaubt es, mit einem Drehregler jeweils einen von 10 Sättigungs-Modi zu wählen.

Zwei TAPE Einstellungen sind für die Simulation von Tonband-Sättigungseffekten verschiedener Geschmacksrichtung zuständig. Die MASTER Effekte erzeugen digitale Sättigungskurven, für die im Manual keine analogen Vorbilder genannt werden. Die TUBE Effekte simulieren das Sättigungsverhalten von Röhren-, SOLID STATE von Transistorgeräten. Die TRANSFORMER Modi produzieren Klangfarben, wie sie Eisen- oder Stahl-Transformatoren dem Sound hinzufügen können.

IN aktiviert das Modul oder schaltet auf Bypass.

BRICKWALL: Der zuschaltbare Brickwall Limiter greift hinter dem Output-Regler ein und verhindert Übersteuerungen, indem er das Ausgangssignal nicht über -0,2 dB ansteigen lässt. Außerdem lassen sich damit gewollte „Pumpeffekte“ im Rhythmus der Musik erzielen, wobei man einen TRANSFOMER Modus wählen sollte, weil dieser den Kompressions-Effekt allein dem Brickwall Limiter überlässt.

OVERSAMPLING: Die Klangbearbeitung durch Saturator X erfolgt wahlweise mit 1-facher, 2-facher oder 4-facher Samplingfrequenz. Höhere Einstellungen verbessern die Soundqualität und verringern oder vermeiden Aliasing-Artefakte. Allerdings wird durch Oversampling die CPU mehr beansprucht. Wenn mehrere Instanzen des Plug-ins eingesetzt werden, kann jedes individuell eingestellt werden. Für den Master-Kanal empfiehlt sich die höchste Qualitätsstufe.

RESET: Mit einem Mausklick werden alle Parameter auf den Default-Wert zurückgesetzt. Ein weiterer Klick stellt die zuletzt gewählten Einstellungen wieder her.

Wie bei allen T-RackS-Modulen kann man bei Stereoaufnahmen wahlweise den linken oder den rechten Kanal getrennt bearbeiten oder im M/S-Modus Mittensignal und Seitensignal einzeln. Eigene Einstellungen lassen sich als User-Presets speichern und mit den Buttons A – C können vier Voreinstellungen direkt verglichen werden. Auch die Schaltfläche mit dem direkten Link zum Custom Shop ist vorhanden.

 

Über ein Ausklappmenü erreicht man die Werks-Presets.

Über ein Ausklappmenü erreicht man die Werks-Presets.

13 Factory-Presets bieten eine Palette zwischen leichter Einfärbung und extremer Verzerrung.

 

Hörbeispiele

Es gibt 10 Grundeinstellungen und ich glaube nicht, dass es Sinn machen würde, alle mit Beispielen zu demonstrieren. Ich habe deshalb nur einige MODE-Einstellungen exemplarisch verwendet. Ich rate jedem Interessenten, mit der kostenlosen Demo-Version an eigenem Material zu experimentieren.

Um die Klangfärbung hörbar zu machen, habe ich den Pegel des bearbeiteten und des unbearbeiteten Signals einander angepasst. So wird der „laut-kling-immer-besser-Effekt“ vermieden.

Besipiel 1, SOLID STATE CLASS A

Eine E-Piano-Melodie ist zweimal zu hören. Beim zweiten Mal sorgt der Effekt für eine nuancierte Betonung der kräftigeren Tastenanschläge.

 

Beispiel 2. TAPE 1

Nach jeweils 4 Takten wird der Effekt ein- oder ausgeschaltet.

 

Beispiel 3, IRON

Nach jeweils 4 Takten wird der Effekt ein- oder ausgeschaltet.

 

Beispiel 4. MSTR+12dB

Nach jeweils 4 Takten wird der Effekt ein- oder ausgeschaltet.

 

Beispiel 5, TUBE CLASS A

Bei diesem kürzeren Beispiel, wird nach 4 Takten der Effekt eingeschaltet.

 

Beispiel 6, STEEL

Hier habe ich die Lautstärke nicht angeglichen, sondern zusammen mit der Einstellung STEEL (Stahl-Transformator) nach vier Takten den internen Brickwall-Limiter aktiviert.

 

Weitere Hörbeispiele mit zum Teil extremen Einstellungen findet man hier…

 

Fazit

IK Multimedia Saturator X lässt sich sowohl in der T-RackS Umgebung (als Plug-in oder Stand-Alone) als auch als Single-Modul in einem beliebigen DAW-Channel verwenden und ermöglicht gezielte Klangbearbeitung mit flexiblen Einstellmöglichkeiten. In Studio-Reportagen wird immer wieder von Toningenieuren berichtet, die digitale Produktionen vor dem Mastering auf Band überspielen. Nur wenige Musikproduzenten haben heute noch diese Möglichkeit, aber die aktuelle Digitaltechnik erlaubt Analog-Simulationen, die kaum noch – wenn überhaupt – vom Vorbild zu unterscheiden sind. Die Soundqualität des Saturator X ist sehr gut, wie auch bei den anderen T-RackS Modulen von IK Multimedia. Das eingebaute Oversampling sorgt dafür, dass keine hörbaren Artefakte entstehen, selbst wenn man Saturator X im Master-Kanal einsetzt.

 

Systemvoraussetzungen

Mac® (64 bit CPU oder 32 oder 64 bit Mac OS)

•Minimal: Intel® Core 1,5 processor, 2 GB RAM (4 GB empfohlen), Mac OS X 10.6 oder neuer.

•Unterstützte Plug-in Formate: Audio Units, VST , RTAS, AAX (32 und 64-bit).

 

Windows® (32 und 64 bit)

Minimal: Intel Pentium 4 2,4GHz oder Intel Core Duo oder AMD Athlon 64 X2, 4 GB RAM (4 GB empfohlen), Windows® 7, Windows® 8 or Windows® 10.

•Unterstützte Plug-in Formate (64-bit): VST, RTAS, AAX (32 und 64-bit).

Preis: €95,19

Hersteller: IK Multimedia

 

Meine aktuellen Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

 

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.