Test: Native Instruments – Session Guitarist Electric Sunburst

By | 12. März 2018

Ein klassisches Les-Paul-Modell wurde für Session Guitarist Electric Sunburst von Native Instruments in ein virtuelles Instrument verwandelt. Die Pattern-basierte Sampling-Library ist zusätzlich mit Amp-Simulationen und Effekten ausgestattet.

Nach Session Guitarist Acoustic I und II hat Native Instruments nun auch eine virtuelle E-Gitarre im Angebot. Wie die beiden anderen, wurde auch dieses KONTAKT-Instrument in Zusammenarbeit mit drumasonic entwickelt. Für die Sample-Aufnahmen wurden weder Kompressor noch Equalizer eingesetzt.

 

Installation

Seit der Einführung der Download-Software Native Access geht das ganz einfach: Native Access starten, ganz oben links „Add a serial“ anklicken und die Seriennummer eingeben. Die Installation erfolgt mit der Software und das neue Produkt wird automatisch zu den „Installed products“ hinzugefügt.

 

 

Was geht?

Ich fange mal damit an, was nicht geht: Melodien spielen, Rhythmen völlig frei spielen und… das war es eigentlich schon. Stattdessen stehen 145 unterschiedliche Patterns zur Verfügung, die sich nicht nur kombinieren, sondern auch durch Veränderung der Dauer zu neuen Phrasen umwandeln lassen. Strumming, Picking, gezupfte und mit dem Plektrum gespielte Arpeggios, auch in Flageolett-Spieltechnik, sowie Riffs sind enthalten. Der Sound kann sehr flexibel bearbeitet werden. Wie bei der realen Gitarre lassen sich die Signale der beiden Humbucker-Tonabnehmer einzeln schalten oder mischen und besitzen eine Klangregelung. Zusätzlich zur direkten Abnahme der Tonabnehmer wurde die Gitarre mit einem Mikrofon aufgenommen, das direkt über den Saiten Spielgeräusche aufgezeichnet hat.

 

Das Mini-Keyboard unten zeigt die Funktionstasten an.

 

Songs und Patterns

Die Patterns sind thematisch geordnet zu Songs zusammengefasst. In der Hauptansicht erscheinen in der unteren Hälfte der Name des aktuellen Songs und 8 Pattern-Slots, von denen jeweils 6 bis 8 belegt sind. Oben links, über der Abbildung der Gitarre, findet man die Einstellung „Expression“. Mit dem kleinen Schieberegler lässt sich bestimmen, wie deutlich Akzente der Performance zu hören sind. Alternativ geht das mit dem Pitch-Wheel des Keyboards. Auf der rechten Seite kann das voreingestellte Sound-Preset geändert werden.

Greift man einen Akkord, spielt Electric Sunburst das ausgewählte Pattern solange, bis eine MIDI-Note zwischen C1 und G1 empfangen wird. Diese dienen als Keyswitches und können entweder auf dem Mini-Keyboard von KONTAKT angeklickt oder von einer angeschlossenen Tastatur gesendet werden. Selbstverständlich wird das NKS-System unterstützt, sodass die entsprechenden Tasten an einem Komplete-Kontrol-Keyboard mit dem Lightguide angezeigt werden.

 

 

Im Bereich der blau gekennzeichneten Tasten können beliebige Akkorde gegriffen werden. Auch alterierte und erweiterte Akkorde sind möglich. Gelb und Grün bezeichnen verschiedene Endings, wobei mit der grünen Taste ein Abwärts-Slide erzeugt wird. Mit den roten Tasten schaltet man die Patterns um. Wer NI’s Software Komplete Kontrol mit dem Keyboard eines anderen Herstellers benutzt, kann die Tastenzuordnung im Pop-Up „Mapping“ sehen. Diese Grafik ist meiner Ansicht nach etwas versteckt. Man muss im unteren Teil des Hauptfensters auf das kleine „i“ rechts klicken, dann erscheint ein Pop-up mit den Reitern „Pattern“ und „Mapping“.

 

 

Die Patterns werden automatisch im DAW-Tempo abgespielt. Beim Einspielen ist es am besten, keine Quantisierung zu verwenden und etwas vorgezogen zu spielen. Die Patterns starten immer genau synchron zum Takt und im Tempo des Songs. Leicht vorgezogene Noten machen es möglich, dass auch Akkord-Wechsel-Geräusche zu hören sind.

Ein einfaches Beispiel mit nur einem Pattern. Im zweiten Abschnitt kommen Drums (NI Studio Drummer) und Bass (NI Scarbee J-Bass) hinzu:

 

Der Song-Browser

Ein Klick auf den Namen des aktuellen Songs öffnet den Song-Browser.

 

 

31 Songs in verschiedenen Taktarten stehen zur Auswahl. Jeder Song besteht aus bis zu 6 verschiedenen Patterns, die ausgetauscht werden können, sodass eigene Zusammenstellungen entstehen. Auch ohne ein Pattern anzuspielen, kann man an einem kleinen Symbol hinter dem Pattern-Namen erkennen, ob es sich um die Spielweise strumming, Arpeggio oder Riff handelt.

 

 

Mit den kleinen Pfeilen neben dem ausgewählten Pattern ist es möglich, sich rückwärts oder vorwärts durch den Pattern-Vorrat zu klicken. Das Lupen-Symbol öffnet den Pattern-Browser und macht alle Patterns gleichzeitig sichtbar.

 

Der Pattern-Browser

Die Kopfzeile des Pattern-Browsers enthält eine Reihe von Schaltflächen, mit deren Hilfe sich der Bestand filtern lässt.

 

 

Um ein Pattern zu finden, dass den gewünschten rhythmischen Betonungen entspricht, ist die Funktion Rhythm-Search vorhanden. Wie bei der Lauflicht-Programmierung eines Drumcomputers können 16tel-Noten, die über zwei Takte dargestellt werden, per Klick aktiviert werden. Alternativ ist die Tap-Eingabe mit einer beliebigen Taste am Keyboard möglich. Die Software findet entweder das perfekte Pattern oder schlägt ähnliche vor. Weil echte Performances aufgenommen wurden, lässt sich bei den Patterns nur die Länge ändern, es ist nicht möglich, eigene Patterns zu programmieren. Trotzdem gibt es eine Menge an Gestaltungsmöglichkeiten.

Vom Pattern-Browser führt oben rechts das kleine „x“ ohne Änderung zurück auf die Hauptseite; wählt man das Häkchen, werden Änderungen übernommen.

 

 

Das bereits erwähnte „i“ lässt das Pattern/Mapping-Pop-up erscheinen. Im Bereich „Pattern“ kann Start- und Endpunkt eines Pattern verschoben werden. Die Lautstärke lässt sich justieren und das Tempo halbieren oder verdoppeln. Bei Arpeggio-Patterns ist die Position auf dem Griffbrett (Fret Position) und der Stil (open, muted, Flageolett), sowie die Anschlagtechnik (Plektrum oder Finger) einstellbar.

 

Auto Chords

Besondere Bequemlichkeit beim Einspielen bietet die Funktion Auto Chords. Hier lassen sich Akkorde einer ausgewählten Tonart (Dur, Moll oder ohne Terz) mit jeweils einer weißen Taste des virtuellen 1-Oktav-Keyboards oder des angeschlossenen MIDI-Keyboards triggern. Zusätzlich gedrückte schwarze Tasten bewirken Akkord-Erweiterungen (sus2, sus4, +7, +9).

 

 

Guitar Settings

Neben „Patterns“ befinden sich drei weitere Schaltflächen am unteren Rand des Plug-in-Fensters. „Guitar Settings“ enthält die Bedienelemente, mit denen Lautstärke, Stimmung und Geräuschanteile eingestellt werden können; vor allem aber ist hier die Regelung von Volumen und Klang der beiden, einzeln schaltbaren Tonabnehmer zu finden. „Doubling ist kein künstlicher Soundeffekt, sondern aktiviert zwei Sampling-Aufnahmen, sodass wirklich zwei Gitarren zu hören sind.

 

Amps & FX

Diese Abteilung unterscheidet Electric Sunburst von seinen Strummed-Acoustic-Geschwistern. Fast immer sind Amp und Lautsprecherbox unverzichtbare Komponenten für den E-Gitarrensound. Auch Stomp-Pedale kommen oft zum Einsatz. In diesem Bereich findet man eine reichhaltige Auswahl.

 

 

Der Sound lässt sich mit einer Kette von bis zu 7 Geräten bearbeiten. Für Amps, Lautsprecher und Effektgeräte sind eine Reihe von Parametern individuell einstellbar.

Im nächsten Beispiel spielen Patterns aus der Kategorie „Riff“ mit Amp-Distortion und Pedal-Effekten:

 

Aus dem Pop-Up-Menü „Voicing“ habe ich für die gleiche Sequenz „Fifth“ gewählt, jetzt werden echte Power-Chords gespielt:

 

Für jeden Effekt gibt es Regler für die wichtigsten Parameter.

 

 

Playback

Die vielleicht wichtigste Funktion hat das kleine Vorhängeschloss. Damit werden die Einstellungen verriegelt und man kann Songs und Patterns ausprobieren, ohne dass sich die Playback-Einstellungen ändern. Neben „Swing“ gibt es für das Finetuning des Timings die Funktion „Humanize“. Bei manchen Plug-ins bewirkt „Humanize“ nur zufällige Abweichungen vom gleichmäßigen Computer-Timing; hier kann man aber zwischen einer mehr oder weniger quantisierten Wiedergabe und dem Timing der Originaleinspielung, die geringfügige Abweichungen vom Ideal-Timing aufweist, wählen. „Latch Mode“ bestimmt die Spieldauer der Patterns nach dem Loslassen der Tasten. „Pattern Sync“ hat die Grundeinstellung „Sync to Host“. Damit starten alle Patterns genau auf der Eins eines Takts. „Start on key“ startet unabhängig davon bei Tastenanschlag.

Die Arpeggio-Patterns liefern besonders schöne Sounds:

 

Ganz ohne Amp-Sound und Effekte hört es sich auch schon sehr gut an. Der Grund-Sound der Gitarre wurde perfekt eingefangen:

 

Mit der Abteilung AMPS 6 FX lassen sich attraktive Sounds erzielen:

 

 

Zum Schluss ein weiteres Beispiel mit Bass und Drums. Hier habe ich zwei Instanzen des Plug-ins eingesetzt, die Patterns mit unterschiedlichen Artikulationen spielen:

 

Fazit

Native Instruments Session Guitarist Electric Sunburst ist ein Plug-in mit hervorragenden Sounds. Der virtuelle Studiogitarrist hat eine Menge praxisnaher Patterns anzubieten. Für so gut wie jede Musikrichtung, bei der elektrische Gitarren verwendet werden, ist etwas dabei, von Folk über Rock bis zum Reggae. Während Aufnahmen von akustische Gitarren meistens so natürlich wie möglich klingen sollen, verlangen E-Gitarren nach Amps und Effekt-Pedalen. Auch dafür ist reichlich gesorgt, wobei die Samples ohne Effekte aufgenommen wurden. Alle Effekte sind virtuelle Geräte, die der User selbst in einer Kette von bis zu 7 Exemplaren konfigurieren und einstellen kann. Wie die Gitarrenklänge sind auch die Effekte qualitativ hochwertig. Sie lassen sich aber auch ausschalten; dann können zusätzliche Plug-ins wie Guitar Rig eingesetzt werden. Session Guitarist Electric Sunburst macht Spaß beim Ausprobieren und findet mit Sicherheit viele Anwendungsbereiche bei der Musikproduktion.

 

Download-Größe: (Mac/PC): 5,8 /5,8 GB (Sample-Inhalte unkomprimiert ca. 16 GB)

Systemvoraussetzungen: Kostenloser KONTAKT 5 PLAYER oder KONTAKT 5 (Version 5.7.1 oder höher)

Hersteller: Native Instruments

Preis: €99,-*

*online ermittelt, 12.03.2018

 

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