Test: Spitfire Audio Alternative Solo Strings

By | 4. März 2018

Die Alternative Solo Strings von Spitfire Audio umfassen vier äußerst detailreich gesampelte Instrumente: Violine, Viola, Cello und Kontrabass. Die Instrumente der NI Kontakt-Library verfügen über bis zu 13 Artikulationen. Velocity-Layers und Round-Robin-Samples sorgen für den realistischen Sound.

Alternative

Solo-String-Libraries gibt es zahlreich, auch von Spitfire Audio sind solche Sampling-Instrumente bereits erhältlich. Die Bezeichnung „Alternative“ bezieht sich auf zwei Eigenschaften dieser Library. Erstens wurden die Samples „trocken“, also absichtlich ohne deutlich hörbare Raumakustik aufgenommen. Zweitens gibt es von jedem Instrument ein Patch mit dem Zusatz „Long Alternative“. Hier erlebt man eine Überraschung, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. Die Töne wechseln bei gedrückter Taste automatisch die Artikulation, sogar Bendigs und Sprünge in der Tonhöhe sind vorhanden. Dieses Konzept erinnert mich an Spitfires Library Orchestral Swarm, deren experimentelle Sounds der Chaos-Forschung entsprungen sein könnten. (Bitte nicht falsch verstehen, ich mag das!) Bei Spitfire Audio weist man darauf hin, dass Wert auf Sounds gelegt wurde, die „edgy“ klingen. Um nicht vorhersehbare Ergebnisse in einem Alternative-Patch zu vermeiden, kann die Round-Robin-Funktion abgeschaltet werden, dann hört man bei jedem Tastenanschlag dasselbe Sample. Das macht Sinn, weil hier Modulationen enthalten sind, die echt gespielt wurden und sich elektronisch mit Pitch-Bender und Modulationsrad nicht exakt nachahmen lassen.

 

 

Studio und Musiker

Die Aufnahmen wurden im eigenen Studio von Spitfire Audio in London gemacht. Die weitgehend trockenen Aufnahmen ermöglichen eine besonders vordergründige Platzierung im Mix; ein gut klingender Standard-Hall-Effekt, der sich nur in der Stärke regeln lässt, steht aber zur Verfügung. Mit zusätzlichen Hall-Plug-ins lässt sich eine frei konfigurierbare Räumlichkeit hinzufügen. Die Solisten, die die Samples eingespielt haben, waren bereits an vielen Soundtracks bekannter Block-Buster von Captain America bist zu Lord of the Rings beteiligt und haben bei Rock- und Pop-Produktionen unter anderem von Adele und U2 mitgespielt.

Kontrabass: Mary Scully

Violine: Warren Zielinski

Viola: Joel Hunter

Cello: Chris Worsey

 

Installation

Der Download erfolgt mit Hilfe des Spitfire Audio Library Managers. Alle Schritte zum Download und zur Installation werden auf der Website ausführlich erklärt. Während der Installation müssen 60GB Speicherplatz zur Verfügung stehen. Unkomprimiert umfasst die Library 44,46GB WAV-Dateien, komprimiert 29,64GB. Es ist möglich, einen abgebrochenen Download fortzusetzen, falls Probleme mit dem Internet auftreten. Mit Native-Instruments’ Native Access wird die Lizenznummer registriert und mit „Add Library“ aktiviert. Wer nicht die Vollversion von NI Kontakt besitzt, kann den kostenlosen NI Kontakt Player verwenden. Die NI Software Komplete Kontrol bietet zusätzlich Pre-Listening und vorkonfigurierte Controller, wenn ein NKS-Steuergerät benutz wird.

 

GUI

Das grafische User-Interface zeigt die Bedienelemente auf 3 Pages. Mit Klick auf eines von drei kleinen Icons schaltet man um. Bei vielen Bedienelementen ist ein winzig kleines „i“ zu sehen, mit dem sich Hilfetexte in Sprechblasen einblenden lassen.

Page 1: General Overview

Sechs senkrechte Regler im weißen Bedienungspanel dienen als Mixer für die verwendeten Mikrofone. An ihrem unteren Rand befindet sich jeweils ein Ein/Aus-Schalter. Die Bezeichnungen bedeuten:

  1. Co = Close Condenser
  2. Di = „Dirt“-Mikrofon mit Nebengeräuschen und etwas Verzerrung für mehr „Biss“
  3. Pr = Stereo Paar
  4. Ri = Ribbon, Bändchenmikrofon
  5. R = Stereo-Raum, etwas mehr Räumlichkeit
  6. V= Close Valve Mic, Röhrenmikrofon; Default-Einstellung aller Patches

Fünf waagerechte Fader steuern folgende Funktionen:

  1. Dynamics (Einstellung des Dynamikbereichs)
  2. Titghtness (Kürzere Einschwingphase, erleichtert präzises Einspielen.)
  3. Release (Abklingzeit nach dem Loslassen einer Taste.)
  4. Reverb
  5. Expression (Gesamtlautstärke des Instruments)

 

 

Vielen Bedienelemente können MIDI-Controller zugewiesen werden, sie lassen sich dann live mit externer Hardware steuern oder mit den Möglichkeiten der DAW automatisieren.

Zu jedem Instrument gehört ein „all-in-one-patch“ mit allen Artikulationen. Bis zu 13 Artikulationen stehen dann zur Verfügung und werden am unteren Rand des Plug-in-Fensters angezeigt. Der Notenwert gibt jeweils Auskunft über die Tonlänge. Man kann direkt auf die Symbole klicken oder die Artikulationen mit Keyswitches umschalten. Für Violine und Cello ist jeweils ein Performance Patch vorhanden. Dort sind die Töne nur mono spielbar und gleichzeitig gedrückte Tasten erzeugen einen Legato-Übergang. Leider existieren keine Performance Patches für Viola und Bass. Patches mit dem Zusatz „Time Machine“ enthalten nur die kurzen Artikulationen eines Instruments. Anstelle von Release lässt sich hier mit dem der dritten waagerechte Fader die genaue Dauer der Noten regeln (Stretch). Zusätzliche „abgespeckte“ Patches, die CPU und Speicher schonen, gibt es ebenfalls. Außerdem sind spezielle Patches vorhanden, wie „into Vib(rato) oder „Long Sul Pont Distorted“.

 

Page 2: Expert View

Zahlreiche Einstellungen zum Fine-Tuning sind hier zugänglich, z. B. die schon erwähnte Möglichkeit, die Round-Robin-Funktion ein- oder auszuschalten.

 

 

Page 3: The Ostinatum

The Ostinatum ist ein Step-Sequencer, der nur für Artikulationen mit kurzen Noten verfügbar ist. Bis zu 8 Patterns können programmiert werden, die nacheinander ablaufen, oder auch über Keyswitches einzeln getriggert werden können. Die einzelnen Steps können verschiedene Notenlängen haben, auch die Velocitiy pro Note ist einstellbar.

 

 

Artikulationen

Zusätzlich zu den vier „all-in-one-patches“ gibt es für jedes Instrument die Artikulationen auch jeweils einzeln in einem Patch. So wird der Arbeitsspeicher weniger belastet, wenn nur eine bestimmt Artikulation zur Anwendung kommen soll. Ein anderer Vorteil ist, dass Artikulationen so auf mehrere Instanzen des Plug-ins verteilt werden können. Dann ist kein Umschalten innerhalb des Songs nötig. Die Artikulationsmöglichkeiten reichen von langen Noten über Tremolo, Spiccato und Pizzicato bis zu Staccato. Es gibt teilweise mehrere Varianten, die sich unter anderem dadurch unterscheiden, dass der Bogen näher am Steg (sul pont) oder am Griffbrett (sul tasto) geführt wurde.

 

UACC

Neben den üblichen Methoden, Artikulationen über individuell zugeordnete MIDI-Controller oder Keyswitches zu steuern, gibt es das System UACC, das  zumindest innerhalb der Spitfire-Produkte einen Standard darstellt. Hier wird alles über den MIDI-Controller CC32 gesteuert, der zugehörige veränderbare Wert bestimmt die Artikulation. CC32 mit dem Wert 26 bedeutet dann, „Legato Muted“.

 

NKS

Beim NKS-Keyboard von Native Instruments werden spielbare Tasten und Keyswitches mit dem Light Guide angezeigt. (NI Kontakt stellt das im grafischen Mini-Keyboard farbig dar.)

 

 

Die NKS-Steuerung ist auf drei Pages der Controller-Oberfläche des Keyboards aufgeteilt. Sehr praktisch ist es, damit intuitiv die Mikros zu mischen oder den Hallanteil zu regeln. Einige Regler sind nicht mit Funktionen belegt. Die Keyswitches sind oft sehr weit von den Play-Tasten entfernt, bei kleinen NKS-Keyboards ist das ein Nachteil. Allerdings besteht die Möglichkeit für den User, auf der Plug-in-Page „Expert View“ die Lage der Keyswitches selbst zu ändern.

 

Hörbeispiele

Die Violine mit einer kurzen Melodie, zuerst trocken, dann mit dem integrierten Hall des Plug-ins:

 

Die gleiche Melodie, dieses Mal von der Viola gespielt:

 

Noch einmal dieselbe Melodie von der Violine, ergänzt durch Viola, Cello und gestrichenem Bass:

 

Cello, Alternative-Patch:

 

Violine, Alternativ-Patch:

 

Cello, Performance Patch:

 

Viola, distorted Patch:

 

Gedämpfter Bass, Viola und Violine:

 

Bisher waren ausschließlich die Instrumente der Library Alternative Solo Strings zu hören. Im letzten Beispiel spielt die Viola die Melodie, während die Drums aus der Logic-Drummer-Library stammen und die anderen Instrumente von IK Multimedia Syntronik kommen:

 

Fazit

Alternative Solo Strings von Spitfire Audio ist eine ungewöhnliche Sample-Library. Violine, Viola, Cello und Bass stehen als Soloinstrumente zur Verfügung. Sie lassen sich, von den Performance Patches abgesehen, auch mehrstimmig spielen. Performance Patches sind mono und mit einer True-Legato-Funktion ausgestattet, sodass ein weicher Übergang entsteht, wenn eine Note gehalten wird, während man die nächste spielt. Leider gibt es diese Funktion nur bei Violine und Cello, nicht bei Viola und Bass. Die Sounds haben einen eigenen Charakter und können sowohl angenehm und freundlich klingen, als auch rau und kantig, eben „edgy“, wie der Hersteller es selbst nennt. Die Samples sind technisch von untadeliger Qualität, Nebengeräusche sind Absicht. Die Library umfasst 53146 Samples, da ist reichlich Platz für Dynamik-Layer und Round-Robin-Samples. Die Aufnahmen wurden in einem trockenen Raum nah an den Mikrofonen gemacht, damit keine Einschränkungen bei der Positionierung im virtuellen Raum mit Hall-Plug-ins bestehen. Es gibt aber auch einen angenehm klingenden Halleffekt „an Bord“ bei dem nur die Stärke geregelt werden kann. Wegen des eigenwilligen Charakters dieser Library kann ich mir die Sounds gut in Produktionen jeder Art vorstellen, sogar im Bereich Rock/Pop und EDM. Die Kontakt-Library Alternative Solo Strings von Spitfire Audio bietet erfrischende Sounds und ist deshalb empfehlenswert!

 

Systemanforderungen

PC: Windows 7 oder neuer, Intel Core Duo oder AMD Athlon 64 X2, 4 GB RAM (8GB empfohlen).

Mac: OS X 10.10 oder neuer, Intel Core 2 Duo, 4 GB RAM (8GB empfohlen).

Native Instruments KONTAKT 5.5 oder kostenloser KONTAKT PLAYER.

 

Preis: €299,-*

Hersteller: Spitfire Audio

* Der Preis wurde am 4.03.2018 online ermittelt.

 

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