Erfahrungsbericht: Apple Music

By | 19. Februar 2018

Streaming-Dienste spielen im Musikgeschäft eine immer größere Rolle. Ich war lange Zeit skeptisch, habe mich dann aber doch für ein Abo entschieden. Weil ich iTunes schon lange verwende, lag die Wahl von Apple Music nahe.

Bitten off by Apple in California

 

Changes

Eigentlich wollte ich das nie: „gemietete“ Musik anstelle von gekauften Alben. Selbst Downloads waren lange nicht mein Fall. Komprimierte Sound-Dateien, die man nicht in die Hand nehmen, nicht ins Regal stellen kann? Ich bin der Einzige in meiner Familie, der nie einen iPod besessen hat! Aber man kann ja seine Meinung auch mal ändern. Zum Beispiel habe ich vor einigen Jahren fast alle Hardware-Studiogeräte verkauft, weil die Musikproduktion „in the box“ sich nach und nach bei mir durchgesetzt hatte. Als Musik-Konsument hat sich mein Verhalten ebenfalls verändert. Ich höre entweder über meine Studio-Lautsprecher, Abspielgerät Mac, oder mit Kopfhörern oder Bluetooth-Lautsprechern Musik von iOS-Geräten. Ich besitze einen funktionsfähigen Plattenspieler, einen Stapel Compact-Cassetten und jede Menge CDs. Ich möchte da überall mal wieder reinhören, habe es aber seit Jahren kaum noch getan. Zeit, etwas Neues zu probieren. Zuerst war es die kostenlose Version von Spotify. Niedrige Soundqualität für Nicht-Abonnenten und Werbung zwischendurch, das ging gar nicht. Dann drei Monate kostenlose Testphase von Apple Music. Eine Neuerscheinung? Sofort das ganze Album anhören so oft ich will, in die iTunes-Mediathek integrieren, auf allen Apple Geräten überall zur Verfügung haben. Lust auf Jimi Hendrix, die Beatles und noch ältere Sachen? Geht genauso. Ich habe Zugriff auf eine der größten Musiksammlungen ever.

 

Aus der Musiker-Perspektive

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel über das Musikstreaming veröffentlicht, hier der Link: Was bringt Spotify für Musiker? Alles was darin steht, entspricht auch heute noch meiner Meinung. Sowohl ausübende Künstler als auch Urheber verdienen weniger Geld durch gestreamte Musik als bei jeder anderen Vertriebsart. Aber das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Bequemlichkeit gewinnt, ich nehme mich da nicht aus.

 

Apple Music – kein Test

Ich habe für diesen Artikel die Überschrift „Erfahrungsbericht“ gewählt und genau das soll er sein. Bei meinen Tests versuche ich immer objektiv zu bleiben, was ich bei Apple Music gut oder schlecht bewerte, ist völlig subjektiv.

45 Millionen Songs umfasst das Angebot von Apple Music. Hier liegt der Schwerpunkt, denn hauptsächlich geht es ja um das Musikhören.

Dazu kommen Musikvideos und auch Konzertmitschnitte, so gibt es einen vollständigen Live-Auftritt von Taylor Swift zu sehen oder das Konzert, mit dem Pink ihr neuestes Album vorgestellt hat. Auch Making-of-Videos gehören dazu. Die Konzertreihe iTunes/Apple Music Festival, die mehrere Jahre lang unter anderem im Londoner Roundhouse stattfand, soll integriert werden und zukünftig mit einem anderen Konzept an vielen Standorten veranstaltet werden. Frühere Festival-Auftritte lassen sich bei Apple Music abrufen.

Die Show Carpool Karaoke wurde von Apple eingekauft und geht demnächst in die zweite Staffel. Hier singen Musikstars und andere „Promis“ während einer Autofahrt Songs und bringen Comedy-Einlagen. Das ist manchmal ganz witzig, manchmal albern, und manchmal uninteressant, weil man amerikanische Basektball- und Country-Größen hierzulande kaum kennt. Jedenfalls geht es mir so.

Hörspiele und Hörbücher sind ebenfalls vorhanden. Wer auf „Die drei Fragezeichen“ steht, wird hier fündig. Ich hatte vor einiger Zeit den Roman „Erbarmen“ von Jussi Adler-Olson gelesen, der mir gefiel. Bei Apple Music habe ich jetzt alle 7 Karl-Mørck-Romane des Autors als Hörbücher gefunden. Wird Literatur-Streaming ein neuer Trend? Bei Amazons Hörbuch-Verlag Audible kauft man ja noch Downloads.

Die iTunes-Match-Funktion gehört ebenfalls zu Apple Music. Alle Musiktitel, die auf dem eigenen Gerät bereits gespeichert sind, lassen sich mit Apple Music abgleichen und auf Wunsch mit den oft qualitativ hochwertigeren AAC-Dateien mit 256 kbit/s (entspricht MP3mit 320 kbit/s) ersetzen. Falls Apple einen Song nicht auf Lager hat, wird die Version des Users hochgeladen, damit sie dann in der Mediathek auf allen seinen Geräten zur Verfügung stehen.

 

What the f**k?

Manchmal soll es Probleme mit Songs geben, in denen das böse „F-Wort“ vorkommt. Dann werden die Titel durch eine saubere Version ersetzt, Pink singt dann beispielsweise nicht mehr „Fuckin’ perfect“ sondern „Less than perfect“. Wer das nicht perfekt findet, muss nur in den iTunes-Einstellungen bei „Beschränkungen“ die Altersfreigabe auf „ab 18“ setzen. Meine verdächtigen Songs sind jedenfalls „explicit“ geblieben. Das ist schließlich künstlerische Freiheit!

Menschen mit krimineller Energie sollen mit der Match-Funktion auch schon Songs „gewaschen“ haben: Geklaute MP3s zu legalen AACs. Schwerter zu Pflugscharen. Überhaupt soll die Piraterie zu Gunsten legaler Streams und Downloads zurückgegangen sein. Legal ist heute bequemer als ein digitaler Raubzug.

 

Hardware und Software

Am Mac oder PC ist Apple Music ein Bestandteil des Programms iTunes. Auf iOS-Geräten gibt es eine eigene „Music“ App. Auch das Watch OS für die Apple Watch wird unterstützt, der Streaming-Service kann sowohl über W-LAN als auch über eine LTE-Verbindung genutzt werden. 10 Geräte pro Abo lassen sich über die Apple-ID des Benutzers autorisieren, davon können 5 Computer sein. Wie man auf Mac-User-Webseiten lesen kann, soll Apple mit einem zukünftigen System-Update vorhaben Apps herauszubringen, die sowohl unter MacOS als auch iOS funktionieren. Dann wird es wohl auch eine einheitliche Musik-App geben. Bis dahin ist das Erscheinungsbild der Software leider unterschiedlich.

 

Navigation

Funktionen, die auch alle anderen Streaming-Dienste haben, sind Playlists, Titel-Vorschläge nach dem Musikgeschmack des Benutzers, Ankündigung von Neuheiten, Rubriken für verschiedene Genres und mehr. „Connect“ ist eine weitere Sparte, hier soll man seine Lieblingskünstler wählen, um aktuelle Infos zu bekommen. Dafür hatte ich bisher keine Verwendung.

Ich will hier keinen vollständigen Überblick geben, das vergisst man nach dem Durchlesen sowieso. Man muss sich da einfach intuitiv durchklicken. Und hier komme ich zur Kritik. Zur ganz persönlichen Kritik. Vielleicht ist meine Intuition aber auch irgendwie abwegig und ich folge gedanklich anderen Pfaden als denen, die von den Apple-Designern vorgegeben wurden. Ich kann hier nicht einmal ein konkretes Negativ-Beispiel nennen, weil ich mich doch immer irgendwie zum Ziel geklickt habe. Aber hinterher weiß ich nicht mehr wie und beim nächsten Mal geht die Suche wieder los. Die von mir am häufigsten benutzten Funktionen sind aber problemlos. Ich wähle ein Album (Single selten) aus den Neuerscheinungen oder per Suchfunktion und höre es an, oft nur teilweise. Wenn ich nach einer Pause wieder Musik hören will, ist es automatisch unter „Für dich“ gelandet und schnell wiederzufinden.

 

Eine Navigation innerhalb der Apple-Music-Abteilung von iTunes am Mac

 

Cover und Texte

Die schönsten Cover gibt es bei Vinyl-LPs. Die Hülle einer 30-cm-Scheibe ist einfach unschlagbar. Da ist auch viel Platz für Informationen, ebenso wie bei einem gut gemachten CD-Booklet. Aber irgendwann sind die Regale voll und die Energie zum Katalogisieren und Ordnen bringe ich leider nicht auf. Was mir bei allen Streaming-Angeboten fehlt: Detaillierte Angaben darüber, welche Musiker auf den Titeln gespielt haben und wer jeweils Text und Musik geschrieben hat. Die Urheber-Angaben stehen in seltenen Fällen unter dem Text. Das interessiert sicher nicht jeden, aber mich schon. Die Songtexte sind aber, wenn auch nicht bei allen Titeln, verfügbar und werden unter der Abbildung des Covers angezeigt. Die Größe der Abbildung ist ausreichend und wird auf meinem Monitor am Mac sogar etwas größer dargestellt als eine CD-Box.

Wenn man das nächste Bildschirmfoto anklickt, sieht man Cover und Songtext in Originalgröße, der Songtext lässt sich im Original scrollen.

 

Für die Original-Darstellungsgröße bitte auf die Abbildung klicken! Den Text kann man weiter scrollen.

 

Apple Music und HomePod

Besonders viel Spaß macht Apple Music mit dem HomePod und seiner Siri-Steuerung. Hier der Music-Knowhow-Testbericht zum HomePod.

 

 

 

Fazit

Auch wenn mir von den 45 Millionen Musiktiteln bei Apple Music nur wenige gehören, nämlich die, die ich vor Abschluss des Abonnements schon besaß, bin ich optimistisch, dass sie auch in Zukunft dauerhaft zur Verfügung stehen werden. Sollte aus irgendeinem Grund das Streaming aus der Mode kommen, besteht sicher die Gelegenheit, Musik, die man nicht mehr vermissen möchte, als Download zu kaufen. Manchmal fällt mir spontan ein Song ein, den ich hören möchte. Selbst wenn der Tonträger bei mir irgendwo im Regal steht, tippe ich den Titel schnell in die Suche ein und habe ihn in Sekundenschnelle auf dem Gerät. Damit mein Bericht sich nicht einseitig an Apple-User wendet: iTunes gibt es auch für Windows und die Apple Music App auch für Android. Die – in meinen Ohren – gute Soundqualität und der schnelle Zugriff auf so gut wie jeden Song und jedes Album haben für mich den Ausschlag gegeben, den Streaming-Dienst Apple Music zu abonnieren. Seit etwa einem Jahr bin ich dabei. Bis auf kleine Ungereimtheiten bei der Navigation bin ich sehr zufrieden. Eine einseitige Empfehlung für Apple soll das aber nicht sein. Jeder, der Musik streamen möchte, nehme den Dienst in Anspruch, der ihm am besten gefällt!

 

Preise

Einzel-Abo: €9,99

Familien-Abo für bis zu 5 Familienmitglieder: €14,99

Aktuelle Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

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7 thoughts on “Erfahrungsbericht: Apple Music

  1. Markus

    Zitat: „weil ich mich doch immer irgendwie zum Ziel geklickt habe. Aber hinterher weiß ich nicht mehr wie und beim nächsten Mal geht die Suche wieder los.“ Das geht mir bei Amazon Music übrigens auch nicht anders 🙂 Danke für die Einblicke in Apple Music. Es ist (leider?) wirklich bequem geworden, Musik zu streamen. Kaufen? Ja, vereinzelte Downloads. Ich könnte Amazon Music zwar auch aufnehmen mit meinem Interface aber da siegt die Bequemlichkeit und ich kaufe Titel im iTunes Store.

    Bei den Abo-Preisen gibt es übrigens noch eine weitere (versteckte) Variante, die Ulf mal in einem Kommentar bei mir erwähnt hat: Das Jahresabo. Muss man aber in den Optionen umstellen. Wird nicht aktiv angeboten.

    Viele Grüße, Markus

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  2. Jürgen Drogies Post author

    Ja, aufnehmen zum Privatgebrauch ist nicht einmal verboten habe ich gelesen, zumindest ist es eine „Grauzone“. Mit der Freeware Soundflower geht es auch. Ich hatte während meiner Testphase darüber nachgedacht, aber wie du sagst: Die Bequemlichkeit siegt! Danke für den Tipp mit dem Jahresabo!
    Viele Grüße, Jürgen

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  3. Ulf

    Ich bin noch in der Abo-Probephase – aber die Familienmitgliedschaft ist schon verlockend. Mein dickes Aber bleibt: dass es in iOS nur die Equalizer-Voreinstellungen der Music-App zur Klangverfeinerung gibt – das stört mich gewaltig. Ich will den Klang für meine Kopfhörer nach meinen Vorstellungen einstellen können. Das geht nur mit gekauften Titeln, weil ich die in andere Musik-Apps mit frei konfigurierbarem Equalizer auf iOS anhören kann. Sonst hat Apple Music DRM und die geladenen Titel können auch nur in iTunes und der Music-App angehört werden.

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  4. Jürgen Drogies Post author

    Du hast völlig Recht, die Equalizer-Voreinstellungen in iOS sind unzureichend. Für mich persönlich kommt das gewünschte Klangbild gut hin, wenn ich meinen Kopfhörer Beyerdynamik Aventho Wireless benutze, der die personalisierte Equalizer-Einstellung im Kopfhörer speichert. Allerdings kann man bei der derzeitigen Version der App zum Einmessen das Profil nur prozentual herunterregeln oder ganz ausschalten. Da wünsche ich mir auch mehr, obwohl es, wie gesagt, für meine Ohren gut passt.

    Hi-Fi-Anlagen, die man über Kabel oder AirPlay verbinden kann, haben eine Klangregelung bei Lautsprecherwiedergabe. Aber wenn man über Bluetooth-Lautsprecher hört (ich besitze iLound von IK Multimedia, einen von JBL und kenne Bose von meinem Sohn), kann man an diesen Geräten den Sound auch nicht regeln. Beim HomePod ist es sicher nicht anders. „Siri, 2dB mehr Bass bei 120Hz!“ – daraus wird wohl nichts

    Das EQ-Problem betrifft wahrscheinlich auch alle anderen Streaming-Dienste und auch Android-Geräte, nehme ich an.

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  5. Pingback: Test: Apple HomePod › music-knowhow

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