Was bringt Spotify für Musiker?

By | 15. November 2014

Vinyl ein Nischenprodukt, die CD überwiegend tot. Download oder Streaming – wohin geht der Trend? Und welche Bedeutung hat „Music on Demand“ für Musiker?

Für einen erschwinglichen Betrag kann jede Band und jeder Musiker die eigene Produktion über iTunes und (angeblich) ca. 300 andere Online-Shops weltweit zum Kauf anbieten. Auf direktem Wege geht das zwar nicht, aber Upload-Dienste übernehmen das gegen eine Gebühr und/oder Umsatzbeteiligung. Bei mir war es heute einmal wieder so weit, mit BACK TO THE MOON 3 wurde das dritte Album meines Musikprojekts veröffentlicht, aber darüber ein anderes Mal mehr. Von der vollzogenen online-VÖ wurde ich per E-Mail von Spotify benachrichtigt. Exemplarisch für alle Streaming-Dienste beschäftige ich mich hier etwas näher mit Spotify.

Spotify is watching you

Ähnlich wie auch Amazon, beobachtet Spotify das Verhalten seiner Kunden. Hört man sich gezielt bestimmte Interpreten an, bekommt man im Newsletter-Stil eine Mail mit Ankündigungen neuer Veröffentlichungen. Natürlich möchte man als Musiker in die eigenen Sachen reinhören – wie ist die Soundqualität? Sind die Namen der Songs richtig geschrieben? usw. Und schon ist man im E-Mail-Verteiler, was ich in diesem Fall durchaus begrüßt habe. Das Gefühl, von einem weitern „Big Brother“ beobachtet zu werden, ist mir trotzdem nicht angenehm.

spotify_mail

Spotify für Arme

Ich gebe es zu, ich habe nur die kostenlose Version von Spotify. Es gibt zwei Klassen von Hörern, die Premium-Hörer bezahlen € 9,99 im Monat und bekommen eine bessere Klangqualität (320 KBit/s anstatt ca. 160 KBit/s). Als Hörer zweiter Klasse ohne Abo wird man mit Werbung eingedeckt. Es gibt akustische Werbespots wie im Radio und optische in Form von Bannerwerbung. Ich höre nur sehr selten Musik mit Spotify und habe die Erfahrung gemacht, dass bei meinem „Spotify for free“ manchmal schon nach einem Musiktitel ein Werbespot kommt, manchmal aber auch erst nach drei oder vier Songs.

Wenn die Kasse (leise) klingelt

Meine ersten Erfahrungen als Musiker mit Musik-Streaming haben mit meiner früheren Band THIRSTY MOON zu tun. Als Verwalter der Bandeinnahmen bekam ich vom Download-Dienst Fuego eine Excel-Tabelle zugeschickt. Da gab es Einzelbeträge von € 0,00. Hallo? Eine Abrechnung über 0,00 – das schafft doch sonst nur eine Behörde! Wie sich herausstellte, erweitert ein Klick auf die jeweilige Spalte das Anzeige-Feld und jetzt stand da: € 0,004. Die dritte Stelle nach dem Komma! Nachforschungen ergaben: Das ist MOD, Music On Demand. Ein einzelner Stream. Wer war das? Wer hat da geklickt? Bitte melden! Schon gut, ich wollte doch nur danke sagen.

Die GEMA

Ich weiß, die GEMA nervt. Kaum will man was auf YouTube ansehen, guckt einen so ein Miss-Mut-i-con mit schiefem Mund an. Aber als Musiker sollte man meiner Meinung (und Erfahrung) nach dort angemeldet sein, sofern man komponiert und/oder textet. Bei den GEMA-Abrechnungen gibt es auch die Sparte MOD und ebenfalls die dritte Stelle hinter dem Komma. Rechnet man die Einnahmen als „ausübender Künstler“ und „Urheber“ zusammen, wandert das Komma meistens eine Stelle weiter nach links.

Zahlen

Was bringt es nun ganz konkret ein? Das kann ich trotz meterlanger Excel-Tabellen (oder vielleicht gerade deswegen) nicht genau sagen. Aber es gibt ja Google und Wikipedia. Quellen verraten, dass laut Auskunft von Spotify 70% der Einnahmen direkt an die Künstler gehen, pro gehörtem Lied würden diese momentan 0,6-0,83 Cent für jedes gestreamte Lied erhalten. Das mag stimmen, 0,6 Cent sind 0,006 EUR und dann kommt es vielleicht noch darauf an, ob ein Verlag mit verdient, auf die Spieldauer des Songs usw.

Eine andere Angabe:

„Recherchen des Hessischen Rundfunks vom April 2013 zufolge bekommt ein Künstler im besten Fall nur 0,164 Cent pro Stream. Zum Vergleich: Verkauft ein Künstler ein Album mit 13 Liedern auf CD, bleiben ihm im besten Fall rund 3 Euro. Wird es gestreamt, sind es rund 0,02 Euro. Das Album müsse also rund 145 mal gestreamt werden, damit der Künstler auf einen ähnlichen Ertrag kommt.“ (Zitat Wikipedia)

Sehr fair klingen diese Zahlen nicht. Hört der Käufer einer CD das Album im Schnitt 145 mal an?

Warum so wenig Kohle?

Wer professionell Musik macht freut sich, wenn seine Titel im Rundfunk oder im Fernsehen gespielt werden, besonders wenn man auch noch an den Urheberrechten beteiligt ist. Ein Musikeinsatz im Sender bringt aber wesentlich mehr als Streaming. Das ist aber logisch, denn wenn etwas über den Sender geht, können Tausende zuhören, ein Stream bedeutet aber nur einmal hören an einem Endgerät, meistens nur von einer Person.

About Spotify

Gründung

Im Jahr 2006 in Schweden

Verbreitung

Länder, in denen man ein Spotify-Konto eröffnen kann: Deutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Niederlande, Österreich, Belgien, Luxemburg, Schweiz, Polen, Italien, Malta, Portugal, Vereinigte Staaten, Kanada, Neuseeland und Australien.

User

Im Mai 2014 10 Millionen Premium-Abonnenten und 40 Millionen Benutzer in 56 Ländern.

Fazit

Über Musik-Streaming gibt es getrennte Meinungen. In einer Musikerzeitschrift las ich vor einiger Zeit, neue Künstler könnten damit ihren Bekanntheitsgrad steigern, denn wenn dem Hörer die Musik erst einmal gefällt, wird er sie möglicherweise auch kaufen, um sie für immer zu besitzen. Country-Star Taylor Swift soll sich kürzlich gegen das Streaming ausgesprochen haben, wie auch andere bekannte Künstler. Ich glaube, man kann erst in einigen Jahren beurteilen, ob Streaming den Musikern nützt oder schadet. Es nützt aber immer, sich zu informieren.

Links:

Spotify

Wikipedia

 

Meine aktuellen Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

 

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis meiner Artikel auf facebook hier…

4 thoughts on “Was bringt Spotify für Musiker?

  1. Heiko

    Ich denke man hat nur Vergleichsmöglichkeiten als Künstler wenn man die Einnahmen aus „richtigen“ Verkäufen neben die Abrechnung von Streaming- Diensten legen kann. Und da kann ich mir schon vorstellen, das für manchen Künstler die Bilanz negativ ausfällt. Ich nutze Spotify auch nur sporadisch und „free“ (ist nicht so meine Herangehensweise ans Musikhören, meistens weiß ich, was ich hören will, nicht nur Künstler sondern auch Titel und Produktion) und weshalb sollte ich Dark Side Of The Moon über Spotify hören, wenn ich die CD im Regal stehen und digitalisiert auf meinem Rechner habe ?

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  2. juergen Post author

    Mir ist es schon klar, dass es nicht soviel bringen kann, wie andere Vertriebswege. Einmal Streaming ist wie eine Rundfunksendung an nur einen einzigen Hörer, statt am Tausende wie im Dampfradio. Die Abrechnungen mit 3 bis 4 Stellen hinter dem Komma sind schon gewöhnungsbedürftig. Zum Glück kostet eine Excel-Tabelle kein Papier

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  3. ÄNDY

    Ich habe mit meinen Album: https://play.spotify.com/album/6LPaZLDws5g7PbpLdLfbsu?play=true&utm_source=open.spotify.com&utm_medium=open
    immerhin schon 0,76 € über Spotify eingespielt.
    Ich verstehe die Abrechnung allerdings nicht so ganz genau, denn einige Songs werden mit 0,00 € abgerechnet, andere mit 0,01 € oder 0,02 €. Dabei spielt es keine Rolle von welchen Ländern aus das Streaming erfolgte. Jedes Land ist mal mit 0,00 € oder 1-2 Cent dabei. Ich wundere mich natürlich über die exorbitant „hohen“ Erlöse im vollen Cent-Bereich, da ich immer nur von 0,x ct. lese. Möglicherweise, weil die CD mit Creative Commons Licence also GEMA frei läuft, oder weil das Hosting auf Spotify von Kontor Media erfolgte. Wie dem auch sei, ich vertrete die Ansicht: Support your local musicans. MP3 Streaming on Spotify kills your ears. You’d better buy the music on CD.

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  4. Pingback: artistxite – eine Alternative zu iTunes & Co. › Juergen

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