Thirsty Moon – von Brain zu Sky Records

By | 3. Februar 2019

Thirsty Moon war eine der ersten Bands, die auf dem Label Brain veröffentlicht wurden. Jane, Grobschnitt und auch die Scorpions gehören zu den Gruppen, deren erste LPs in den 1970er-Jahren auf Brain erschienen sind.

Der erste Teil dieses Artikels ist 2009 mit dem Titel „Thirsty Moon – Krautrock reloaded“ bei Musician’s Life erschienen. Nach 10 Jahren habe ich ihn überarbeitet und ergänzt.


Wenn man heute bei Amazon, Apple Music oder einem anderen Online Anbieter nach Thirsty Moon sucht, findet man sieben Alben, teilweise als CD, einige als Vinyl-Nachpressung und alle zum Download oder Streaming. Dabei habe ich Gebraucht-Angebote nicht mitgerechnet. Die Labels Brain und Sky Records sind Geschichte, aber die Musik gibt es immer noch.

Wie alles begann…

Der Anfang der 1970er Jahre war keine besonders gute Zeit für Live-Bands. Der Boom der „Beatmusik“ war gerade vorüber, DJs zogen in den Diskotheken mehr Besucher an als Live-Gruppen. Das galt sogar für internationale Stars. Jimi Hendrix und Cream spielten z. B. im Club „Scala“ in Herford, einem ehemaligen Kinosaal, anstatt in ausverkauften Stadien, wie das heute der Fall wäre. In Oldenburg bei Bremen spielten Traffic und als Vorgruppe Spooky Tooth mit Mick Jones, der später Foreigner gegründet hat. Der Saal war höchstens halb voll, man konnte problemlos bis vor die Bühne gehen.

Brain und Sky Records

Doch es war auch eine Zeit des Aufbruchs. Das Label Ohr veröffentlichte Bands, die neue Wege gingen, Synthesizer verwendeten und sich nicht nur an Rock und Pop aus England und Amerika orientierten. Die Plattenfirma Metronome rief das Label Brain ins Leben und einer der Gründer des Labels etablierte später seine eigene Firma Sky Records.

Mein Bruder Norbert Drogies (Schlagzeug) und ich (Gitarre) hatten bereits mehrere Bandprojekte hinter uns, als wir 1971 in einer Schallplattenabteilung die LP „Ikarus“ entdeckten. Auf dem Cover fanden wir die Adresse des Produzenten Jochen Petersen und beschlossen, ihm Demos zu schicken. Gerade hatten wir eine neue Gruppe gegründet mit Harald Konietzko (Bass), Erwin Noack (Percussion), Hans Werner Ranwig (Gesang, Orgel), Michael Kobs (Wurlitzer E-Piano, Clavinet) und Willi Pape (Saxofon, Flöte). 


Thirsty Moon 1972
Thirsty Moon 1972
Hans-Werner "Hucky" Ranwig

Hans-Werner Ranwig war schon ein Mitglied der Vorgänger-Band von Thirsty Moon gewesen. Mein Bruder Norbert Drogies und ich hatten mit ihm zusammen bei D.R.P (Drogies-Ranwig-Pickert) gespielt. Als Sänger auf der ersten LP und auf dem Album „Starchaser“ hat er eine wichtige Rolle gespielt.


Willi, der bei einer Werbeagentur arbeitete, kannte von dort die Export-Biermarke „Thirsty Moon“. Wenn ich richtig informiert bin, war es sein Chef, der die Idee hatte, dass das ein guter Bandname sein könnte. Später stellte sich heraus, dass akustisch oft „Thursday Moon“ verstanden wurde und manchmal wurde es auch so gedruckt. Sehr spektakulär visualisiert wurde der „durstige Mond“ auf dem Cover des ersten Albums, das ebenfalls „Thirsty Moon“ heißt. Das Motiv auf unserem ersten Plakat ist von Willi Pape.


Plakat, Design: Willi Pape
Plakat-Motiv, Design: Willi Pape


Klein Hollwedel, Proberaum

Wir probten in einem Wochenendhaus auf einem Bauernhof in Klein Hollwedel, nicht weit von Bremen. Manchmal lief ein Tonbandgerät mit und erstaunlicherweise konnten wir 2006 zwei vorher noch nie veröffentlichte Titel von einem 35 Jahre alten Tonband – mono, Bandgeschwindigkeit 9,5 cm/sec – als Bonus-Tracks verwenden. Bei weitem kein Studiosound, aber authentisches Proberaum-Feeling!


Jochen Petersen aus Hamburg, später unter anderem Mitglied von Randy Pie, meldete sich tatsächlich, nachdem er unser Demoband gehört hatte und erzählte uns vom neu gegründeten Label Brain, für das er zukünftig produzieren sollte. Er lud uns zu Probeaufnahmen nach Hamburg ein, die vom legendären Tonmeister Conny Plank durchgeführt wurden. Er bestand darauf, die Band „live“ im Studio aufzunehmen. Wir bauten also unsere gesamte Anlage auf, einschließlich der Gesangsboxen. Ob es überhaupt Overdubs gab, weiß ich nicht mehr. Einer der Titel, die wir gespielt haben, war „Yellow Sunshine“, später die B-Seite der ersten LP. Allerdings wurden die Songs dafür neu aufgenommen.Tatsächlich kam es wirklich zu einem Vertrag mit Brain.



LP „Thirsty Moon“ 1972

Jochen produzierte 1972 die erste LP „Thirsty Moon“ und Conny Plank saß am Mischpult. 5 Tage gab es für die 16-Spur-Aufnahmen und einen Tag für den Mix, der wesentlich von Conny Plank geprägt wurde, z. B. durch Effekte wie „Bandmaschinen-Flanging“, das durch Abbremsen der Spulen von jeweils einer von zwei parallel laufenden Bandmaschinen mit der Hand erzeugt wurde. Die Band spielte die Grundplaybacks gleichzeitig ein. Der Gesang wurde nachträglich aufgenommen, ebenso ein Teil der Gitarren- und Saxofon-Solos sowie Akustikgitarre und Percussion.


Conny Plank

Conny Plank war als Tonmeister und teilweise auch als Produzent an vielen erfolgreichen Produktionen beteiligt, z.B. Kraftwerk und Neu, schrieb aber auch etwa 10 Jahre später noch Musikgeschichte durch seine Zusammenarbeit mit Ultravox und den Eurythmics.


Die Plattencover unserer drei ersten LPs wurde von Gil Funcius gestaltet und sind mit ihren leuchtenden Farben und surrealistischen Darstellungen Zeugnisse der Zeit. Wir fanden das Titelbild des ersten Albums später sogar in einem Lokal wieder, wo eine ganze Wand damit bemalt worden war.


Einige unserer Stücke, z.B. „Big City“, liefen nicht selten im Radio, es gab Interviews und sogar ein Veranstalter aus den USA zeigte Interesse an der Band. Viele Jahre später bekam ich wieder Kontakt zu diesem Veranstalter über Facebook. Er teilte mir mit, es sei gut gewesen, dass wir damals nicht in die USA gereist wären. Sein Veranstaltungs-Unternehmen für Rockkonzerte war leider nicht erfolgreich.

Skylab Flyer
Skylab Flyer

Trotz einiger Ankerkennung von außen gab es Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe. Einige Mitglieder wollten sich mit der bisherigen Musik nicht mehr identifizieren. Sie wollten am liebsten nur noch improvisieren und eventuell eine eigene Band gründen. Als Alternative war im Gespräch, dass alle zusammen als WG in ein Bauernhaus auf dem Lande ziehen und dort wohnen, ihre Jobs aufgeben und nur noch Musik machen sollten. Nicht jeder war dazu bereit, ich wohl am wenigsten.

Im Gegensatz zu anderen Bandmitgliedern legte ich auch immer Wert auf durchkomponierte Stücke, am liebsten mit Gesang. Meine Vorbilder in dieser Richtung waren die Jimi Hendrix Experience und Traffic; da gab es richtige Songs und trotzdem längere Improvisations-Parts, vor allem live. Einige Mitspieler tendierten aber mehr in Richtung Soft Machine und Miles Davis.

Wir bekamen das Angebot, während einer Rundfunksendung live im Sendesaal von Radio Bremen zu spielen und nahmen es auch an, allerdings war Hans-Werner Ranwig schon nicht mehr dabei. Es war Anfang 1973 und ich kann mich nur noch teilweise an die bunte Mischung der Interpreten in dieser Sendung erinnern. Bei den Proben wurde die jugendliche Marianne Rosenberg von ihrer Mutter betreut, während Udo Lindenberg, damals noch ganz am Anfang seiner Karriere, die Sektflasche kreisen ließ.

Yellow Sunshine

Das erste Album mit dem Titel „Thirsty Moon“ wurde 1979 ein zweites Mal unter dem Titel „Yellow Sunshine“ herausgebracht, als Teil der Aktion „Rock on Brain“. Diese LP hat kein Klapp-Cover.

LP „You’ll never come back“ 1973

„You’ll never come back“ sollte unser zweites und nach dem Willen einiger Mitspieler letztes Album werden. Sänger und zweiter Gitarrist war nun Siegfried „Pisi“ Pisalla. Während der Aufnahmen im Studio Maschen konzentrierte sich jeder auf die Musik und es entstand ein gutes, engagiertes Zusammenspiel. Jochen Petersen produzierte auch diese LP. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer freundschaftlich und entspannt. Am Mischpult saß dieses Mal Volker Heintzen. Im Studio traf man dann auch ab und zu andere Musiker. Mir ist Achim Reichel in Erinnerung geblieben, der nach seiner Zeit mit den Rattles und Wonderland auf einem völlig anderen Kurs war und unter dem Namen Achim Reichel & Machines Instrumentalmusik kreierte.


„You’ll never come back“ 1973

Wie so oft, spielten wir auch in dieser Besetzung einmal im Bremer Szene-Lokal Lila Eule. Nach unserem Auftritt kam Noel Redding, ehemals Bassgitarrist der Jimi Hendrix Experience zur Bühne und bat darum, unsere Anlage und Instrumente benutzen zu dürfen. Er war mit seiner Band Fat Matress zu Aufnahmen für den Beat-Club in Bremen. Sie spielten dann eine Zeit lang, bis Noel Redding, offenbar stark alkoholisiert, mit dem Bass in der Hand von der Bühne kippte.

Mit der Besetzung von „You’ll never come back“ hatten wir dann auch unseren einzigen Fernsehauftritt im Juni 1973 in der ARD-Sendung „Diskus“. Wir spielten live, Bassist Harald verschwand blitzschnell nach dem Auftritt, denn seine Wehrdienstverweigerung war leider nicht anerkannt worden und er musste befürchten, von den Feldjägern „kassiert“ zu werden.

LP „Blitz“ 1975

1974 bestand die Band nur noch aus Norbert und Jürgen Drogies. Während die beiden ersten Alben schon auf 16-Spur-Maschinen im Studio Maschen bei Hamburg aufgenommen worden waren, hatten wir jetzt nur 8 Spuren zur Verfügung. Zu zweit produzierten wir das Album „Blitz“ und spielten darauf alle Instrumente, Norbert Schlagzeug und Bass, ich Gitarre und Keyboards. Es gab noch keine Sequencer und einen Klick-Track als Rhythmusgrundlage verwendeten wir auch nicht. Wir spielten zuerst Schlagzeug und Rhythmusgitarre gleichzeitig ein. Zu diesem Grundplayback spielten wir dann nach und nach alle anderen Instrumente auf das Band. Gesang gab es auf „Blitz“ ursprünglich nicht, das änderte sich erst, als bei der CD-Veröffentlichung Bonus-Tracks hinzugefügt wurden.


Norbert und Jürgen Drogies,
Norbert und Jürgen Drogies, Aufnahmen zu „Blitz“1974

Zu diesem Zeitpunkt wollten wir uns von dem Namen „Thirsty Moon“ trennen. Unsere 2-Mann-Besetzung sollte eigentlich „Blitz“ heißen und das Blitz-Symbol, das man an Hochspannungsmasten als Warnschild sieht, sollte das Logo werden. Wir haben das Album dann bei verschiedenen Plattenfirmen, unter anderem Brain, erfolglos angeboten. Der Label-Manager von WEA versprach immerhin, sich unser Tonband anzuhören. Wir bekamen dann aber doch eine Absage. Sinngemäß sagte er: „Paul McCartney hat auch gerade ein Album herausgebracht, auf dem er fast alles allein spielt. Das ist auch nicht perfekt. Aber – er ist Paul McCartney!“ Im Jahr 1975 boten wir neue Demos bei Brain an. Dort gab es einen neuen Label-Manager. Der gab uns eine Zusage, aber nicht für die neuen Titel, sonder für „Blitz“! Allerdings war die Bedingung, dass die Produktion wieder unter „Thirsty Moon“ veröffentlicht werden sollte. Also waren wir wieder „Thirsty Moon“ und „Blitz“ erschien 1975 bei Brain. „Blitz“ wurde eine erfolgreiche Veröffentlichung, die einen neuen Plattenvertrag mit „Brain“ zur Folge hatte. Die LP wurde sogar in Australien mit offizieller Lizenz gepresst und erschien dort auf dem Label „Clear Light Of Jupiter“.

Die Australische Pressung, Label „Clear Light of Jupiter“
Blitz, Original LP Brain
Blitz, Original LP Brain

Im Jahr 1975 taten wir uns mit dem Keyboarder und Sänger Gert Lueken und dem Bassisten Heinz Sander zusammen, um auch live wieder als THIRSTY MOON aufzutreten.


Thirsty Moon 1975
Thirsty Moon 1975, v. l. n. r.: Jürgen Drogies, Gerd Lueken, Heinz Sander, Norbert Drogies

Die Firma Metronome, zu der das Label Brain gehörte, unterstützte uns dann auch wieder mit Promotion und ließ Bilder von der aktuellen Vierer-Besetzung machen.


Album „I’ll be back – Live ’75“ 1975/2006

Aufgenommen 1975, veröffentlicht 2006 auf CD, Longhair Records

In dieser Besetzung spielten wir am 29. Mai 1975 in der „Lila Eule“ in Bremen und ließen ein Stereo-Tonbandgerät mitlaufen. Es gab nur 2 Mikrofone, kein Mischpult, keine Möglichkeit des „Abmischens“. Es war nicht geplant, diese Aufnahmen zu veröffentlichen, erst als wir im Sommer 2006 das längst vergessene Material entdeckten, kam der Gedanke dazu. Das Tonband hatte, die meise Zeit in einem Keller, 31 Jahre unbeschadet überstanden und die Aufnahmen waren, an den Umständen gemessen, von erstaunlicher Qualität.


Tonband "Lila Eule 1975"
Tonband „Lila Eule 1975“

In Anspielung auf die zweite LP „You’ll never come back“ fiel mir für dieses Album „I’ll be back – Live ’75“ als Titel ein. „I’ll be back“ – „Ich komme wieder“ ist ein Spruch aus Arnold-Schwarzenegger-Filmen. Und wie der Terminator ist auch Thirsty Moon mehr als einmal zurückgekommen. Die (sparsame) tontechnische Nachbearbeitung durch den Münchener Toningenieur Jörg Scheuermann sorgte für einen transparenten, facettenreichen Sound.


"I'll be back - live", Lila Eule 1975
„I’ll be back – live“, Lila Eule 1975

LP „A real good time“ 1976

1976 hatten wir wieder andere Mitspieler. Junior Weerasinghe saß nun am Schlagzeug und Norbert wechselte zum Bass. Keyboards spielte Serge Weber und Rainer Neumann Saxofon. 


Thirsty Moon 1976
1976 v. l. n. r.: Junior Weerasinghe, Norbert Drogies, Serge Weber, Rainer Neumann

Weil Brain sich bereit erklärt hatte, ein weiteres Album zu veröffentlichen, produzierten wir „A real good time“ wieder ganz in eigener Regie. Wie vorher „Blitz“, entstand das Album im Studio von Rudolf Simson in Moordeich bei Bremen. Simson war unter dem Namen Rolf Simson ein bekannter Sänger, privat wurde er Rudi genannt. Er stellte uns sein Studio auch als Proberaum zur Verfügung. Von den dort produzierten Schallplatten erhielt er die Verlagsrechte an den Texten und Kompositionen. Eine sehr faire Lösung, wenn man bedenkt, wie oft und lange wir im Studio geprobt und aufgenommen haben. Das Album enthält eine ungewöhnliche Mischung von Titeln. Neben Pop-Rock-Songs gibt es instrumentale Jazz-Rock,- oder auch Fusion-Nummern. Als ich 2018 das digitale Re-Mastering gemacht habe, fiel mir auf, wie sauber und fantasievoll Rainer Neumann Saxophon gespielt hat. Nicht wild und avantgardistisch, aber man kann ja verschiedene Stile mögen. Die Mischung machte Norbert Drogies und er saß auch bei den Overdubs am Mischpult, wenn er nicht selbst spielen musste. „A real good time“ bekam ein positive Rezension in der Jugendzeitschrift Bravo. Ein kommerzieller Erfolg wurde die LP trotzdem nicht. Erst bei der online-Veröffentlichung 2018 konnte ich auf Facebook reges Interesse registrieren. Also – geht doch! 😉


"A real good time", Front-Cover
„A real good time“, Front-Cover
A real good time, Cover Rückseite
A real good time, Cover Rückseite


Album „Lunar Orbit“ 1976/2011

Aufgenommen 1976, veröffentlicht 2011 auf CD, Sireena Records

Eine große Überraschung war 2011 die Nachricht über einen Live-Mitschnitt eines Thirsty-Moon-Konzerts von 1976. Der Auftritt war in Stagge’s Hotel in Osterholz-Scharmbeck aufgenommen worden. Niemand wusste davon. Ich nehme an, es ist damals gesagt worden, dass mitgeschnitten wird, aber falls es so war, fehlt doch die Erinnerung daran. Aber egal, das Label „Sireena“ bot an, das Konzert als CD zu veröffentlichen. Seitdem gibt es noch ein live eingespieltes Thirsty-Moon-Album. Die Besetzung ist wie beim Studio-Album „A real good time“, aber es wurden Titel aus allen Schaffensperioden von Thirsty Moon gespielt. Zusätzlich gibt es hier eine Coverversion des Titels „Third stone of the Sun“ von Jimi Hendrix.


"Lunar Orbit",
„Lunar Orbit“, live in Stagge’s Hotel

I’ll sing your song

1977 hatte sich die Besetzung wieder geändert. Sie lautete jetzt: Junior Weerasinghe (Drums), Uli Harmssen (Keyboards), Norbert Drogies (Bass), Jürgen Drogies (Gitarre). 


Thirsty Moon 1977
Thirsty Moon 1977

In dieser Gruppierung spielten wir recht erfolgreich im Gulfhaus Vechta. Wir wurden noch einmal eingeladen dort zu spielen, und zwar während der live-Übertragung einer Radiosendung. Während des Auftritts schnitten wir zwei Songs auf einer geliehenen 4-Spur-Tonbandmaschine mit. Die Aufnahmen wurden im Studio in Moordeich gemischt. Die beiden Songs „I’ll sing your song“ und „Caught“ erschienen 1977 als Single bei Rolf Simsons Label Boccaccio und wurde von uns auch bei Konzerten verkauft. Beide Songs sind heute als Bonus-Tracks auf der CD-Version von „Blitz“ zu hören!


Single, Gulfhaus Vechta, live
Single, Gulfhaus Vechta, live

Starchaser 1981

1979 bekamen wir die Chance, ein Album im bekanntesten und am besten ausgestatteten Studio Bremens aufzunehmen, im Studio Nord. Das Studio gehörte wieder einem Sänger, nämlich Ronny, mit bürgerlichem Namen Wolfgang Roloff. Ronny war auch Komponist und Produzent und trotz seiner großen Erfolge im Schlagersektor musikalisch für alles offen. Auf unserer Aufnahme „Lovers on the run“ singt er Background-Vocals und bei „The seals“ hat er Soundeffekte mit der Geige beigesteuert. Weil es gerade mal keine aktuelle Live-Besetzung gab, wurden bei„Starchaser“ ähnlich wie beim Album „Blitz“ die Instrumente zum größten Teil von Norbert und mir eingespielt. Norbert spielte Bass und Schlagzeug bis auf den Titel „Who’s gonna save the world?“, bei dem Junior Weerasinghe die Drums gespielt hat. Ich habe Gitarren und Keyboards bedient, wobei mir das Experimentieren mit dem im Studio vorhandenen Mellotron viel Spaß gemacht hat. Den Gesang übernahm wieder „Hucky“ Hans-Werner Ranwig, der zur allerersten Besetzung von Thirsty Moon gehört. Weitere Einzelheiten zur Produktion habe ich in meinem Artikel Digitales Remastering: Thirsty Moon 1976/79 beschrieben.


Cover Rückseite "Starchaser"
Cover Rückseite „Starchaser“

Cover "Starchaser", Sky Records 1981
Cover „Starchaser“, Sky Records 1981


Plattenfirmen und neue Vertriebswege

Von Brain zu Sky Records – dazwischen noch die Single bei Boccaccio. Doch heute haben sich die bevorzugten Vertriebswege geändert. Die Veröffentlichungen nach der Jahrtausendwende fanden zunächst auf CD statt. Brain und Sky Records gab es nicht mehr, Longhair Records und Sireena hießen die legalen Nachfolger. Nun war die CD der aktuelle Tonträger, nur die ersten beiden Alben wurden von LongHair auch noch einmal in Vinyl gepresst. Während diese Firmen die Vervielfältigungsrechte besitzen, gibt es auch illegale Pressungen. Zunächst wurden die ersten drei LPs ohne Autorisierung von einer Firma aus Luxemburg auf CD herausgebracht. Später gab es noch ein russisches Label mit dem selben Tatbestand. Aber, auch wenn davon kein Rubel zu uns herüber gerollt ist, gefällt mir der Gedanke, dass noch Jahrzehnte nachdem diese Aufnahmen entstanden sind, sich jemand die Musik anhört. Seit 2018 stehen alle fünf Studioproduktionen und die beiden Live-Alben auch im Internet bei Spotify, Apple Music, Deezer, Google Play und anderen Online-Diensten zum Anhören und auch zum Download zur Verfügung.

Back to the moon

Ich selbst habe nie mit der Musik aufgehört und bin vor etwa 10 Jahren, als die ersten Thirsty Moon Wiederveröffentlichungen auf CD herauskamen, auf die Idee gekommen, dort wieder anzuknüpfen, wo wir einmal aufgehört hatten. Das Projekt heißt Back to the Moon und ist eine, für mich zeitgemäße Weiterentwicklung des Konzepts, Instrumentalmusik und Gesang zu verknüpfen, so wie ich es mir als Gründungsmitglied von Thirsty Moon vorgestellt hatte. Mit Back to the Moon erhebe ich nicht den Anspruch, irgend einen der früheren Mitmusiker zu ersetzen. Ich habe auch nicht versucht, bewusst „vintage“ zu klingen, sondern aktuelle Plug-ins verwendet, die ich zum größten Teil auch für music-knowhow getestet und beschrieben habe. Das ist einfach mein ganz eigenes Ding!

Back to the moon gibt es jetzt auch schon seit einem Jahrzehnt. Fast alles, was ich in dieser Zeit mit diesem Projekt hervorgebracht habe, steht bei den Musik-Streaming-Diensten Spotify, Apple Music, Deezer, Amazon music, Google Play und anderen Anbietern zur Verfügung. Wie gering der finanzielle Erlös beim Streaming ist, habe ich hier in einem Artikel beschrieben. Aber darauf kommt es mir nicht an, ich freue mich über jeden, der sich die Musik anhört. Als Kostprobe hier ein pre-listening-player zu meinem Album „Colors of the sky“. Hört doch mal rein!

Zu diesem Album gibt es hier auch einen eigenen music-knowhow-Artiklel.

Aktuelle Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis aller Artikel auf facebook hier…

2 thoughts on “Thirsty Moon – von Brain zu Sky Records

  1. Jürgen Drogies

    Ja, manches wünscht man sich nicht unbedingt zurück 🙂

    Reply

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