Test: IK Multimedia – Leslie

By | 31. März 2018

Die umfangreichste und detailgetreuste Software-Emulation der Rotor-Lautsprecher-Anlagen, bekannt unter dem Markennamen „Leslie“, kommt von IK Multimedia aus Italien. 5 Leslie-Amps und 6 Speaker-Cabinets stehen im Plug-in zur Verfügung.

Leslie who?

Leslie ist auch ein Vorname, klar, aber ich denke dabei immer an typischen Hammond-Sound von Rockbands der 70er Jahre und danach. Das geht aber nicht jedem so, das habe ich in der eigenen Familie getestet, deshalb hier eine kurze Erklärung.

 

Leslie – the real thing

Eine Leslie-Box, die meistens an eine elektrische Orgel angeschlossen ist, sieht aus wie eine Truhe aus Holz mit Luft-Schlitzen oben und unten. Im Inneren befindet sich oben ein Paar drehbarer Lautsprecher-Hörner. In der Mitte sitzt ein Basslautsprecher, der nach unten in eine drehbare Trommel abstrahlt. Bei einigen Modellen ist der Basslautsprecher in der Trommel montiert. Durch die Drehung wird ein Doppler-Effekte erzeugt, eine Modulation von Tonhöhe und Klang, die dem Sound Schwebungen verleiht. Es gibt zwei Geschwindigkeiten. Sehr attraktiv klingen Beschleunigung und Abbremsen beim Ändern des Rotations-Tempos. Um den Leslie-Effekt realistisch aufzunehmen, braucht man mindestens zwei Mikrofone. Das seit 1940 gebaute Gerät wurde nach seinem Erfinder Donald Leslie benannt und wird heute von Hammond USA und Suzuki Music Corp. of Japan hergestellt.

Ich habe den Leslie-Sound vor vielen Jahren im Bremer Szene-Lokal „Lila Eule“ kennengelernt. Die Roadies einer Band mussten eine Hammondorgel und ein Leslie-Kabinett, beides Schwergewichte, die steile Treppe hinunter bugsieren. Der Sound war einfach toll. Später schaffte sich der Organist meiner früheren Band ebenfalls ein Leslie an. Seine Farfisa-Orgel, damals ein neues Modell, das sich von den Vorgängern durch gute Sounds unterschied, klang mit Leslie fast wie eine Hammond.

 

 

IK Multimedia AmpliTube Leslie und T-RackS Leslie

Beide Produkte, die auch als Bundle „Leslie Collection“ erhältlich sind, haben den gleichen Funktionsumfang. Sowohl von AmpliTube 4 als auch von T-RackS 5 gibt es Free-Versionen, sodass keine Zusatzkosten entstehen, falls man bisher weder die eine noch die andere Software-Suite besitzt. T-RackS-Module lassen sich außerdem auch als selbständige Plug-ins in einer DAW laden.

 

T-RackS-Version und AmpliTube-Version

 

Viele Orgel-Plug-ins haben bereits einen Leslie-Effekt an Bord, das könnte man dem neuen Produkt entgegenhalten. Diese Effekte klingen recht gut, ich habe sie auch schon eingesetzt. Aber das Bessere ist des Guten Feind, heißt es. Der typische Leslie-Sound ist sehr komplex. Der Schall der Rotoren wird vielfach reflektiert und ist deshalb auch nur mit mehreren Mikrofonen realistisch einzufangen. Die Reflexionen haben geringfügig unterschiedliche Tonhöhen, die sich ständig dynamisch ändern und Schwebungen erzeugen, die anders klingen als elektronische Chorus- oder Phasing-Effekte. Viele zeitabhängige Klangveränderungen entstehen beim Leslie gleichzeitig und stellen hohe Ansprüche an die Modeling-Technologie. Durch Verwendung von IK Multimedias patentierten Technologien Dynamic Interaction Modeling™ und Volumetric Response Modeling™ wurde ein authentischer Leslie-Sound realisiert, der sowohl das Verhalten der Verstärker-Schaltkreise und Röhren, als auch die Akustik der Kabinette mit der Rotor-Mechnanik berücksichtigt. Hinzu kommt die offizielle Lizensierung durch den Hersteller der Geräte mit der Berechtigung, den Namen Leslie® zu verwenden.

 

Die Modelle

Seit der Markteinführung sind natürlich immer wieder neue Leslie-Modelle erschienen. Sowohl das Verstärkerteil, als auch das Rotor-Kabinett wurden im Laufe der Jahre verändert. Die Software-Emulation macht es möglich, die verschiedenen Modelle direkt zu vergleichen – und tatsächlich klingen alle etwas anders! Gerade bei Vintage-Equipment haben ältere Modelle oft einen besonderen Sound, der bei Neuerscheinungen trotz des technischen Fortschritts nicht mehr genauso vorhanden ist. Eine zusätzliches Feature von IK Multimedia Leslie besteht darin, dass man sowohl Amp- als auch Cabinet-Modelle „on the fly“ austauschen kann. Dadurch ergeben sich mehr Kombinationsmöglichkeiten als bei der Hardware.

Amps:

Leslie 147, 122, 122A, 3300w, G-37/Studio 12

Cabinets:

Leslie 147, 122, 122A, 3300w, G-37, Studio 12

 

Das Interface

Im Zentrum des Plug-in-Fensters ist das Leslie-Kabinett mit vier Mikrofonen zu sehen, deren Position sich verändern lässt.

 

Leslie T-RackS als Single-Plug-in

 

Das Bedien-Panel im linken Drittel hat drei Pages. Auf dem Screenshot mit dem geschlossenen Leslie ist der Bereich SETUP zu sehen. Dort sind 6 Regler angeordnet, mit denen ein Federhall zum Signal hinzugemischt werden kann und sich Mikrofonabstand, Rotorgeschwindigkeiten, Beschleunigungs- und Bremsverhalten bestimmen lassen. Direkt darunter befindet sich der Umschalter zwischen langsamer und schneller Drehgeschwindigkeit und die „Bremse“ für den Betrieb im Stillstand.

Im rechten Drittel ist der Mixer angeordnet. Panorama- und Lautstärke der vier Mikrofone lassen sich getrennt einstellen; ein Stereo-Paar ist für die Hochtöner und eines für den Bassbereich, dazu kommt ein Summen-Fader.

 

 

Ein Klick auf die Verkleidung des Kabinetts gibt den Blick in das Innere frei. Beide Rotor-Einheiten sind perfekt animiert und reagieren auf die eingestellte Geschwindigkeit. Das Auge hört mit! Mir gefällt so etwas, vor allem, wenn das Ohr ebenfalls zufrieden ist. Und das ist hier der Fall.

Die Abbildung mit dem offenen Leslie zeigt links die AMP-Page. Die Einstellungen wirken sich nicht nur auf Lautstärke, Höhen- und Basswiedergabe aus, sondern ermöglichen durch unterschiedliches Ansteuern des Röhren-Verstärkers Sättigungs- und Verzerrungseffekte.

Die dritte Bildschirmseite EQ zeigt den 3-Band-Equalizer mit regelbarer Flankensteilheit der Mitten.

 

Die dritte Page mit den EQ-Einstellungen

 

Verwendet man anstatt der T-RackS-Version AmpliTube 4, werden Amp und Cabinet einzeln dargestellt. Beim Einschalten glühen die Röhren auf, beim Ausschalten werden sie gedimmt. Cooler Effekt!

 

Jeder Amp hat in AmpliTube 4 seine eigene fotorealistische Darstellung mit animiertem Glimmen der Röhren!

 

Leslie in Black. Nicht alle Geräte sind braun: Leslie Cabinet Studio 12 – „Das kleine Schwarze“:

 

 

Hörbeispiele:

Wer Leslie sagt, muss auch Hammond sagen – jedenfalls meistens. Die B3 Organ von Logic Pro X dient als Klangerzeuger, im ersten Abschnitt ohne, im zweiten mit IK Multimedia Leslie:

 

Ein anderer B3-Sound und ein anderer Musikstil:

 

Eine 1-stimmige Melodie, zunächst mit dem Leslie-Effekt des Plug-ins (NI Vintage Organs). Der Key-Click gehört zum Orgel-Preset und ist kein Störgeräusch.

 

Die selbe Aufnahme, aber mit dem Leslie von IK-Multimedia. Schon der Amp-Sound ist „fetter“ und die Rotor-Wirkung hat viel mehr Tiefe:

 

Ein Gitarren-Arpeggio vom Native Instruments Plug-in Electric Sunburst mit Leslie:

 

Eine eigene Gitarrenaufnahme, ebenfalls mit IK Multimedia Leslie in zwei Geschwindigkeiten:

 

Mal eine ganz andere Klangquelle, ein Mellotron-Chor. Im ersten Abschnitt ohne, im zweiten mit Leslie:

 

Zurück zur Orgel. Um den Übergang zwischen langsamer und schneller Leslie-Geschwindigkeit zu betonen, habe ich die Beschleunigungs- und die Abbremse-Zeit verlängert:

 

Noch einmal dieselbe Aufnahme, aber „mit etwas mehr Kick“ durch höheres Ansteuern der Röhren.

 

Fazit

Mit IK Multimedia Leslie ist es meiner Meinung nach zum ersten Mal gelungen, den Leslie-Sound originalgetreu mit einem Plug-in in der DAW zu erzeugen. Die Software bietet weit mehr als nur den Rotor-Effekt. Mit der gleichen Technologie, mit der auch Verstärker und Lautsprecherboxen von AmpliTube geschaffen wurden, wurden die unterschiedlichen Amps und Cabinets der Leslie-Baureihen analysiert und virtuell nachgebaut. Die Version T-RackS Leslie bietet den Vorteil, dass das Leslie-Plug-in auch als Einzelmodul in der DAW verwendet werden kann. AmpliTube Leslie bietet innerhalb von AmpliTube 4 alle Features dieser Suite, wie die Möglichkeiten Stomp- Insert- und Rack-Effekte zusätzlich zu benutzen. Sowohl die T-RackS- als auch die AmpliTube-Version kann innerhalb der jeweiligen Suite auch als Stand-alone-Gerät eingesetzt werden. Der Leslie-Effekt wird traditionell vorwiegend für Orgel-Sounds verwendet, aber auch E-Gitarre und E-Piano eignen sich gut. Und auch sonst sind der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt! IK Multimedia Leslie ist eine Empfehlung für jeden, der Wert auf einen authentischen Leslie-Sound ohne Kompromisse legt.

 

Systemvoraussetzungen: macOS oder Windows, 64 Bit

 

Preise*

AmpliTube Leslie und T-RackS Leslie je €129,99

Leslie Collection € 179,99

Amp einzeln €24,99

Cabinet einzeln €34,99

Bis einschließlich 2.Mai 2018 gelten günstigere Einführungspreise.

*Preise online ermittelt am 30.03.2018

Website des Herstellers: IK Multimedia

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