Test: Audified – ToneSpot Acoustic Pro

By | 4. Mai 2019

Wenn eine ganze Kette von Plug-ins durch ein einziges Plug-in ersetzt werden kann, ist das interessant. ToneSpot Acoustic von Audified ist auf Saiteninstrumente spezialisiert.

Die Aufnahme von Saiteninstrumenten wie akustischen Gitarren erfordert gute Mikrofone und eine gute Raumakustik. Aber auch die beste Aufnahme lässt sich selten ohne Nachbearbeitung in einen Mix integrieren, denn das Instrument soll sowohl „durchsetzungsfähig“ klingen, als auch Konflikte mit den Frequenzen anderer Instrumente vermeiden. Bei einer DAW-Produktion bedeutet das den Einsatz von mehreren Plug-ins: Equalizer, Kompressor, Delay und Hall sind hier die üblichen Verdächtigen. ToneSpot Acoustic bietet all diese Funktionen und noch mehr. Neben Westerngitarren und Konzertgitarren eignen sich aber auch Streichinstrumente oder Piano.


Audified ToneSpot Acoustic

Die Grafik

Das Plug-in-Fenster lässt sich zoomen, das finde ich sehr angenehm. Laptop-User werden sich genauso darüber freuen, wie Benutzer von großen Monitoren, vor denen man nicht unbedingt so dicht sitzt, dass winzige Bedienelemente und Beschriftungen, wie sie manche Hersteller verwenden, gut erkennbar sind. Es gibt nur eine Page und alle Elemente sind logisch und übersichtlich angeordnet.

Die Bedienung

Auf den ersten Blick sieht man eine Vielzahl von Reglern, wenn man aber bedenkt, dass eine ganze Kette von Plug-ins mit ToneSpot Acoustic Pro ersetzt werden kann, sind es eher wenige. Das Bedien-Panel ist in acht Bereiche aufgeteilt:

  • Character – grundsätzliche Klangfarbe
  • Saturation – Röhrensättigung
  • Shaping – Breitband EQ
  • Punch – Kompressor mit langer Ansprechzeit
  • Surgery – chirurgischer Schmalband EQ
  • Smash – Kompressor mit kurzer Ansprechzeit
  • Effects – Tremolo, Chorus, Flanger, Phaser, Delay, Reverb
  • Finalizer – Multiband Kompressor und Mastering EQ

Hier fällt gleich auf, dass man für die Kategorien und Funktionen anstelle technischer Ausdrücke wie Equalizer und Compressor solche Begriffe gewählt hat, die die erwünschten Klangeigenschaften beschreiben. Innerhalb der Bedienfelder wird diese Methode fortgesetzt, was jedem die Bedienung erleichtert, der lieber in musikalischen Begriffen denkt, als in mathematischen. Jeder dieser acht Bereiche lässt sich mit einem Button ein- oder ausschalten.

Bedienungsanleitung

Obwohl kaum ein anderes Plug-in eine so übersichtliche und beinahe selbsterklärende Oberfläche hat wie ToneSpot Acoustic Pro, ist es hilfreich, das ebenfalls übersichtliche User-Manual zu beachten. Es lässt sich direkt über das Schraubenschlüssel-Icon im Kopfbereich aufrufen.

Wie arbeitet ToneSpot Acoustic Pro?

Equalizer

Um den Klang eines Instruments zu bearbeiten, muss Einfluss auf sein Frequenzspektrum genommen werden. Hier bietet ToneSpot Acoustic Pro die meisten und differenziertesten Funktionen. Character, Shaping, Surgery und Finalizer verfügen über Equalizer für unterschiedliche Frequenzbereiche mit verschiedenartigen Filter-Typen und unterschiedlicher Flankensteilheit. Shaping besitzt die meisten Klangeinstellungen. Neben Low-cut und Hi-cut gibt es hier noch 6 Frequenzbereiche, deren Center-Frequenz sich jeweils zwischen zwei Möglichkeiten umschalten lässt. Die Frequenzen sind so gewählt, dass typische Klangeigenschaften von Saiteninstrumenten hervorgehoben oder abgesenkt werden können. Die Flankensteilheit, der in diesem Bereich verwendeten Filter, ist niedrig. Wer steilflankige Filter benötigt, beispielsweise um störende Frequenzen aus einer Aufnahme zu entfernen, wird im Bereich Surgery fündig. Das dort vorhandene „chirurgische“ Filter lässt sich frei zwischen 20 Hz und 20 kHz durchstimmen und besitzt eine Hi-Q Modus. Der erste Bereich Character und auch der Finalizer als letzter Funktionsbereich, arbeiten ebenfalls mit mehreren Filterbändern, hier gibt es aber nur Ein-und Ausschalter.

Dynamik

Die Begrenzung der Dynamik von Saiteninstrumenten ist sinnvoll, wenn der Ausklang verstärkt und zu kräftige Anschläge „gebändigt“ werden sollen. Wer hier zugleich unauffällig und wirksam vorgehen will, verwendet mehrere Kompressoren mit unterschiedlichen Einstellungen in einer Reihe. Genau das ist auch mit Audified ToneSpot Acoustic möglich. Punch verwendet eine relativ langsame Attack-Zeit, während Smash mit kurzer Attack Transienten in den Griff bekommt. Beide Kompressoren haben mehrere Einstellmöglichkeiten. Finalizer komprimiert in der Einstellung Tight zusätzlich durch Multiband-Kompression. Alle drei Dynamikwerkzeuge sind sehr wirksam, man muss vorsichtig damit umgehen, um die Wirkung nicht zu übertreiben. Eine LED-Kette zeigt bie Punch und Smash den aktuellen Grad der Kompression an.


GR = Gain Reduction zeigt die aktuelle Kompression an

Sättigung und Effekte

Gleich der zweite Einstellungsbereich ist mit Saturation bezeichnet und erzeugt einen Röhren-Sättigungseffekt. Der Abschnitt vor dem Finalizer enthält Modulations- und Raumeffekte. Die Modulationseffekte halte ich für geeignet, wenn das Instrument im Background spielt. Delay und Reverb finde ich enttäuschend, auch wenn das nicht schlimm ist, weil jede DAW solche Plug-ins schon mitbringt. Wer bei den Modulationseffekten Wert auf besondere Sounds legt, wird auch hier zu speziellen Plug-ins greifen.

Presets

Eine große Anzahl von Presets, geordnet in den drei Gruppen Essentiell, Advanced und Extreme, ersparen in vielen Fällen die eigene Einstellung der Parameter. Selbst erstellte Settings lassen sich speichern.

Audio-Beispiele

Beispiel 1:
Ohne Plug-in – ToneSpot „Modern“ – „Scooped“

Westerngitarre pur, modern, scooped

Beispiel 2:
Presets Chorus – Delay – Tape Reverb

Presets mit Effekten: Chorus, Delay, Plate Reverg

Beispiel 3:
Konzertgitarre erst ohne Plug-in, dann mit ToneSpot Acoustic Pro

Zweimal die gleiche Aufnahme, einmal ohne einmal mit Plug-in

Fazit

Audified ToneSpot Acoustic Pro ist durchaus, wie es die Werbung verspricht, das „Schweizer Offiziersmesser“ zur Nachbearbeitung von Akustikgitarren-Aufnahmen und von Aufnahmen anderer Saiteninstrumente. Es ersetzt nicht nur mehrere Plug-ins durch ein einziges, es wäre auch viel aufwändiger, universelle EQ- oder Dynamik-Plug-ins an die Besonderheiten von Saiteninstrumenten anzupassen und die relevanten Einstellbereiche zu finden, vor allem, wenn man darin nicht geübt ist. In erster Linie haben mich die zahlreichen Klangfilter, die auf spezielle typische und auch kritische Frequenzbereiche dieser Instrumente abgestimmt sind, beeindruckt. Auch die Dynamikwerkzeuge machen einen guten Job, man muss aber aufpassen, nicht zu viel des Guten zu tun. Nicht in jedem Fall muss jeder der einzeln schaltbaren Bearbeitungsbereiche aktiviert werden. Die Effektabteilung hat mich etwas enttäuscht, vor allem im Bereich Delay und Reverb. Die positiven Eigenschaften des Plug-ins überwiegen, deshalb kann ich es als wirkungsvollen Klangverbesserer empfehlen. Die übersichtliche Grafik und intuitive Bedienbarkeit machen Audified ToneSpot Acoustic Pro zu einem wertvollen Helfer beim Aufnehmen und Mischen mit der DAW.

Systemvoraussetzungen

macOS 10.9 und neuer
Windows 7 und neuer

Plug-in Formate

AAX, AU, VST3, VST2

Preis

€ 99,- (Preisangabe unverbindlich, online ermittelt am 04. Mai 2019)

Hersteller: Audified

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