Test: Leapwing Audio – DynOne Multiband Parallelkompressor

By | 7. April 2019

DynOne von Leapwing Audio ist ein Plug-in, das mit paralleler Multibandkompression Details der Musik hervorhebt. Einzelinstrumente bekommen mehr Punch, im Mix sorgt DynOne für Transparenz.

Leapwing Audio DynOne

Das Plug-in für Mac und PC ist ein Multibandkompressor mit 5 Frequenzbändern und eignet sich für Einzelsignale, aber besonders für Mixing und Mastering.

Innovativ

Musik wird heute oft „in the box“ gemischt. Zwar gilt aufwändiges Outboard-Equipment immer noch als Nonplusultra, aber in den meisten Fällen steht das nicht zur Verfügung. Damit der Mix trotzdem „amtlich“ klingt, gibt es zahlreiche Plug-ins, die analoge oder digitale Hardware nachbilden. Neben dem Ansatz, bewährte Geräte in Softwareform zu emulieren, gibt es auch Neuentwicklungen, die sich an dem Ziel orientieren, den Mix besser klingen zu lassen, ohne den Sound von beliebten Geräten nachzubilden. Leapwing Audio DynOne gehört zur zweiten Gruppe und verwendet Multibandkompression mit hochwertigen Filtern, kombiniert mit Parallelkompression. Neben dem Einsatz als Kompressor lässt sich Leapwing Audio DynOne auch als Expander einsetzen.


Leapwing Audio DynOne
Leapwing Audio DynOne

Parallelkompression ist ein Verfahren, bei dem einem unkomprimierten Signal das komprimierte Signal stufenlos beigemischt werden kann. Der Sound wird verdichtet, gleichzeitig bleiben Transienten erhalten und damit der perkusssive Charakter bestimmter Instrumente.

Ein Multibandkompressor wirkt jeweils auf ein bestimmtes Frequenzband, ohne die benachbarten Frequenzen mit zu beeinflussen. Indem man die Frequenzbänder unterschiedlich komprimiert und in der Lautstärke regelt, lässt er sich auch ähnlich wie ein Equalizer einsetzen.

Die Bedienung

In der Grundeinstellung ist bei DynOne Parallelkompression eingeschaltet, sie lässt sich aber auch deaktivieren. Mir ist sofort aufgefallen, dass großer Wert auf Bedienungsfreundlichkeit gelegt wurde. Einfach im Mix die Fader der fünf Frequenzbänder gemeinsam hochziehen, und schon klingt es besser. Shortcuts erleichtern die Bedienung, übersichtliche Displays zeigen an, was gerade passiert. Neben den LED-Ketten für Input- und Output gibt es Pegelanzeigen für jedes der 5 Frequenzbänder, neben denen jeweils ein schmaler Balken die Pegelreduktion durch den Kompressor anzeigt. Die Frequenzbänder können verkettet werden, entweder alle, oder auch nur einige nach Wunsch des Benutzers. Unter den Input- und Output-Anzeigen wird der aktuelle Pegel numerisch in RMS und LUFS dargestellt.

Praktisch ist es, dass bei gedrückter Shift-Taste der Ausgangspegel um den gleichen Wert reduziert wird, mit dem der Eingangspegel angehoben wird. Eine andere nützliche Funktion ist der Bypass-Schalter, mit dem sich die Sound-Bearbeitung unter Beibehaltung der Latenz ausschalten lässt, sodass kein zeitlicher Sprung entsteht. Für einen A/B-Vergleich kann man zwischen zwei Einstellungen hin- und her-schalten. Es gibt Buttons, mit denen ein Bearbeitungsschritt rückgängig gemacht oder wiederholt werden kann.


DynOne Presets-Menü
DynOne Presets-Menü

Die zahlreichen Presets enthalten spezialisierte Einstellungen, die für den jeweiligen Zweck optimiert sind. Allerdings sind diese nur ein Ausgangspunkt zur Anpassung an die jeweilige Aufgabe.


DynOne Control
Zusätzliche Einstellungen im Bereich CONTROLS

„Unter der Haube“ gibt es viele zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten. Unter dem Reiter GLOBAL lässt sich unter anderem die Parallel-Kompression ausschalten. Auf die Parameter THRESHOLD, RATIO, ATTACK und RELEASE hat man unter den Reitern des jeweiligen Frequenzbands Zugriff. ATTACK und RELEASE werden automatsch innerhalb eines einstellbaren Bereichs geregelt.


DynOne Middle FQ Control
Hier lassen sich die Kompressions-Parameter nach Wunsch einstellen.

Sehr wichtig ist der letze Kontrollbereich SETTINGS. Hier lassen sich die Crossover-Filter zwischen ULTRA QUALITY und einer Einstellung mit geringerer Latenz und weniger CPU-Last umschalten. ULTRA QUALITY war bei mir unter macOS mit Logic Pro X nicht verwendbar, sobald das Plug-in in einem Mix mit vielen Spuren, die virtuelle Instrumente und Audioa-Effekte enthielten, eingesetzt wurde. Beim Mastering einer Stereo-Datei gab es aber kein Problem. In der ebenfalls gut klingenden Einstellung LOW LATENCY ließen sich zahlreiche Instanzen verwenden. Außerdem beträgt die Latenz dann weniger als 2ms.


DynOne Settings
Sehr wichtig unter SETTINGS ist die Latenz/Qualitäts-Einstellung.

Audio-Beispiele

Mein erstes Hörbeispiel ist ein Drum-Loop. Ich habe hier das Preset snappy snare verwendet, ohne die Werkseinstellungen zu verändern. Die Qualitäts-Einstellung ist LOW LATENCY. Es sind vier Takte ohne Plug-in zu hören, dann wurde DynOne zugeschaltet. Der Unterschied ist deutlich zu hören.

Drum-Loop, nach 4 Takten wurde DynOne eingeschaltet

Als Nächstes zwei Mastering-Beispiele. Weil DynOne keine Limiter-Funktion hat, habe ich hinter dem Plug-in Logics Adaptive Limiter eingesetzt. DynOne wurde im Modus ULTRA QUALITY benutzt. Das erste Beispiel mit handgespielten Gitarren und Gesang ist ein Pop-Song Demo. Im zweiten Beispiel sind nur elektronische Klänge zu hören. Bis auf die Drums (Native Instruments Maschine Selection) wurden alle Sounds mit IK Multimedia Syntronik erzeugt.

Es ist jeweils ein Abschnitt ohne DynOne und ein zweiter Durchgang mit DynOne zu hören. Der Logic Adaptive Limiter ist beide Male aktiv, um Pegel und Lautheit etwa auf dem gleichen Stand zu halten. Die Dateien wurden beim Bouncen normalisiert, um die Pegelspitzen genau anzugleichen.

Pop-Demo, ohne und mit DynOne


Elektronik-Demo, ohne und mit DynOne.


Fazit

Das Plug-in dürfte vor allem Gegnern des Loudness War gefallen, denn ein „besserer“ Klang, der durch mehr Lautheit erzielt wird, kann Verzerrungen erzeugen und zu einem „gequetschten“ Sound ohne Dynamik führen. Bei der Verwendung von Leapwing Audio DynOne ist das nicht der Fall. Trotzdem ist es oft erwünscht, einen Mix beim Mastering lauter zu machen, man muss es ja nicht gleich übertreiben. Ich würde deshalb DynOne hier als vorletztes Plug-in einsetzen und als letztes einen Brickwall-Limiter, der Übersteuerungen verhindert und zusätzliche Lautheit bewirkt. Als nachteilig empfinde ich es, dass nach einem Wechsel des Presets manchmal automatisch Ultra Quality eingestellt wird, auch wenn vorher Low Latency gewählt wurde. Leapwing Audio DynOne ist übersichtlich gestaltet, deshalb leicht zu bedienen und sorgt für einen edlen Sound. Ich empfehle jedem Interessenten, die Demo-Version auszuprobieren!

Systemvoraussetzungen

64-Bit, PC mit Windows 8 oder 10, Mac mit macOS 10.10 oder höher

Plug-in Formate

VST, VST 3, AAX, AU

Preis

€ 199,- (Preisangabe unverbindlich, online ermittelt am 07. April 2019)

Hersteller: Leapwing Audio

30 Tage Demo Version erhältlich!

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