Test: Eventide – Instant Flanger Mark II

By | 15. Mai 2019

Die Firma Eventide ist ein Pionier im Bereich der digitalen Signalverarbeitung. Mit dem Instant Flanger Mark II wurde die Plug-in Version des legendären Effektgeräts noch mehr an das Original angepasst und mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet.


Das Original

Im Jahr 1976 brachte Eventide den Eventide Clockworks Instant Flanger auf den Markt mit dem sich der Tape-Flanging-Effekt einfacher digital erzeugen ließ, als durch Abbremsen von Tonbandspulen mit der Hand. Der Sound des Eventide Instant Flanger kam dem Originaleffekt sehr nah.

Eventide Clockworks Instant Flanger
Das Originalgerät: Eventide Clock Works Instant Flanger

Das Plug-in

Eventide Instant Flanger Mark II bildet nicht nur die Klangeigenschaften der Hardware noch präziser nach als die Vorgängerversion, sondern fügt neue Funktionen hinzu.

Eventide Instant Flanger Mark II
Das Plug-in: Eventide Instant Flanger Mark II

Während einfache Flanger mit wenigen Regelmöglichkeiten ausgestattet sind, hat der Instant Flanger Mark II einiges mehr zu bieten.

Die Bedienung von links nach rechts

Die Plug-in Grafik zeigt das Frontpanel des Originals, nur dass es unten um die mit EX2 bezeichneten zusätzlichen Elemente erweitert wurde.

Line

Hier befindet sich der Bypass Schalter. Der aktive Zustand wird durch ein grünes Lämpchen angezeigt.

Bounce

Bounnce ist die Simulation des Effekts, wenn der Antriebsmotor einer Tonbandspule nach dem Abbremsen wieder beschleunigt. Erzeugt eine Tonhöhenschwankung und damit ein „Eiern“ des Signals. Man sollte damit sparsam umgehen.

Depht

Depht bestimmt das Mischverhältnis zwischen dem Original- und dem verzögerten Signal. In der Stellung 0% hört man nur das verzögerte Signal, dreht man in Richtung 100% oder -100% (Phasendrehung) wird das Original zugemischt. In den Extrempositionen sind beide Signale gleich laut.

Oscillator Rate

Die LFO-Rate lässt sich frei einstellen oder zum Host-Tempo synchronisieren. Mit einem Button unter dem Drehregler lässt sich der LFO als Modulationsquelle für das Flanging auswählen. Wenn über der Bezeichnung IN die rote LED leuchtet, ist der LFO als Modulationsquelle aktiv. Genauso verhält es sich mit den drei weiteren Modulationsbereichen Manual Knob, Feedback und Envelope Follower.

Manual Knob

Der Flanging-Effekt lässt sich mit dem großen Drehknopf in der Mitte per Hand (bzw. Maus) auslösen und in der Intensität regeln. Man kann ihn auch mit einem externen MIDI-Controller steuern, wenn das Host-Programm die Steuerung von Effekten über MIDI unterstützt. Alle Regler sind aber auch über die DAW-Automation steuerbar.

DAW Autoation
Hier lassen sich in Logic die Automationsziele wählen.

Feedback

Feedback regelt den Anteil des Signals, der vom Output wieder dem Input zugeführt wird. Der Schalter unter dem Feedback-Knopf bewirkt eine Phasendrehung.

Envelope Follower

Der Effekt lässt sich auch durch die Hüllkurve des Signals steuern. Threshold und Release-Time können mit eigenen Drehknöpfen eingestellt werden.

Power

Ganz rechts ist wie beim Originalgerät der Ein-/Ausschalter.

Expension Panel

Diese Erweiterung, die es nur beim Plug-in gibt, enthält eine Reihe nützlicher Funktionen. Hier lässt sich der Eingangspegel für das Plug-in einstellen. Die LFO-Rate kann in einem Bereich von 16 Takten bis zu 1/64tel Note bezogen auf das Session-Tempo synchronisiert werden. Mit der Re-Trigger Funktion wird der Flanger im Sync-Tempo auf den Startpunkt gesetzt. Damit lässt sich erreichen, dass der Effekt jedesmal gleich ist, wenn der Song in der DAW abgespielt wird. Der Remote-Schalter aktiviert die Funktion, das Flanging mit dem MIDI-Befehl CC1 (Modulationsrad) zu steuern. Als Logic-User habe ich allerdings nichts davon, wei sich in Logic nur Instrumente, nicht aber Effekte über MIDI steuern lassen. Mit Low Cut können die tiefen Frequenzen des Effektsignals abgesenkt werden, während das Originalsignal unbearbeitet bleibt. So entsteht ein Flanging-Effekt nur im Höhenbereich. Side Chain ermöglicht die Kontrolle des Effekts durch einen externen Track. Der letzte Regler bestimmt den Ausgangspegel.

Preset-Leiste

Zum Schluss ganz nach oben! Oberhalb des Bedienfelds, dass der Frontseite des Hardware-Vorbilds nachgebildet ist, befindet sich die Preset-Verwaltung. Die variationsreichen mitgelieferten Presets sind in drei Gruppen geordnet: Metallic, Intese, Subtle und Artists. Außerdem kann man natürlich eigene Einstellungen speichern. Mit dem „i“ lässt sich direkt das Manual aufrufen und unter dem kleinen Zahnrad versteckt sich die Option, Parameterwerte nicht nur bei „mouse-over“ sondern ständig anzuzeigen. Ganz rechts auf der Leiste lässt sich der Stereo-Modus bestimmen. Hier gibt es die Wahl zwischen Shallow, Deep und Wide.

Eventide Instant Flanger Mark II
„Always show values“: Parameterwerte werden dauerhaft angezeigt.

Audio-Beispiele

Wer meine früheren Test kennt, kennt auch die folgenden Vocals. Ich verwende diesen Part vor allem deshalb häufig, weil er Gema-frei ist.

Vocals mit Flanger-Effekt

Drums und Percussion

Drums, Percussion und elektronische Instrumente

Fazit

Der Eventide Instant Flanger Mark II bietet nicht nur eine Vielzahl an Kontrollelementen, sondern erzeugt vor allem einen guten Sound. Dass es nun ganz genauso klingt wie bei der historischen Methode, zwei Tonbandmaschinen parallel laufen zu lassen und dann die Spulen mit der Hand abzubremsen, würde ich nicht behaupten. Vor vielen Jahren, als Conny Plank das erste Album meiner Band Thirsty Moon abgemischt hat, konnte ich zusehen, wie Flanging manuell erzeugt wurde. Ich habe besonders darüber gestaunt, dass es möglich war, beide Maschinen phasengenau gleichzeitig zu starten, denn man konnte sie damals noch nicht elektronisch synchronisieren. Deutlich zu hören ist der Effekt bei unseren Songs „Love me“ und „Yellow sunshine“. (Album „Thirsty Moon“). Wer bei Spotify oder einem anderen Streamingdienst angemeldet ist, kann ja mal reinhören! Der Eventide Instant Flanger Mark II lässt sich sowohl für Retro-Sounds, als auch als moderner Verfremdungseffekt einsetzen.

Systemvoraussetzungen

Microsoft Windows 7+ und Apple OS X 10.7+

Plug-in Formate

AAX, AU, VST2

Preis

$ 129,-  (Preisangabe unverbindlich, online ermittelt am 15. Mai 2019)

Hersteller: Eventide

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