Test: Apple Logic Pro X 10.4.0

By | 4. Februar 2018

Das Jahr 2018 beginnt für Logic-User mit einem kostenlosen Update, das neue Funktionen, neue Instrumente und Effekt-Plugins enthält. Die Version Logic Pro X 10.4 hat einige interessante Neuheiten zu bieten, mit denen Apples Pro-Workstation noch besser für die Musikproduktion von EDM bis zu Film-Scores eingesetzt werden kann. Im Sommer 2013 erschien Logic Pro X, seitdem hat Apple jedes Jahr mehr oder weniger umfangreiche Updates veröffentlicht, ohne erneut zur Kasse zu bitten. Das Update auf die Version Logic Pro X 10.4 gehört zu den vielfältigsten und reichhaltigsten Aktualisierungen der DAW.

Bitte mehr Info!

Überraschung: Im App Store steht bei „Updates“ eine kleine „1“. Eine neue Version von Logic! Nach dem Klick auf Download erscheint ein Feld mit einer Beschreibung in Stichworten. Den Text würde ich gerne kopieren, aber nein, geht nicht. Command C, Command  V – nichts zu machen! Erst nach dem Download findet man im Menü „Hilfe-> Neu in Logic Pro“ eine Beschreibung. Ein Klick auf „Liste aller Funktionen“ führt auf die Apple-Website. Dort finden sich die Aktualisierungen der Version 10.3.2. Hallo? Die eigentliche Logic-Pro-Hilfe wurde zwar aktualisiert, aber man muss ja erst einmal wissen, nach welchem Stichwort man suchen muss. Ich finde, Apple könnte mehr tun, um über neue Funktionen zu informieren!

 

 

Neu in Logic Pro X 10.4.0

Ich weiß, dass manche User zögern, das Update zu installieren, weil es für sie gleichzeitig ein System-Update auf macOS Sierra oder High Sierra nötig machen würde. Hier vorweg zur Info und als Entscheidungshilfe die Neuheiten in Kürze; danach der eigentliche Testbericht.

(Originaltext von Apple):

Intelligentes Tempo

Mit der erweiterten Tempoerkennung kannst du Inhalte unabhängig von deren Originaltempo automatisch kombinieren.

Nimm Audio ohne einen Klick auf oder ziehe eine Audiodatei hinein und lasse das Projekttempo durch die Aufnahme definieren.

Füge beliebige Audiodateien hinzu und lasse sie automatisch an das Projekttempo anpassen.

Plug-Ins

ChromaVerb ist ein komplexer neuer algorithmischer Hall mit einer bunten, interaktiven Oberfläche zum Erstellen reichhaltiger Akustikräume.

Space Designer ist ein Faltungshall mit neuem Design und einer skalierbaren Retina-Oberfläche.

Step FX fügt rhythmische Multi-Effekt-Verarbeitung mit 3 leistungsstarken Step-Sequencern und einem X/Y-Pad hinzu.

Phat FX macht deine Spuren satter und kräftiger mit 9 Effekten, die deinen Sounds Wärme und Kraft verleihen.

Die Vintage EQ Collection bietet 3 akkurate Modelle klassischer analoger EQs aus den 50ern bis zu den 70ern.

Studio-Streicher und Studiohörner sind umfangreich gesampelte, realistische Ensembleinstrumente mit eigenen Artikulationssteuerungen.

Mellotron ist jetzt als eigenständiges Instrumenten-Plug-In verfügbar.

Retro Synth bietet jetzt 18 verschiedene Filtermodelle.

Mehr Inhalt

2 neue Drummer spielen von Roots und Jazz inspirierte Besen-Stile

2 Vintage-Besen-Schlagzeuge für den Drum Kit Designer

Über 800 neue Loops mit einer Vielzahl von Instrumenten und Genres

Neue Visions-Mediathek für Alchemy mit 150 neuen Kinomusikvoreinstellungen

 

Logic Pro X 10.4.0 in der Praxis

Die Tempoerkennung

Normalerweise wählt man zuerst das gewünschte Tempo für einen Song und spielt dann nach dem Metronom-Klick ein. Jetzt geht es auch anders herum. Ich spiele frei ohne Klick und Logic erkennt das Tempo und Temposchwankungen, denn kein Mensch ist so präzise wie ein Computer.

Wem kommt das bekannt vor? Diese Funktion gibt es schon in der kostenlosen iOS-App Musikmemos. In Logic Pro X 10.4.0 sind allerdings noch eine Menge Möglichkeiten zum Fine-Tuning dazugekommen.

Zur Tempoerkennung sind einige Voreinstellungen nötig:

Voreinstellung über Ablage -> Projekteinstellungen -> Intelligentes Tempo

 

 

Wenn man die Einstellungen nicht verändert, verhält sich Logic wie immer. Die Abbildung zeigt den gewählten Modus Projekttempo anpassen und gibt Logic damit die Anweisung, Einspielungen nach Takten und Taktschlägen auszurichten. Es findet eine intelligente Erkennung der Taktart und des Tempos statt. Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht nur um Audioaufnahmen, nicht um MIDI-Einspielungen. Anstelle einer Einspielung ist auch der Import einer Audio-Datei möglich.

Wie oft in Logic, gibt es nicht nur einen Weg, um eine Einstellung vorzunehmen. Auch in der Steuerungsleiste lässt sich der Modus umstellen und das Fenster Projekteinstellungen aufrufen.

 

 

Bei meinem ersten Versuch hatte ich die Einstellungen noch nicht vorgenommen, aber es geht auch nachträglich. Eine neue Flex-Variante bearbeitet nicht die Datei, sondern sorgt dafür, dass sich Logic dem analysierten Tempo der Datei anpasst. Dazu stellt man im Info-Bereich Region „Flex und Folgen“ ein. Achtung! Flex und Folgen erscheint nur, wenn die Quantisierung auf aus steht.

 

 

Für den Test habe ich eine Akkordfolge mit der Akustikgitarre ohne Metronom-Klick eingespielt. Um die Tempoerkennung auf die Probe zu stellen, gibt es am Schluss plötzlich einen schnelleren, weniger gleichmäßig gespielten Teil.

 

 

Der nachträglich eingeschaltete Metronom-Klick richtet sich im ersten Teil sehr gut nach dem freien Tempo, im zweiten Teil hat es nicht funktioniert. Das reflektiert auch die automatisch erzeugte Tempo-Spur, nach der sich zukünftige Einspielungen richten. Auch MIDI-Aufnahmen richten sich danach, sodass alle Instrumente mein „Human-Feel“ übernehmen. Diese gewollten Temposchwankungen lassen sich in der Tempo-Anzeige in der Steuerungsleiste verfolgen.

 

 

Auch im Edit-Bereich hat sich etwas getan. Neben Spur und Datei gibt es die Darstellung Dateitempo. Die senkrechten Marker lassen sich für eine manuelle Anpassung verschieben. Ich habe bei meiner Aufnahme darauf verzichtet und nur den ersten Part weiter verwendet.

 

 

Im nächsten Hörbeispiel habe ich eine Logic-Drummer-Spur hinzugefügt. Auch der Schlagzeuger Kyle folgt jetzt genau der Tempospur.

 

 

Bass, Piano und Synth-Pad ergänzen die Aufnahme. Alle Effekte, die ich eingesetzt habe, gehören zu Logic. Darunter ist auch das neue Reverb-Plug-in Chroma Verb.

 

 

 

Die zuerst eingespielte Akustikgitarre habe ich für den Mix mit einem der neuen Vintage-EQs bearbeitet, dem Vintage Console EQ.

Man findet die drei neuen Equalizer im Plug-in-Menü unter EQ -> Vintage EQ Collection.

 

 

Auch ein grafischer EQ ist dabei.

 

 

Gleich zwei Pultec-Geräte dienten als Vorbild für das dritte Plug-in. Im Bereich Output lassen sich für alle drei Vintage-EQs verschiedene Klangfärbungen wählen.

 

 

Gestrichen und geblasen

Wie umfangreich die neuen Sampling-Libraries Studio Strings und Studio Horns sind, erkennt man an der Vielzahl der Artikulationen. Sie werden nicht mit dem EXS24 abgespielt, sondern sind eigene Plug-ins. Für mein erstes Audiobeispiel habe ich auf Artikulations-Wechsel verzichtet. Das Arrangement enthält am Anfang drei, im letzten Teil sechs der Sampling-Instrumente. Als Raum-Effekt wurde ChromaVerb eingesetzt.

 

 

Die neuen Instrumente verfügen über Keyswitches. Ich habe versucht, damit nachträglich Artikulationen am Keyboard umzuschalten. Leider gelang es mir aber nur während der Aufnahme. Inzwischen weiß ich, dass die Keyswitches in Logic völlig anders funktionieren, als beispielsweise in Native Instruments Kontakt. (Vielen Dank Heiner Greenman für die Hilfe!) Die Trigger-Noten werden nicht als solche aufgezeichnet und dargestellt, sondern die Artikulations-Informationen sind Teil des Notenbefehls. Das hat den Vorteil, dass man im Edit-Bereich leichter drankommt, als beispielsweise an ein als Note dargestelltes C0 im „Keller“ des Notensystems. Die Artikulationen lassen sich meiner Meinung nach am praktischsten im Event-Editor bearbeiten.

Zuerst muss im Menü Ansicht des Event-Editors bei Artikulation ein zusätzliches Häkchen gesetzt werden.

 

 

Danach lassen sich die Artikulation-Events wie alle anderen Parameter bearbeiten.

 

 

Um Artikulationen während der Aufnahme zu ändern, ist es nötig, in den Smart Controls des Sampling-Instruments MIDI Remote zu aktivieren. Hier wird auch die Tasten-Zuordnung angezeigt, die ebenfalls editiert werden kann.

 

 

Die vollständige Liste der Artikulationen ist umfangreich:

 

Das nächste Hörbeispiel zu den Studio-Strings enthält fünf verschiedene Artikulationen.

 

Effekte

Das neue Reverb-Plug-in ChromaVerb erzeugt einen algorithmischen Hall und ist eine Ergänzung zum Faltungshall Space Designer. Die Grafik zeigt die „Hallwolken“ farbig und animiert. Zu den Features gehört auch eine Freeze-Funktion. Für alle Hörbeispiele zu diesem Artikel habe ich ChromaVerb eingesetzt.

 

 

Das Interface des Space Designers wurde seinem jüngeren Bruder ChromaVerb angeglichen. Beide Effekte sind nützlich und klingen hochwertig. Kein Raumeffekt kann „echter“ klingen, als die Impuls-Antwort eines Faltungshalls, aber manchmal passt der „künstliche“ algorithmischen Hall besser.

 

 

Nachdem Apple vor einigen Jahren die Firma Camel Audio übernommen hatte, wurde der Synthesizer Alchemy in das Logic-Paket integriert. 150 neue Presets für Alchemy enthält die neue Kategorie Visions.

Zwei neue Multi-Effekte sind ebenfalls Weiterentwicklungen von Camel-Audio-Plug-ins. Fat FX bringt 9 kombinierbare Effekte und Step FX ist ein Spezialist für Effekt-Ketten, die durch rhythmische Abläufe gesteuert werden. In beiden Plug-ins gibt es ein xy-Pad; die Reihenfolge der Effekte lässt sich umstellen.

 

 

Im Hörbeispiel wird nach zwei (langsam gezählten) Takten Step FX zugeschaltet. Im fünften Takt wird das Plug-in kurz ausgeschaltet und ist im sechsten wieder dabei.

 

 

Auch für ganz andere Klänge lassen sich diese Effekte einsetzen, die ich im nächsten Beispiel kombiniert habe. Der Pad-Sound von Alchemy wird rhythmisch zerhackt und klanglich verfremdet, sobald Step FX aktiviert wird.

 

 

Fazit

Das Update auf Apple Logic Pro X 10.4.0 lohnt sich. Auch wenn nicht jeder alle neuen Features braucht, dürfte für jeden etwas dabei sein. Sehr wichtig finde ich die Skalierbarkeit und die deutliche Beschriftung der Plug-in-Grafiken. Stilistisch ist das Erscheinungsbild gemischt, während einige Plug-ins, wie die Vintage-Emulationen, beinahe fotorealistisch aussehen, hat der Space Designer seinen Space-Look verloren und zeigt zusammen mit ChromaVerb ein schlichtes Aussehen mit stilisierten Buttons, die fast schon an Ableton Live erinnern. Damit in Logic alle neuen Inhalte zur Verfügung stehen, darf man nicht vergessen die Soundmediathek zu aktualisieren. Der Soundmediathek-Manager (Logic Pro X -> Soundmediathek -> Soundmediathek-Manager) zeigt an, welche Inhalte Installiert sind. Ich habe in diesem Test nicht alle Neuheiten unter die Lupe genommen, sondern nur das, was mir am wichtigsten erscheint. Apple Logic Pro X ist eine umfangreiche Produktionsumgebung und eignet sich für jede Art der Audio- und MIDI-Produktion am Mac.

Apple Logic Pro X 10.4.0 setzt das Betriebssystem macOS Sierra oder macOS High Sierra voraus. Meine Infos und Empfehlungen (ohne Gewähr!) zum System-Update:

macOS Sierra 10.12 für Musiker

macOS High Sierra 10.13 für Musiker

Die Artikel über die System-Updates sind schon vor einiger Zeit geschrieben worden, möglicherweise sind einige der dort angegebenen Probleme schon gelöst. Im Zweifelsfall immer beim Hersteller der Software/Hardware nachfragen! Tipp: Nicht das Audio/MIDI-Interface vergessen!

 

Mehr über Logic

Für Neueinsteiger und für jeden, der mehr über die vielen, vielen Features von Apple Logic Pro X wissen möchte, empfehle ich „Logic Pro X – das umfassende Handbuch“ von Heiner Kruse, das in der zweiten Auflage erschienen ist. Zur ersten Auflage habe ich eine Buchrezension veröffentlicht. Die Inhalte des Buches werden laufend beim Rheinwerkverlag durch Downloads ergänzt.

Facebook-Usern empfehle ich die Facebook-Gruppe logiclife.de

Video von Heiner Kruse, alias Heiner Greenman, zu Logic Pro X 10.4

 

Aktuelle Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis aller Artikel auf facebook hier…

2 thoughts on “Test: Apple Logic Pro X 10.4.0

  1. Peter Blue

    Nach all der Freude über die neuen Features in 10.4 bin ich gerade auf eine Verschlimmbesserung gestossen die mich ratlos macht: Bei Audioaufnahmen habe ich bisher mit „Ersetzen“ in den Einstellungen gearbeitet, also Regions die sich überlappen landen alle auf einer Spur. Fine-tuning des Einstiegspunktes dann in der Spur oder im Dateieditor der immer gezoomt ist. Schnell und effektiv – ich produziere sehr viel.
    Jetzt kann ich nur noch zwischen dem ungeliebten Take Ordner oder Spuralternativen wählen. In jedem Falle ist alles unübersichtlich, da ständig neue Spuren erzeugt werden. Ich muss jetzt alle Regions manuell auf eine Spur ziehen, um dann die Übergänge zu tunen. Weiss jemand Rat?

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