Test: Eventide – SP2016 Reverb Plug-in

By | 18. November 2018

Eventide gehört zu den weltweit erfolgreichsten Herstellern von Studiogeräten. Zusätzlich werden die Produkte in Plug-in Form angeboten. Dazu gehören legendäre Geräte wie der digitale Effekt-Prozessor SP2016.Das Originalgerät Eventide SP2016 kam 1982 als eines der ersten digitalen Hallgeräte im Rack-Format auf den Markt. Sein Alleinstellungsmerkmal war, dass es nicht nur eine einzige Aufgabe erfüllen konnte. Eventide SP2016 war das erste digitale Multi-Effekt-Gerät. Neue Funktionen konnten durch Plug-ins nachträglich hinzugefügt werden. Diese Plug-ins waren ROM-Chips, die in das Gerät eingesteckt wurden.

 

Eventide SP2016

Das erste Gerät mit Plug-ins! Foto: Eventide ©

 

Das Plug-in Eventide SP2016 Reverb bringt die Hall-Algorithmen des SP2016 in die DAW und verfügt über drei verschiedene Hallprogramme: Stereo Room, Room und Hi-Density Plate. Die grafische Oberfläche wurde weitgehend dem Aussehen der Hardware angepasst.

 

Eventide SP2016 Reverb Plug-in

Eventide SP2016 Reverb Plug-in

Das Display

Das LED-Display zeigt den Namen des eingestellten Hallprogramms an, sowie Bezeichnung und Wert eines Parameters, während er mit einem der Slider verändert wird. Auf Wunsch lassen sich die eingestellten Werte wie in meiner Abbildung auch dauerhaft unterhalb der Regler einblenden (Always show slider values).

BYPASS schaltet den Effekt aus, die Taste entspricht, wie die meisten anderen Bedienelemente, dem Hardware-Vorbild.

Die große rote Taste PROGRAM öffnet ein Menü, mit dem die drei Programme zwischen „Vintage“ und „Modern“ umgeschaltet werden können. „Vintage“ erzeugt den Originalsound des Hardware-Vorbilds mit niedrigerer Bit-Rate und geringerer Nachhall-Dichte und ist voreingestellt. Im Modus „Modern“ bleibt der Grundcharakter erhalten, aber Frequenzumfang und Auflösung entsprechen den Werten aktueller Prozessoren mit feiner Auflösung und brillianten Höhen. Im Programm Hi-Density Plate sind einige Regler nicht verfügbar, wenn man „Vintage“ eingestellt hat, weil ihre Funktionen im Originalalgorithmus nicht enthalten waren.

Levels

Zwischen den Reglern INPUT und OUTPUT befindet sich der Button KILL. Damit wird das Signal stummgeschaltet und man kann den Effekt-Ausklang hören, ohne dass er durch ein nachfolgendes Signal gestört wird. Pegel- und Spitzenpegel-Anzeigen lassen sich mit der Taste MONITOR zwischen Input und Output umschalten. Die Overload-Anzeigen leuchte auch dann auf, wenn eine interne Übersteuerung auftritt. Das kann passieren, wenn Decay- oder andere Regler in die Maximalstellung gebracht werden. In einem solchen Fall muss der Input herunter geregelt werden.

Parameters

MIX bestimmt das Verhältnis zwischen trockenem Signal und dem Effekt. Sehr nützlich ist die Funktion MIX LOCK. Wenn sie aktiviert ist, lassen sich verschiedene Presets ausprobieren, ohne dass das Mix-Verhältnis jedesmal neu eigestellt werden muss.

PREDELAY erzeugt eine Verzögerung bevor der Hall einsetzt. Der höchste Wert ist knapp 1 Sekunde, so lassen sich auch Echo-Effekte erzielen. Noch in den 1970er Jahren wurde ein Pre-Delay erzeugt, indem das Signal vor dem Hallerzeuger über den Aufnahme- und Wiedergabekopf einer Tonbandmaschine geleitet wurde. Der verzögerte Einsatz des Halleffekts sorgt dafür, dass die Stimme oder das Instrument deutlich im Vordergrund bleiben.

DECAY bestimmt die Abklingzeit während der das Hall-Signal bis auf -60 dB abklingt. Hier stellt man also die Hall-Dauer ein.

POSITION ist eine Art Makro-Regler für die frühen Reflexionen, deren Beschaffenheit dem Ohr die räumliche Ortung einer Schallquelle ermöglicht. Manche Hallprozessoren haben dafür mehrere Einstellmöglichkeiten, z. B. für die Anzahl und den zeitlichen Abstand der Reflexionen. Beim Eventide SP2016 gibt es diesen einen Regler um die Position des Signals im virtuellen Raum zu bestimmen.

DIFFUSION verändert den Charakter des Nachhalls, von der Wirkung harter Wände mit gleichmäßigen Reflexionen, bis zu Räumen mit unregelmäßigen Oberflächen. Die Dichte des Nachhalls wird dadurch beeinflusst; man hört das besonders bei perkussiven Signalen.

EQ 

Das rechte Bedienfeld hat vier Fader. Es gibt einen Shelving Filter (auch Kuhschwanzfilter genannt) für tiefe und einen für hohe Frequenzen. Die Eckfrequenz für den Bassbereich lässt sich zwischen 50 und 500 Hz einstellen, für die Höhen sind es 1000 bis 8000 Hz. Absenkung und Anhebung ist bei den Tiefen von -8 bis +4 dB möglich, bei den Höhen von -8 bis 0 dB.

Presets

Das Plug-in Eventide SP2016 bietet die Möglichkeit, Presets zu verändern und eigene zu erstellen und abzuspeichern. Die mitgelieferten Presets sind zahlreich und übersichtlich geordnet. Eine der Preset-Bänke enthält Programme von prominenten Tonmeistern und Musikern wie George Massenburg und Richard Devine.

Hörbeispiele im Modus „Vintage“

Für die Drums im ersten Beispiel habe ich drei SP2016 Instanzen mit unterschiedlichen Programmen eingesetzt und zwar für die Bassdrum, die Snare und die Toms. Zuerst hört man einen Abschnitt ganz ohne Hall, dann mit.

 

Die Vocals kommen aus der Apple-Loop Library von Logic. Zuerst trocken, dann mit ROOM-Effekt.

 

Noch einmal Gesang, zuerst ein größerer Raum und dann ein PLATE Preset.

 

Hörbeispiele im Modus „Modern“

Drums und Vocals mit ROOM-Effekten im Modus „Modern“. Vor allem die zusätzlichen Höhen fallen auf.

 

Im vorigen Beispiel gefallen mir die Drums überhaupt nicht mehr, sie klingen in der Einstellung „Modern“ zu sehr verhallt. Hier noch einmal  mit denselben Einstellungen, aber weniger Effektpegel bei allen drei Instanzen.

 

Direktvergleich

Die Congas klingen am Anfang  trocken, dann mit „Vintage“- und danach mit „Modern“-Reverb.

 

 

Fazit

Das Eventide SP2016 Plug-in zeichnet sich durch guten Sound und leichte Bedienbarkeit aus. Die algorithmische Hallererzeugung belastet die CPU kaum, man kann ohne Weiteres zahlreiche Instanzen verwenden. Die drei Raumprogramme lassen sich zwischen „Vintage“ und „Modern“ umschalten. Hallgeräte aus der Anfangszeit der digitalen Studiotechnik hatten oft Probleme mit perkussiven Signalen. Das ist hier überhaupt nicht der Fall, auch nicht im Vintage-Modus mit reduzierter Auflösung. Nicht nur aus Nostalgie-Gründen ist diese Einstellung interessant, für die räumliche Staffelung in einem Mix kann sie sehr nützlich sein. Der Modus „Modern“ verwendet im Prinzip die gleichen Algorithmen, bietet aber dichtere Hallfahnen und brillante Höhen. Gerade beim Gesang gefällt mir die moderne Variante. Selbst wenn man schon andere hochwertige Hall-Plug-ins besitzt, ist das Eventide SP2016 Reverb eine empfehlenswerte Anschaffung.

 

Systemvoraussetzungen

Microsoft Windows 7+ and Apple OS X 10.7+

Plug-in Formate

AAX, Audio Units, VST2

Preis*

$ 249,-
Bis zum 30.11.2018 im Angebot für  $ 79!

*Die Preisangaben sind unverbindlich und wurden am 19.11.2018 online ermittelt.

 

Hersteller: Eventide

Ein sehr schöner Artikel über das historische SP2016 hier…

 

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