Test: IK Multimedia – Hammond B-3X

By | 3. November 2019

In Zusammenarbeit mit Hammond und Suzuki hat IK Multimedia eine virtuelle Hammond B-3 Tonewheel-Orgel entwickelt, die einen besonders realistischen Sound verspricht. Die elektromechanische Tonerzeugung wird in allen Einzelheiten durch die Software nachgebildet.

Das Original

Die Hammond B-3, so wie sie von 1955 bis 1974 gebaut wurde, gehört zu den begehrtesten Hammondorgeln. Die Tonerzeugung funktioniert nicht elektronisch, sondern elektromechanisch mit Metallscheiben, den „Tonewheels“.

Organo Hammond – preset, drawbars e controllo del Leslie
Foto: Salli
Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Der Sound wird mit Zugriegeln eingestellt, mit denen Oktaven, Quinten und weitere Obertöne zum Grundton zugemischt werden. Die vollständig analoge Tonerzeugung produziert Nebengeräusche, wie zum Beispiel Übersprechen zwischen den Tonewheels, und sorgt für den typischen, lebendigen Sound. Einen ausführlichen Artikel dazu findet man bei Wikipedia.


IK Multimedia Hammond B-3X

Software-Versionen der Hammond B-3 gibt es schon lange, aber IK Multimedia ist die erste Firma, die mit den Herstellern des Originals zusammengearbeitet hat und offiziell den Namen „Hammond“ verwenden darf.

IK Multimedia Hammond B-3X, standalone-Ansicht

Im Laufe der Jahre, während die B-3 hergestellt wurde, gab es mehrmals technische Änderungen, die den Sound des Instruments beeinflusst haben. Deshalb gibt es bei der B-3X in den „Advanced“-Einstellungen die Möglichkeit, zwischen den Modellen von 1971, 1960, 1956 und 1955 zu wählen.

Advanced Einstellungen: umfangreiches Feintuning

Die IK Multimedia B-3X lässt sich sowohl standalone, als auch als Plug-in in den Formaten AAX, VST 3 und Audio Units verwenden. Zusätzlich zum Instrument gibt es ein Pedal-Board mit 5 Stomp-Effekten, eine Verstärker/Lautsprecher-Abteilung mit 5 Leslie-Modellen und zwei Gitarren-Amps (Marshall und Hiwatt). Zur Nachbearbeitung stehen der Limiter 76 (Urei 1176), der EQ-81 (Neve Kanalzug) und ein Hallgerät zur Verfügung.

Das grafische Interface

Die Grafik ist skalierbar, allerdings nimmt die Grundeinstellung, die sich vergrößern, aber nicht verkleinern lässt, schon eine Menge Platz auf dem Monitor ein. Das ist aber auch nötig, wenn alle Beschriftungen lesbar sein sollen.

Plug-in Ansicht auf Laptop, 13 Zoll.

Die Kopfleiste enthält neben Voreinstellungen und Preset-Verwaltung vier Reiter, mit denen sich die Darstellung umschalten lässt: ORGAN, STOMPS, CABS, POST FX. Unten links kann man auf die CONTROLS-Ansicht umschalten und die ADVANCED-Einstellungen sichtbar machen.

Organ

Diese Ansicht zeigt die realistische Abbildung einer Hammond B-3. Hier kann man alle Einstellungen wie am richtigen Instrument vornehmen. Es gibt Kippschalter für Percussion, Chorus und Vibrato, die Zugriegel und das halbmondförmige Bedienfeld für die Leslie-Steuerung. Das Instrument besitzt zwei Tastaturen, Fußpedale für Bass und ein Pedal, das die Lautstärke regelt (Expression). Tasten und Pedale lassen sich über unterschiedliche MIDI-Kanäle steuern. Die Keyboards haben jeweils auf der linken Seite einen farblich invertierten Bereich von 12 Tasten, mit denen sich Drawbar-Presets abrufen lassen. Das ist auch beim Hardware-Vorbild so. Allerdings bewegen sich dort die Zugriegel nicht, wenn man ein Preset aufruft. Bei der Software-Version ist das aber der Fall. Außer den Tastatur-Presets verfügt die B-3X über zahlreiche Presets, die neben den Zugriegel-Einstellungen auch Voreinstellungen der Stomps, Cabs und Post-Effects enthalten. Eigene Konfigurationen lassen sich als User-Presets speichern.

CONTROLS

Links unterhalb der Leslie-Steuerung lässt sich auf die Ansicht CONTROLS umschalten. Die Darstellung enthält die gleichen Bedienelemente wie die ORGAN-Ansicht, aber ohne Keyboards und Pedale.

CONTROLS-Ansicht

Schalter und Zugriegel werden hier viel größer dargestellt, deshalb eignet sich diese Ansicht gut für eine Live-Performance. Die voreingestellten Werte der Tastatur-Presets werden als kleine Balkengrafiken angezeigt, die zugleich als Buttons zum Aufrufen dienen. Außerdem lassen sich hier den Presets Program-Change-Nummern zuordnen.

MIDI Program-Change Zuordnung, zugänglich nach Klick auf das rot markierte Icon.

STOMPS

Obwohl der Sound einer echten Hammond an sich schon sehr edel ist, werden oft zusätzliche Effektgeräte eingesetzt.

Stomps

Für die Hammond B-3X steht ein Pedal-Board mit Fußtretern zur Verfügung: Overdrive, grafischer Equalizer, Wah-wah, Chorus-Vibrato und Federhall lassen sich einschleifen, bevor es in den Verstärker geht. Diese Effekte sind mono, ein Stereo-Sound entsteht erst durch die Abnahme des Leslie-Cabinets mit mehreren Mikrofonen.

Leslie

CABS

Cabinets, abgekürzt CABS, ist die Abteilung für Amps und Lautsprecher. Man kann zwischen verschiedenen Leslie-Modellen wählen. „Die umfangreichste und detailgetreuste Software-Emulation der Rotor-Lautsprecher-Anlagen, bekannt unter dem Markennamen „Leslie“, kommt von IK Multimedia aus Italien“ habe ich in meinem Testbericht zu AmpliTube Leslie und T-RackS Leslie geschrieben. Diese hochwertige Software gehört hier dazu.

Marshall, Verstärker und Box

Alternativ oder auch zusätzlich kann man zwischen zwei Gitarren-Amps und den passenden Lautsprecherboxen wählen: Marshall und Hiwatt sind die Vorbilder. Das Lautstärke-Verhältnis der Mikrofone und ihr Abstand von der Klangquelle lässt sich regeln. Die Signale von Leslie, Gitarrenverstärker und Di-Box können beliebig gemischt werden.

POST FX

Am Ende der Signalkette stehen drei Studiogeräte zur Verfügung, sodass auch bei der Verwendung von B-3X als Plug-in der Einsatz zusätzlicher Plug-ins unnötig ist.

Post Effects

Es handelt sich um den Limiter 76, eine Urei 1176 Emulation, den EQ 81, der einem Neve-Kanalzug nachgebildet ist und um ein Hallgerät.

Automation

Der Leslie-Effekt gehört für mich unbedingt zum typischen Sound einer Hammondorgel. Das Umschalten der Leslie-Geschwindigkeit während des Spiels ist besonders reizvoll. Mit Logic Pro X funktioniert die DAW-Automation einwandfrei. Ich konnte die Leslie-Geschwindigkeit durch Klicken auf die B-3X-Grafik im Automations-Modus „Latch“ problemlos aufzeichnen und die Automationskurven im Arrange-Fenster editieren.

Automation, Logic Pro X

MIDI und mehr

Die Hammond B-3X lässt sich auch über externe MIDI-Controller steuern und ist vielfältig konfigurierbar. Mit dem kleinen Zahnrad-Icon neben dem Hammond-Schriftzug lässt sich die Ansicht auf die Darstellung einer Geräte-Rückseite umschalten, wo sich zahlreiche Einstellungen vornehmen lassen.

Einstellungen auf der virtuellen Rückseite.

Hörproben

Zuerst eine Akkordfolge mit verschiedenen Sounds. Es gibt jeweils zwei Abschnitte, zuerst ohne, dann mit Bassnoten. Im ersten Beispiel hört man zuerst den Sound, der nach dem Start der B-3X voreingestellt ist, dann das Preset All Drawbars.

Default-Sound und Preset All Drawvbars

Noch einmal dieselbe Sequenz, hier mit den Presets Jimmy Blues und Some Lovin‚. Mit Jimmy ist Hammondorgel-Legende Jimmy Smith gemeint, das zweite Preset ist an den Sound im Song „Gimme some lovin‘ der Spencer Davis Group mit Steve Winwood an der Hammond angelehnt.

Presets Jimmy Blues und Some Lovin‘

Ein weiterer Jimmy-Smith-Sound:

Preset Jimmy Jazz

Das Preset Whiter Shade erinnert and den Song „A Whiter Shade of Pale“ von Procol Harum. Um nicht gegen das Urheberrecht zu verstoßen, habe ich die Melodie abgewandelt.

Preset Whiter Shade

Fazit

Die IK Multimedia Hammond B-3X ist meiner Meinung nach die beste Software-Umsetzung einer Hammondorgel. Der authentische Sound ist der aufwändigen Emulation der mechanischen Tonewheel-Klangerzeugung, sowie der Keyklick-, Percussion- und Vibrato-Eigenschaften zu verdanken. Zum eigentlichen Instrument bekommt man die ebenfalls erstklassige Leslie-Software, Verstärker, Lautsprecher und Effektgeräte dazu. Dabei handelt es sich um qualitativ hochwertige Module der IK Multimedia AmpliTube- und T-RackS-Linie. Das Instrument verfügt über alle Eigenschaften und Bedienungsmöglichkeiten der Hardware und auch „unter der Haube“ lässt sich einiges einstellen; so kann man zwischen den Tonewheels von vier verschiedenen Jahrgängen wählen. Das Übersprechen (leakage) zwischen den Tonewheels ist regelbar und vieles mehr. Die IK Multimedia Hammond B-3X ist ein eindeutiger music-knowhow Redaktionstipp!

music-knowhow Redationstipp

Systemvoraussetzungen

Mac® (64-Bit)

Minimal: Intel¨ Coreª 2 Duo (Intel Core i5 empfohlen), 4 GB RAM (8 GB empfohlen), 700MB verfügbarer HD-Speicher, macOS 10.10 or neuer. USB (3.0 empfohlen). Erfordert OpenGL 2 kompatible Grafik.

Unterstützte Plug-in Formate (64-bit): Audio Units, VST 2, VST 3, AAX.

Windows® (64-Bit)

Minimal: Intel¨ Coreª 2 Duo oder AMD Athlonª 64 X2 (Intel Core i5 empfohlen), 4 GB of RAM (8 GB empfohlen), 700MB verfügbarer HD-Speicher, Windows® 7 oder neuer. USB (3.0 empfohlen). Erfordert eine ASIO-kompatible Soundkarte.  Erfordert OpenGL 2 kompatible Grafikkarte.

Unterstützte Plug-in Formate (64-Bit): VST 2, VST 3, AAX.

Preis: (unverbindlich, online ermittelt am 3. November 2019)
€149,99 plus Umsatzsteuer

Ergänzende Links:

Hersteller: IK Multimedia
Ausführlicher Hammond-Artikel bei Wikipedia
Test: IK Multimedia – Leslie

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