Test: IK Multimedia T-Racks 5 Mastering Suite

By | 23. November 2017

Mit dem Update auf Version 5 zeigt IK Multimedia, dass die traditionsreiche Software-Mastering-Suite T-Racks nach wie vor in der ersten Liga spielt. Die Kombinationsmöglichkeiten der bis zu 38 Module sind beinahe unerschöpflich. Aber auch der neue All-in-one Mastering Prozessor „One“ allein bringt tolle Ergebnisse.

Mastering heute

Die Ansprüche an das Mastering waren wohl noch nie so hoch wie jetzt. Zum einen gibt es die Forderung, den „Loudness War“ zu beenden, damit verzerrte und der Dynamik beraubte Master endlich der Vergangenheit angehören, zum anderen möchte niemand, dass sein Titel leiser wirkt, als der  Song der Konkurrenz.

Um dieses Ziel zu erreichen, verwenden manche Toningenieure raffiniert ausgeklügelte Ketten von teuerer Hardware, in die sie jahrelange Erfahrungen gesteckt haben. Ein Beispiel dafür ist das mit Grammys ausgezeichnete Lurssen Mastering Studio in Kalifornien. Mit der in Kooperation mit IK Multimedia programmierten Software-Version Lurssen Mastering Console lassen sich schnell sehr gute Ergebnisse erzielen. Es gibt zahlreiche nach Musik-Genres geordnete Presets. Die für den Sound wichtigsten Parameter lassen sich editieren. „Chirurgische Eingriffe“ sind allerdings nicht möglich, es gibt beispielsweise keine Möglichkeit, Störgeräusche zu entfernen oder perkussive Anteile am Klang nachträglich gezielt zu verstärken.

 

T-RackS 5 Mastering-Suite

 

Das alles und noch mehr kann allerdings T-Racks mit seinen – je nach Version bis zu 38 – spezialisierten Modulen. Wer hier nach der optimalen Konfiguration für seine Musik sucht, muss mehr Zeit und Mühe investieren, obwohl natürlich auch viele Presets vorhanden sind.

Außerdem gibt es in T-Racks 5 jetzt „One“. Ein einzelnes Modul, einen All-in-one-Prozessor, der alle Paramenter für modernes Mastering zur Verfügung stellt. One ist ein Prozessor, der nicht, wie die meisten Module, ein Hardware-Vorbild besitzt. Welcher Ansatz der bessere ist, entscheidet der persönliche Geschmack des Users.

T-RackS 5, das modulare Mix- und Mastersystem remastered

Was ist neu?

  • 4 neue Module: Master Match, Dyna-Mu, EQual, One
  • Neugestaltete, skalierbare Bedienungsoberflächen
  • Vom Input bis zum Output komplett verbesserte Audio Engine
  • Erweiterte, professionelle Messinstrumente
  • Album-Zusammenstellung mit Audio-Montage und Multi-Format-Export

Das ist aber noch nicht alles. Gerade in der standalone Version gibt es weitere Verbesserungen, die den Einsatz eines zusätzlichen Programms vor der Abgabe beim Presswerk oder dem Upload-Service überflüssig machen. So lassen sich IRSC-Codes hinzufügen und das Projekt kann als DDP-File exportiert werden.

 

DAW-unabhängig: T-RackS 5 standalone

Das neue Erscheinungsbild hat mich sofort begeistert; ansprechende farbige Grafik, übersichtlich gegliedert. „Das Auge hört mit“ finde ich. Die sinnvolle Anordnung der Elemente in der neuen Version erleichtert die Arbeit. Audio Files zieht man einfach über das Interface, sie erscheinen dann mit Angabe ihrer Dauer in der Clip List. Wird ein File in der Liste angeklickt, sieht man die Wellenform im zugehörigen Fenster; mit Doppelklick wird das File abgespielt. Wenn man einen Bereich in der Timeline auswählt, wird der Abschnitt automatisch geloopt. Parktischer geht es nicht.

 

T-RackS 5 standalone Wellenform-Display

 

Um mit dem Mastering zu beginnen, zieht man die gewünschten Prozessoren aus dem Modul-Browser in das zugehörige Fenster. Sie lassen sich hintereinander oder parallel anordnen. Bis zu 16 Module kann man gleichzeitig verwenden. Ein selektiertes Modul wird in voller Größe im Hauptfenster dargestellt, wo sich alle Parameter am Gerät einstellen lassen.

 

Mastering-Kette unten, oben das selektierte Modul

 

Zur Kontrolle dient die Metering Section. Alle professionellen Anzeige-Standards werden unterstützt, natürlich auch die sehr aktuellen Loudness Units (LUFs). Egal, aus wie vielen Files eine Song-Zusammenstellung besteht, jedes File kann seine eigene Mastering-Kette besitzen. Mit Hilfe der Snapshot-Funktion können sogar unterschiedliche Ketten abschnittsweise auf dasselbe Soundfile angewandt werden. Ich finde, dass die Konfiguration komplexer Vorgänge sehr übersichtlich gelöst ist.

Die Audio-Engine unterstützt Projekte mit bis zu 192kHz/32-bit Floating Point. Zum Reduzieren der Bitrate auf 16 bit CD-Standard existieren 4 Dithering Optionen. Die interne Resampling Engine erlaubt es, Masters nach dem Standard DDM (Digital Delivery Mastering) zu erstellen. Damit wird vermieden, dass bei späterer Encodierung als MP3- oder AAC-Datei Verzerrungen entstehen können.

Im Assembly-Window findet die Audio-Montage statt. Die Songs für ein Album werden in die gewünschte Reihenfolge gebracht. Die Länge der Pausen zwischen den Titeln wird eingestellt, Ein- Aus- und Überblendungen können vorgenommen werden.

 

Assembly-Fenster für Audio-Montage

 

Track-ID-Marker, die später von einem CD-Player gelesen werden können, werden bei der Montage automatisch vergeben, bleiben aber editierbar. Track List, Mastering-Prozessor-Ketten, Fades und alle Einstellungen an den Modulen können gemeinsam als Projekt gespeichert werden. Eine wichtige Sache, denn auch eine an sich fertigen Produktion soll manchmal noch geändert werden, oder es ist nötig verschiedene Versionen zu erstellen.

Die Möglichkeit, das GUI nach Wunsch zu skalieren, ist für die standalone Version von großem Vorteil. Man kann auf dem Laptop arbeiten, oder die Darstellung auf einem großen Monitor bei bester Darstellung bis zu 4K zoomen.

 

Die Module

Alle Module, auch die klassischen, profitieren von der neuen Audio-Engine. Die Bedienoberflächen, auch der älteren Module, bekamen einen modernisierten Look und sind skalierbar. Das Face Lifting gefällt mir sehr gut und Skalierbarkeit wünsche ich mir schon lange von allen Plug-ins. Als separaten Download gibt es Signature Presets, die von bekannten Toningenieuren erstellt worden sind. Ein Merkmal der T-RackS Module ist die Möglichkeit von Stereo-Bearbeitung auf M/S umzuschalten, um Mitten- und Seitensignal getrennt zu bearbeiten. Da, wo es sinnvoll ist, ist eine Sidechain-Funktion vorhanden.

Alle 38 Module ausführlich zu testen und zu beschreiben würde den Rahmen eines Testberichts sprengen. Ich beschreibe deshalb hier nur die vier Neuzugänge der T-RackS-Familie. Einzelne Hörbeispiele gibt es zu One und Master Match, ansonsten habe ich Mastering-Ketten aus dem Preset-Angebot benutzt.

Neu: Dyna-Mu

Wer schon immer gern einen Manley Vari-Mu Compressor gehabt hätte, wird hier fündig. Das Vorbild ist ein Röhrenkompressor mit variabler Ansteuerung der Röhren, bekannt für seinen warmen und lebendigen Ton. Einzelne Spuren, Busse, der gesamte Mix oder eine Masteringkette sind seine Einsatzgebiete. Der Dyna-Mu besitzt zwei Reihen von Reglern, die gekoppelt oder unabhängig im Stereo- oder M/S-Modus arbeiten können. Der Side-Chain-Switch aktiviert auf Wunsch einen Hochpassfilter, um tiefe Frequenzen von der Kompression auszuschließen. Dyna-Mu ist ein weiteres hochwertiges Werkzeug zur Dynamikbearbeitung in der T-RackS-Suite mit leicht zu durchschauender Bedienung.

 

Dyna-Mu, der virtuelle Vari-Mu

 

Neu: EQual

Dieser 10-Band Equalizer erlaubt besonders präzises Editieren und besitzt eine Auswahl an Filter-Charakteristiken von analogen Vorbildern, die bei EQs von SSL, Neve und API zu finden sind. Digital plus analog — EQal verspricht das beste beider Welten. Seine extra hohe Auflösung ermöglicht eine sensible Feinabstimmung des Klanggeschehens.

 

EQual, digitaler EQ mit analogen Filtercharakteristiken

 

Im ersten Hörbeispiel ist der EQual ausgewählt und deshalb im Hauptfenster vergrößert dargestellt. Die Preset-Bezeichnung „Vintage in Between“ wurde wohl gewählt, weil in der Mitte der Kette ein legendärer Fairchild-Kompressor Dienst tut. Passend zum Thema „Vintage“ habe ich ein Blues-Demo verwendet. Für die Gitarren-Spuren wurden Amps aus AmpliTube 4, Fender Collection 2 eingesetzt.  Nachdem im erste Teil der Original-Mix zu hören ist, kommt danach die Wiederholung mit aktivem T-RackS 5.

 

 

Das Modul Master Match ist eine Neuentwicklung. Damit können alle Eigenschaften eines Audiosignals analysiert und auf ein anderes übertragen werden. Master Match ist deshalb weit mehr als ein Match-EQ. Sogar die durch Kompression und Limiting erzeugte Lautheit des Vorbilds wird auf das Ziel übertragen. Bis zu drei Source Tracks lassen sich gleichzeitig verwenden. Auf einzelne Bereiche des Ziels, wie Strophe oder Refrain, lassen sich unterschiedliche Source Tracks anwenden. Das Ergebnis kann man editieren; dazu besitzt Master Match einen hochwertigen EQ und Pegel-Regler. Das Modul ist sowohl einzeln, als auch am Ende einer Mastering-Kette einsetzbar. Die Bearbeitung erfolgt in drei Schritten.

Schritt 1: Learn Reference

Die folgende Abbildung zeigt Master Match mit einem Referenz-Track. Oben die Wellenformdarstellung, darunter Pegel- und Frequenzverlauf.

 

Master Match: Learn reference

 

Schritt 2: Learn Source

„Source“ ist der Track, der bearbeitet werden soll. Nach der Analyse erscheint eine blaue Linie im Display.

 

Master Match: Learn Source

 

Schritt 3: Matching

Nach einem Klick auf „Matching“ wird der angepasste Track erzeugt und angezeigt.

 

Master Match: matched

 

Jetzt lässt sich das Ergebnis anhören und bei Bedarf weiter bearbeiten.

 

Master Match: Das Ergebnis kann editiert werden

 

Mit den beiden Fadern rechts kann der Wirkungsgrad der spektralen und der Pegel-Anpassung eingestellt werden.

Wie hört es sich an?

Es macht Sinn, erfolgreiche Produktionen als Source Tracks zu verwenden. Für meine Hörbeispiele kann ich das aus urheberrechtlichen Gründen nicht tun. Ich habe mir deshalb etwas anderes ausgedacht.

Die beiden Hörbeispiele haben jeweils 2 Abschnitte. Am ersten Beispiel ist T-RackS 5 gar nicht beteiligt. Zu hören ist zuerst ein Mix ohne Mastering-Prozessor, im zweiten Abschnitt die Bearbeitung mit dem Mastering-Plug-in Eventide Newfangled Elevate.

 

 

Im nächsten Beispiel hört man am Anfang noch einmal den mit Elevate bearbeiteten Sound. Im zweiten Abschnitt zum Vergleich eine Bearbeitung des Originals mit T-RackS 5 Master Match. Der Elevate-Track diente als Referenz.

 

 

Sound und Pegel wurden dem ersten Abschnitt angeglichen, wobei der leise Originalmix (erster Abschnitt des ersten Hörbeispiels) als Source gedient hat.

Klingt es absolut gleich? Nein, nicht zu 100%, aber ich finde, dass das Ergebnis dicht dran ist. Es klingt auf jeden Fall nicht schlechter!

Neu: One

Dieser Prozessor ist eine All-in-one Lösung mit lediglich 9 Reglern. Das ist durch eine Makro-Steuerung möglich, bei der ein Regler mehrere Parameter verändern kann.

 

All-in-one-Prozessor „One“

 

  1. AIR: sanfte Anhebung oder Absenkung der hohen Frequenzen
  2. FOCUS: regelt den Bereich der Sprachverständlichkeit in den Mitten
  3. BODY: Fine-Tuning des Anteils tiefer Frequenzen
  4. BASS PUNCH: kontrolliert Low-End Verstärkung und Tightness zugleich
  5. ANALOG: leichte harmonische Anreicherung, um dem Sound Tiefe und Farbe zu geben
  6. TRANSIENTS: Attack-Phasen werden verstärkt oder abgeschwächt
  7. WITH: beeinflusst die Stereo-Breite
  8. PUSH: Ein Makro-Regler, der alle Kompressor-Einstellungen gleichzeitig beeinflusst, von sanft bis hart.
  9. VOLUME: Der „eine“ Regler, mit dem die Lautheit der Musik geregelt wird, ohne dass akustische Artefakte auftreten.

One ist ein moderner Mastering-Prozessor, der in vielen Fällen völlig ausreicht, um ein professionell klingendes Master zu erstellen. Die Regelbereiche der Bedienelemente sind sehr gut abgestimmt. Ich hatte beim Testen das Gefühl, dass One genau weiß, was von ihm verlangt wird und entsprechend reagiert. Um den Sound einer aktuellen Rock- oder Pop-Produktion entsprechend dem Zeitgeschmack laut, präsent und gleichzeitig transparent und knackig zu machen, ist dieser Prozessor hervorragend geeignet.

Hörbeispiel:
1. Abschnitt Mix ohne Mastering-Prozessor, 2. Abschnitt mit T-RackS 5 One.

 

 

Das nächste Hörbeispiel ist wieder mit einer Mastering-Kette bearbeitet worden. Die eingesetzten Module hier in der Abbildung:

 

Mastering-Kette „Complex Control“

 

Hörbeispiel:

1. Abschnitt Mix ohne Mastering-Prozessor, 2. Abschnitt mit der Mastering-Kette „Complex Control“.

 

 

Erweiterte Messinstrumente

Metering nach Internationalen Broadcast-Normen, Spektrum-Darstellung, Anzeige von Loudness Units (LUFs) und vielen weiteren nützlichen Informationen sind die Eigenschaften der Messinstrumente in T-RackS 5.

 

T-RackS 5 Metering

 

Fazit

IK Multimedia T-RackS 5 ist eine gelungene Weiterentwicklung der Mastering-Suite. Die Vielzahl der Module bietet nahezu unendliche Kombinationsmöglichkeiten. Die Module lassen sich nicht nur als Mastering-Kette in der Summe, sondern auch einzeln als Plug-ins in Track-Channels oder Bussen einsetzen. Von der neuen Audio-Engine und der verbesserten grafische Oberfläche profitiert die gesamte Suite. Die Skalierbarkeit des grafischen Interfaces ist sehr vorteilhaft, so lässt sich die Darstellungsgröße am Laptop anpassen und auf großen Monitoren bis zu 4K zoomen. Winzige Schriften und Bedienelemente ärgern mich bei vielen Plug-ins, IK Multimedia ist eine Ausnahme, hier profitiert der Workflow von der übersichtlichen und augenfreundlichen Darstellung. Die vier neuen Module haben Spitzenqualität. Dyna-Mu emuliert einen begehrten Röhren-Kompressor, EQual verbindet Digitaltechnik mit Filtercharakteristiken analoger Vorbilder, Master-Match ist weit mehr als ein Match-EQ und One ist die praktische All-in-one Lösung. Die erweiterten Messinstrumente können jetzt auch LUFs anzeigen und lassen sich nach vielen Standards kalibrieren. T-RackS 5 standalone ist ein Mastering-Programm mit professionellen Features, damit kann ein Album einschließlich aller Codes für die CD-Herstellung vorbereitet werden.

 

 

Systemvoraussetzungen: Mac oder Windows, 64 Bit

 

Preise:

(Stand 22.11.2017, Angaben auf der Website nur in US $)

T-RackS 5 $149,99

T-RackS 5 Deluxe $299,99

T-RackS 5 MAXX $499,99

Die Versionen unterscheiden sich durch die Anzahl der Module.

Upgrades für Besitzer von IK-Multimedia-Produkten sind günstiger, es gibt auch eine Free-Version, die sich mit Custom-Shop-Einkäufen erweitern lässt.

Website des Herstellers: IK Multimedia

 

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