Test: Kopfhörer beyerdynamic AVENTHO WIRELESS

By | 12. November 2017

Der Bluetooth-Kopfhörer beyerdynamic AVENTO WIRELESS ist etwas Besonderes. Er passt den Klang an das Gehör des Benutzers an. Eine App ermöglicht die Personalisierung entsprechend dem eigenen Hörvermögen.

Kopfhörer für den mobilen Einsatz gibt es viele. Wer mit In-Ear-Stöpseln nicht glücklich wird, greift zu On-Ear- oder Over-Ear-Modellen. Während Over-Ear Kopfhörer ziemlich wuchtig wirken können, sieht der AVENTHO WIRELESS in On-Ear-Bauweise vergleichsweise zierlich aus. Technisch hat er eine Menge zu bieten. Er ist besonders für audiophile Musikhörer geeignet, die sowohl zu Hause als auch unterwegs hohe Ansprüche an den Klang stellen.

Der Kopfhörer verfügt über die Tesla-Technologie für besonders starken Magnetfluss. Der Codec Qualcomm aptX™ HD wird unterstützt, damit ist eine bessere Sound-Qualität als bei der CD möglich (24-Bit High Definition Audio).

 

 

Beyerdynamic Aventho Wireless, braun

 

beyerdynamic AVENTHO WIRELESS in Kürze

  • On-Ear Kopfhörer
  • Drahtlos, Bluetooth 4.2
  • Personalisierung mit der MIY-App (Make It Yours)
  • Touchfeld-Bedienung
  • Soundprofil und Sensitivität des Touchfelds speicherbar
  • Freisprechmikrofon zum Telefonieren
  • Mehr als 20 Stunden Akkulaufzeit
  • Reichweite bis zu 10m
  • Sprachansage zum Akkustand

 

Auspacken und in Betrieb nehmen

Der Kopfhörer ist in schwarz und braun erhältlich, wobei sich das nur auf die Polster bezieht. Ich habe das braune Modell getestet und fotografiert. Der Verpackungskarton enthält eine Stofftasche und darin den Kopfhörer. Die Tasche ist aus kräftigem Material und macht einen wertigen Eindruck. Das originelle Design mit dem Kordel-Verschluss wirkt ansprechend. Die Tasche bietet einen guten Schutz und hat in ihrem Inneren ein kleines Fach für die Kabel.

 

Die stylische Aufbewahrungs-Tasche

 

Zwei Anschlusskabel werden mitgeliefert. Eines ist ein Audio-Verbindungskabel mit Mini-Klinkensteckern. Damit kann man den Kopfhörer auch an Geräten betreiben, die nicht über Bluetooth verfügen. Das zweite Kabel besitzt an der Geräteseite einen USB-C Stecker und am anderen Ende einen traditionellen USB-A-Stecker, der z.B. an einen Computer oder ein Ladegerät angeschlossen werden kann.

Ein Netzteil oder Ladegerät wird nicht mitgeliefert. Das dürfte aber kein Problem darstellen, weil es wohl kaum noch einen USB-freien Haushalt geben dürfte. Ich besitze sogar zwei Tischlampen mit USB-Anschlüssen zum Aufladen (von Ikea). Ein „powered“ USB-Hub wäre ebenfalls geeignet.

Außerdem enthält die Verpackung noch zwei sehr kurz gefasste Bedienungsanleitungen; eine für den Kopfhörer und eine für die Installation der App zum individuellen Anpassen an das Gehör.

Der Kopfhörer wird mit vorgeladenem Akku geliefert. Ein Druck auf den Einschaltknopf lässt eine LED kurz aufleuchten und er ist bereit. Der Einschaltknopf ist sehr klein und ich empfinde die Bedienung als unbequem, weil ich ihn nur mit dem Daumennagel bedienen kann.

Bevor man etwas hören kann, muss er mit einem Abspielgerät „gepaart“ werden. Dazu wird der Knopf 6 Sekunden lang gedrückt und der Kopfhörer in den Pairing-Modus geschaltet. Bluetooth-fähige Geräte – egal ob Android oder iOS – erkennen den Anschluss suchenden Kopfhörer automatisch. Wie man die Verbindung am Abspielgerät einstellt ist verschieden, aber nicht schwierig, im Notfall hilft die Bedienungsanleitung des Abspielgeräts.

 

Die Bedienelemente

Da es sich in erster Linie um einen „wireless“ Kopfhörer handelt, den man nur selten mit dem mitgelieferten Audio-Kabel betreiben wird, gibt es auch keine Bedienelemente am Kabel, stattdessen sind sie unauffällig an den Hörschalen angebracht. Dadurch wird eine Fernbedienung überflüssig.

 

Die Bedienelemente und Anschlüsse

 

Das Touchfeld

Die rechte Hörschale des AVENTHO WIRELESS dient als Touchfeld. Lautstärke,  Skip- und Spul-Funktionen sind damit steuerbar. Auch der zum jeweiligen Betriebssystem des Abspielgeräts gehörende Personal Assistant, wie Siri oder Alexa, kann kontaktiert werden. Die Empfindlichkeit des Touchfelds ist über die MIY-App einstellbar.

 

Make It Yours – die App

Die Personalisierung ist das ganz Besondere am AVENTO WIRELESS. Damit besteht die Möglichkeit, die Klangeigenschaften dem Gehör individuell anzupassen. Gerade bei der Beurteilung von Klangeigenschaften gehen die Meinungen oft weit auseinander.  Das liegt zum einen an persönlichen Vorlieben. Ein unverfälschter Klang gefällt dem Tester, aber manch ein Benutzer wünscht sich eine Extra-Portion Bass oder mehr Höhen. Zum anderen ist das Gehör jedes Menschen unterschiedlich. Der allgemein für das menschliche Hörvermögen angegebene Frequenzbereich on 20Hz bis 20kHz verringert sich im Laufe des Lebens. Besonders im Höhenbereich lässt das Hörvermögen nach, allerdings ist das individuell verschieden. Die Hörschwächen sind auch nicht linear, sodass eine einfache Anhebung des gesamten Höhenbereichs keine optimale Lösung darstellt. Der beste Weg besteht darin, mit Messungen festzustellen, wo die Schwächen liegen und die Wiedergabe des Kopfhörers entsprechend anzupassen. Mit der App, die zum AVENTO WIRELESS gehört, ist genau das möglich.

 

Die MIY-App für Smartphone und Tablet

 

Die MIY-App (Make It Yours) lässt sich im Apple App-Store oder im Google Play Store herunterladen. Sie funktioniert sowohl auf dem Smartphone, als auch mit Tablets. Meine Abbildung zeigt einen Screenshot vom iPad Air. Die Bedienung wird innerhalb der App erklärt.

Um den Kopfhörer dem persönlichen Gehör anzupassen, braucht es einige Minuten. Zuerst fragt die App nach dem Alter. Danach werden nacheinander für das linke und das rechte Ohr Töne mit unterschiedlichen Frequenzen ein- und ausgeblendet. Sobald der Testkandidat einen Ton hört, muss er einen Finger auf das Display legen und erst wieder wegnehmen, wenn er den Ton nicht mehr wahrnimmt. Nach Abschluss der Messungen wird ein Profil erstellt und auf den Kopfhörer geladen. Der User hat die Möglichkeit zu bestimmen, ob die Messergebnisse zu 100% oder zu einem geringeren Teil die Wiedergabe beeinflussen.

 

Der AVENTHO WIRELESS in der Praxis.

Der Kopfhörer ist leicht verstellbar und sitzt bequem. Kopfbügel und Hörschalen-Polster sind weich und fühlen sich angenehm an. Für die geringe Größe kam er mir beim ersten Aufsetzen erstaunlich schwer vor. Das ist aber nur relativ zur Größe zu verstehen und stört nicht beim Tragen. Er hat einen sicheren Sitz und kann unter normalen Umständen nicht verrutschen.

 

 

Wenn man das Pairing vorher durchgeführt hat, ertönt beim Aufsetzen des Hörers eine Stimme: „Your headset is connected“. Das Touchfeld reagiert sehr zuverlässig und ist eine komfortable Lösung zur Bedienung der wichtigsten Funktionen. Nach dem Personalisieren ging für mich – auf die Akustik übertragen –  die Sonne auf. Vielleicht sind es die Jahre, vielleicht frühere Band-Übungsabende vor der Marshall Gitarren-Anlage – auf jeden Fall führt der Hörschwächen-Ausgleich bei mir dazu, dass ich spontan sagen muss: So detailliert und räumlich habe ich noch nie Musik über einen Kopfhörer gehört! Nur der Bass erschien mir etwas überbetont.

Kaum hatte ich den beyerdynamic AVENTHO WIRELESS erhalten, ergab sich eine weitere Test-Situation, denn Tags darauf trat ich eine Reise in die USA an. Während der vielen Stunden im Flieger habe ich mir unter anderem den Spielfilm „Der dunkle Turm“ angesehen. Als Kenner der Buchvorlage gefiel mir die Handlung überhaupt nicht, aber der Sound der Filmmusik und der Special-Effects war beeindruckend. Natürlich gab es am Entertainment-System des Flugzeugs keine Bluetooth-Funktion, aber auch über Kabel und Umstecker konnte ich den Kopfhörer problemlos verwenden. Obwohl es sich um einen Stereo-Kopfhörer handelt, hatte ich teilweise geradezu einen Surround-Eindruck. Auch wenn der AVENTHO WIRELESS nicht über Noise-Cancelling verfügt, fühlte ich mich kaum durch die Nebengeräusche gestört.

Gegenprobe

Nachdem ich mir schon ein sehr positives Urteil gebildet hatte, kam mir die Idee, die Personalisierung mit einem anderen Kandidaten zu wiederholen. Dazu bat ich meinen Sohn um sein Urteil, der naturgemäß einer jüngeren Generation angehört. Nachdem er sein Profil erstellt hatte, sagte er, dass ihm die Musik jetzt zu detailliert erschiene. Es sei so, als wenn jedes Instrument  gleichzeitig laut und im Vordergrund wäre. Gesangs-Stimmen kämen ihm unangenehm präsent vor. Den Bass fand er allerdings völlig in Ordnung.

Spricht das gegen die Personalisierung? Ich meine nicht. Ein ehemaliger Mitschüler, der Hörgeräte-Akustiker geworden ist, erzählte mir einmal, dass alle seine Kunden eine Eingewöhnungsphase benötigen. Fast jeder findet das „normale“ Hören anfangs ganz furchtbar, weil er sich an seine Hörfehler gewöhnt hat. Alles klingt aufdringlich und Musik überhaupt ganz schrecklich. Die Leute müssen das normale Hören erst wieder lernen. Dieser Effekt kann bei einem personalisierten Kopfhörer natürlich auch auftreten. Deshalb ist dieser Kopfhörer möglicherweise bei manchen Menschen erst „Liebe auf den zweiten Blick“ – bzw. Ton. Die MYI-App bietet allerdings für den Fall, dass die Einstellung zu extrem erscheint, auch eine Hilfe an. Man könnte beispielsweise die Einflussstärke der Messung auf das Profil zunächst auf 20% einstellen und eventuell nach und nach steigern. Wichtiger ist doch, dass dem Benutzer das Klangbild gefällt, und nicht, dass es genau einer Norm entspricht.

 

Technische Daten (Auszug)

Übertragungsbereich 10 – 40.000 Hz

Bluetooth Version 4.2

Reichweite bis zu 10m

Akkulaufzeit > 20 Std.

Ladezeit 2 Std.

Gewicht ohne Kabel 238 g

Firmware Updates lassen sich mit dem USB-Kabel auf den Kopfhörer laden.

Fazit

Der beyerdynamic AVENTHO WIRELESS hat ein ansprechendes Design und bietet hohen Tragekomfort. Die technischen Werte ordnen ihn in die Spitzenklasse ein. Kabellose Kopfhörer bieten mehr Bewegungsfreiheit als andere Modelle und liegen im Trend. beyerdynamic ist diesem Trend nicht einfach gefolgt, sondern hat zahlreiche praktische Funktionen eingebaut, die man bei anderen Bluetooth-Kopfhörern nicht findet. Wer diesen Artikel durchgelesen hat, wird sich nicht wundern, wenn ich den beyerdynamic AVENTHO WIRELESS zu meinem Lieblingskopfhörer erkläre. Was hiermit geschieht! Kritik am Gerät selbst übe ich nur an der winzigen Bedienungs-Taste.

Die Software MIY ist meiner Ansicht nach noch verbesserungswürdig. Ich wünsche mir ein Update, das es ermöglicht, mehrere Profile zu speichern. Die Tracking-Funktion, die anzeigt, wieviel Zeit man täglich mit Hören verbringt, halte ich für eine überflüssige Spielerei. Beim Einmessen des Profils sollten meiner Meinung nach nicht nur Mitten und hohe Frequenzen zum Einsatz kommen, sondern auch tiefe Testtöne, etwa 60, 80 und 100Hz. Das Fehlen solcher Testtöne bewirkt wahrscheinlich, dass mir der Bassbereich zu dominant erscheint, weil er nicht an das Hörprofil angepasst werden kann. Ideal fände ich eine Grafik, die das erstellte Profil als Kurve darstellt, möglichst mit Anfassern, um bestimmte Frequenzen nach eigenem Geschmack anzuheben oder abzusenken. music-knowhow Leser/innen, die selbst Musik produzieren, kennen so etwas von Equalizer-Plug-ins ihrer DAW.

Ich finde den Ausgleich von Hörschwächen durch die Personalisierung des Kopfhörers genial und hilfreich. Wer sich das Gerät online bestellt und davon enttäuscht ist, sollte es nicht gleich zurückschicken, sondern solange ausprobieren, wie es die Rücksende-Frist erlaubt, denn wer starke Hörschwächen hat, muss das richtige Hören erst wieder lernen. Aber auch wenn man auf sein Gehör vertraut und auf die Anpassung verzichtet, erwirbt man ein innovatives Produkt mit Spitzenklang.

Der beyerdynamic AVENTHO WIRELESS hat unseren Award – den music-knowhow Redaktionstipp – verdient!

 

 

Der AVENTHO WIRELESS wurde schon mehrfach international ausgezeichnet, u. a. mit dem CES Innovation Award 2018.

 

Preis: €449,- (Stand November 2017)

Website des Herstellers zum AVENTHO WIRELESS

 

Kundenrezensionen und Bestellmöglichkeit  hier bei Amazon*

*music-know nimmt am Amazon-Partner-Programm teil.

Aktuelle Testberichte und mehr zum Thema Musik immer hier…

 

Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis aller Artikel auf facebook hier…

 

5 thoughts on “Test: Kopfhörer beyerdynamic AVENTHO WIRELESS

  1. Ulf

    Ein interessantes Konzept ist das schon, das beyerdynamic mit dem AVENTHO WIRELESS abliefert. Aber skeptisch bin ich zugleich auch.
    Ich regle meine Musik, wenn ich sie über Kopfhörer höre, fast immer mit einem Equalizer nach – und ich habe für jeden Kopfhörer ein eigenes Profil. Das geht z. B. mit der iOS-App Equalizer (mehr dazu hier: https://www.cupertino-dance.de/tipps-tricks-fuer-ios-equalizer-app-fuer-kopfhoerer/) – mir wäre es zu wenig, wenn ich für einen Kopfhörer nur ein Profil mit Testtönen erstelle … Oder kann man das Profil auch noch verändern?
    Danke für den Test in jedem Fall, Jürgen,
    viele Grüße
    Ulf

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  2. Jürgen Drogies Post author

    Hallo Ulf,
    wie ich oben geschrieben habe, ist genau das mein Wusch an beyerdynamic! Weil das Profil mit der App erstellt, und dann zum Kopfhörer hochgeladen wird, ließe sich das per Software-Update nachrüsten. Zur Zeit besteht nur die Möglichkeit, nach dem Einmessen den Grad der Beeinflussung einzustellen, wie man in meinem Screenshot sieht. Für mich klingt der Kopfhörer mit 100% Personalisierung toll, das liegt an meinen Ohren, da kommt es gut hin. Nur den Bass finde ich zu laut. Aber ich versuche auch immer studiomäßig linear zu hören und habe meine Lautsprecher mit IK Multimedia ARC eingemessen. Linear ist für die meisten Leute enttäuschend, gerade die ganz jungen Leute wollen oft viel Bass. Wie gesagt: Für mich klasse, bis auf einen Abstrich beim Bass. Ansonsten wünsche ich mir den EQ in der App.
    Viele Grüße
    Jürgen

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  3. Ulf

    Darf ich noch mal nachfragen? Die Personalisierung wird auf dem Kopfhörer gespeichert … Man braucht außer für die Klangpersonalisierung die App also nicht, oder? Der Klang wird dann für alle Hörquellen angepasst …

    Reply
  4. Jürgen Drogies Post author

    Hallo Ulf,
    ja, das ist der Vorteil! Das Profil wird im Kopfhörer gespeichert und man braucht die App nur zur Personalisierung, so nennt beyerdynamic es, wenn ein Profil erstellt wird. Wenn man sich die App ansiehtt, steht da „Profile“, also Plural. Deshalb rechne ich fest mit einem Update und der Möglichkeit, unterschiedliche Profile zu erstellen, die man bei Bedarf im Kopfhörer speichert.
    Ich finde es gut, dass man die Personalisierung an jedem Gerät zur Verfügung hat, auch wenn die App dort nicht drauf ist. Der Wechsel von einem Bluetooth–Gerät zum anderen funktioniert nicht ganz so reibungslos, wie bei den AirPods von Apple. Manchmal ist erneut „Pairing“ nötig. Gut finde ich auch, dass es möglich ist, den Kopfhörer mit dem Kabel anzuschließen. Wenn kein Bluetooth vorhanden ist, braucht man diese Möglichkeit sowieso. Falls man Musik einspielen will, verschwindet so die Latenz, die alle Bluetooth-Übertagungen an sich haben.

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