Think big! – 4K-Monitor für die DAW

By | 4. November 2017

Ein zweiter Monitor war lange Zeit nahezu obligatorisch für eine DAW mit Arrange-Window, virtuellem Mischpult und Plug-in-Fenstern. Ein einziger Monitor mit TV-Maßen wie der LG 432UD 79 ist die moderne Alternative. 

So kam ich zu 4K…

Kaum hatte ich meinen defekten Zweitmonitor durch einen neuen Widescreen Monitor ersetzt, traten Probleme mit der Grafikkarte meines Mac auf. Diese hatte mir sowieso nicht erlaubt, die große Version des Widescreen Monitors zu verwenden, auf den ich zunächst ein Auge geworfen hatte. Ihr Nachfolger, eine „geflashte“ PC-Karte, versorgt meinen Mac Pro 5.1 (Mitte 2010) jetzt mit mehr Grafik-Power. 4K-Auflösung ist damit möglich, also habe ich mich umgesehen…

 

 

LG 43UD79-B im Studio

 

 LG 43UD79

Meine Wahl fiel auf den LG 43UD79. Kein Widescreen, er besitzt das klassische 16:9 Bildformat. Im Gegensatz zum Widescreen habe ich hier mehr Bildfläche gleichzeitig im Blick, weil der Monitor nach allen Seiten größer ist als mein früherer 27-Zoll Hauptmonitor. Leichte Drehungen des Kopfes reichen aus, ich muss mich kaum zur Seite lehnen oder gar mit dem Stuhl hin- und herrücken.

Aber erst einmal zurück zum Kauf. Online bestellt und am nächsten Tag geliefert, so soll es sein!

 

Der Monitor vor dem Auspacken im Karton

 

Unpacking, Lieferumfang und Aufstellung

Das Verpackungsmaterial ist dem Inhalt angemessen stabil. Bei Anlieferung war der Karton, der innen mit Styroporteilen ausgekleidet ist, noch in einem Versand-Karton verpackt. Der eigentliche Karton ist sparsam einfarbig bedruckt, ohne aufwändige Farbbilder, wie es bei TV-Geräten manchmal der Fall ist. Das Gehäuse ist aus Kunststoff, das LED-Panel ist mit einem sehr schmalen Metallrahmen versehen. Unauffälliger Profi-Look, sogar das LG-Logo wurde dezent angebracht.

Neben dem Monitor befindet sich folgendes Zubehör in der Verpackung:

  • Kurzanleitung und CD mit dem Manual und Control-Software (auch online verfügbar)
  • Netzkabel
  • Fernbedienung, 2 AAA Batterien
  • HDMI Kabel
  • Display-Port Kabel
  • USB-C Kabel
  • USB-C-A-Adapter

Bevor der Monitor aufgestellt werden kann, muss der Standfuß angeschraubt werden. Das geht sehr einfach mit 4 Schrauben. Der Monitor steht fest auf diesem Fuß, da wackelt nichts. Alternativ kann man eine (nicht mitgelieferte) Wandhalterung verwenden.

Auf dem Standfuß lässt sich das Gerät leicht nach vorn oder hinten schwenken, aber nicht in der Höhe verstellen.

 

Größenvergleich: Der Autor dieses Berichts vor dem 4-K Monitor.

 

So groß und doch kein Fenseher!

Ich bin inzwischen daran gewöhnt, dass Besucher sagen: „Ist das nicht ein Fernseher?“ Nein, ist er nicht. Allerdings gibt es neben der Größe noch eine zweite Gemeinsamkeit mit einem TV-Gerät: eine Fernbedienung.

 

Die Fernbedienung des Monitors

 

Mit der Fernbedienung kann man den Monitor ein- und ausschalten, die Lautstärke der internen Lautsprecher regeln, Bild und Tonquellen anwählen und noch mehr. Vor allem lässt sich damit das On-Screen-Menü aufrufen und bedienen.

Die Bedienung kann alternativ mit einem kleinen Joystick erfolgen, der sich in der Mitte an der Unterkante des Geräts befindet und normalerweise nicht sichtbar, aber leicht zu ertasten ist.

 

Die Rückseite mit den zahlreichen Anschlüssen. Etwas hakelig ist das Einstecken eines USB-Steckers von unten nach oben.

 

Anschlüsse

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Es gibt neben dem Netzanschluss (Kabel abnehmbar, eingebautes Netzteil) eine RS-232C-Buchse zur Wartung, vier HDMI-Eingänge und einen Display-Port-Eingang. Außerdem existieren drei USB-Anschlüsse (einer davon USB C) und ein Kopfhörer-Ausgang. Der Display-Port ist kein Mini-Display-Port, wie es bei Apple-Geräten üblich ist, man benötigt deshalb am Mac ein Adapter-Kabel oder einen Umstecker. Ich habe den Monitor per HDMI angeschlossen, weil meine nachgerüstete Grafikkarte darüber verfügt.

Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich die Befestigungsmöglichkeit für ein Kensington Schloss.

 

Auf den Schirm!

Die Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln entspricht dem 4K-Standard. Durch die Bildschirmdiagonale von 108 cm ist die optische Darstellung von kleinen Schriften und Bedienelementen der DAW und von Plug-ins ausreichend groß. Plug-ins von Waves oder auch die gesamte grafische Oberfläche von Propellerhead Reason sind gute Beispiele dafür. Das IPS LED-Panel ist sehr schön hell und kontrastreich. Die Farbtemperatur ist ab Werk nicht so gelblich, wie bei meinem früheren Apple Cinema Display. Man könnte den LG auch entsprechend einstellen, aber mir gefällt es so sehr gut, deshalb habe ich an den Einstellungen für Helligkeit, Farbe und Kontrast nichts geändert. Der Standard ULTRA HD Deep Color wird unterstützt; die Quelle muss natürlich ein entsprechendes Bild liefern, damit es sich auswirkt.

Die nächsten beiden Bilder sind Screenshots; sie zeigen das von mir am häufigsten benutzte Musikproduktionsprogramm, Apple Logic X. Natürlich sehen alle grafischen Elemente und Schriften auf den Bildern in diesem Artikel winzig klein aus, auf dem LG 43UD79 mit seiner Diagonale von 1,08 m ist die Darstellung aber genauso groß, wie bei meinem früheren Apple LED Cinema-Display mit 27 Zoll, oder wie bei einem iMac mit gleicher Bildschirmgröße.

 

Logic Pro X, Fullscreen Modus

 

Logic Pro X und einige Plug-in Fenster am rechten Rand.

 

Besonderheiten

Die Bildfläche des Monitors entspricht der Fläche von vier 21,5-Zoll Geräten. Er lässt sich in zwei oder vier gleich große Bereiche aufteilen. Jeder Bereich kann einem eigenen Eingang zugeordnet werden. Es wäre zum Beispiel möglich, im ersten Viertel das Computerbild zu sehen, im zweiten eine Fernseh-Sendung von einer Set-Top-Box, im dritten eine X-Box und im vierten eine Playstation. Ob das Sinn macht, ist eine andere Frage, aber das soll auch nur ein Beispiel sein.

Für Gamer ist die kurze Reaktionszeit von 5ms interessant. Das Harman Kardon Soundsystem mit 2 x 10 W Leistung liefert einen satten Sound, wie man ihn bei einem Computer-Monitor selten erlebt.

Fazit

Ich bin nach zwei Monaten täglicher Benutzung im Studio immer noch begeistert. Der LG 43UD79 ersetzt bei mir ein 2-Monitor-System, das aus einem Apple LED Cinema Display 27“ und einem Samsung mit ca. 20“ Diagonale bestand. Für kurze Zeit hatte ich den Samsung durch einen Widescreen Monitor 29UM68 ersetzt – der gefällt mir auch immer noch, er steht jetzt zu Hause auf dem Schreibtisch. Nachteile, verglichen mit dem Apple Monitor gibt es auch. Im Gegensatz dazu verfügt der LG nicht über eine Kamera (brauche ich aber auch nicht). Die eingebauten Lautsprecher kann ich mit dem Mac Pro 5.1 nicht nutzen. Erst das darauffolgende Modell des Mac unterstützt Bild- und Tonausgabe über den Display-Port. Ich habe den Sound aber ausprobiert – mit einem MacBook Air neueren Datums. Der Klang ist wirklich beeindruckend, so einen Sound habe ich von den internen Lautsprechern eines Monitor noch nie zuvor gehört. Für Besitzer moderner Computer sind die genannten Probleme aber irrelevant. Wenn der Mac/PC über eine Grafikleistung von 3840 x 2160 (= 4K) verfügt ist alles klar, auch die Tonausgabe über DP oder HDMI funktioniert bei einem aktuellen Gerät. Die Verarbeitung ist sehr gut. Ein toller Monitor für die Musikproduktion mit unauffälligem Design und sehr guter Ausstattung!

 

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7 thoughts on “Think big! – 4K-Monitor für die DAW

  1. Jürgen Drogies

    Ja, seit ich meine Musik vollständig „in the box“ produziere und mische, kann ich eine große Monitor-Fläche gut gebrauchen. Ich habe keinen Preis angegeben, weil dieser häufig schwankt, so zwischen Mitte bis Ende 700€. Vor 6 Jahren hat mein 27 Zoll Display von Apple noch knapp 1000,- gekostet, die Entwicklung ist schon erstaunlich. Ich hatte die Befürchtung, der LG könnte zu mächtig wirken. So ist es aber nicht, auch nach 2 Monaten bin ich noch echt begeistert, auch vom Kontrast und davon, dass das Bild nicht verfälscht aussieht, wenn man seitlich darauf guckt.

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    1. Jörn

      Wunderbar, dass du so zufrieden bist. Scheint ein guter Kauf zu sein.

      So was wünsche ich mir für ein neues iMac-Modell. Mit einer Auflösung für Fotografen. Gern 10.000 Pixel in der Breite. Aktuelle iMacs schaffen derzeit irgendwas mit knapp über 5.000 Pixel. Das ist nett, könnte aber noch mehr sein.

      Reply
  2. Jürgen Drogies Post author

    Das kommt sicher auch noch!
    Bei meiner Anwendung finde ich es sehr angenehm, dass keine Unterbrechung vorhanden ist wie bei 2 Monitoren. Außerdem konnte ich früher bei Apple plus Samsung nie die gleiche Farbdarstellung bekommen.

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  3. Markus

    Schon sehr cool, wie viel Platz da für Kanäle und Co. ohne Unterbrechung durch einen Monitorrand ist. Macht sicherlich Spaß damit zu arbeiten. Und erschwinglich ist die Lösung auch.

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    1. Jürgen Drogies Post author

      Ja, ohne Unterbrechung durch einen Monitorrand – ich habe jetzt erst richtig gemerkt, dass mich das immer gestört hat. Jetzt überlege ich nicht mehr, was ich auf welchem Monitor sehen will, sondern teile die Fläche spontan auf. Auch eine einzige Full Screen Ansicht ist manchmal sehr gut. Der Preis ist etwas höher als bei einem TV gleicher Größe, aber man hat die vielen Anschlüsse und sogar schon USB-C, und richtig kraftvolle Lautsprecher!

      Reply
  4. Jürgen Drogies Post author

    Ja, ohne Unterbrechung durch einen Monitorrand – ich habe jetzt erst richtig gemerkt, dass mich das immer gestört hat. Jetzt überlege ich nicht mehr, was ich auf welchem Monitor sehen will, sondern teile die Fläche spontan auf. Auch eine einzige Full Screen Ansicht ist manchmal sehr gut. Der Preis ist etwas höher als bei einem TV gleicher Größe, aber man hat die vielen Anschlüsse und sogar schon USB-C, und richtig kraftvolle Lautsprecher!

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